Xerox

High Noon

Ausgabe-Nr.: 18/2018

Xerox-Zentrale in den USA: Angesichts der Unwägbarkeiten bei der vereinbarten Übernahme verweigert Xerox inzwischen den Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr.

In den USA streiten sich die Großaktionäre des Xerox-Konzerns und die japanischen Investoren von Fujifilm um den geplanten Zusammenschluss der beiden Unternehmen wie die Kesselflicker. Die einen wollen neu verhandeln, die anderen den Deal gerichtlich durchsetzen. – Nun kommen Zweifel auf, ob die geplante Übernahme überhaupt noch über die Bühne geht.

 

Jeff Jacobson, Ex-CEO der Xerox Corp. in Rochester, befindet sich in einem Interessenkonflikt, argumentierte der zuständige Richter in New York und setzte mit einer Einstweiligen Verfügung den Verkauf des Unternehmens an den japanischen Konzern Fujifilm kurzerhand aus (INFO-MARKT Nr. 5/2018). Der Xerox-Chef befand sich in einem „hoffnungslosen Interessenkonflikt“ bei den Verhandlungen mit Fujifilm, da er wusste, dass für ihn ein Nachfolger gesucht wurde. Jacobson wird vorgeworfen, die Verhandlungen mit Fujifilm in Windes­eile zu Ende geführt zu haben, um im Amt bleiben zu können.

Der Kampf gegen die vereinbarte Übernahme des schwächelnden US-Herstellers durch Fujifilm erhält auch von einer anderen Seite groteske Züge. US-Großinvestor Carl Icahn und seine Mitstreiter wollen gegen den geplanten Deal vorgehen. Nach ihrer Ansicht ist die Bewertung des milliardenschweren Zusammenschlusses zu niedrig angesetzt. Xerox teilte mit, dass Jacobson sowie sechs weitere Manager abtreten. So soll eine Klage der Großaktionäre beigelegt werden.

Icahn will den Deal nun neu verhandeln, weil mit der eingewechselten, von den Investoren unterstützten Führung unter dem neuen Xerox-Chef John Visentin Xerox nun besser aufgestellt ist. Das Potenzial kann nunmehr besser ausgeschöpft werden. Die Japaner von Fujifilm sehen das völlig anders. Auch die neue Führungsspitze ist verpflichtet, die im Januar 2018 getroffenen Vereinbarungen zu erfüllen. „Wir glauben, dass der Zusammenschluss von Xerox und Fuji Xerox die beste Option ist, um den Anteilseignern beider Firmen außerordentlichen Mehrwert zu bringen“, lautet das Statement. Fujifilm will gegen den Gerichtsbeschluss vorgehen.

Dass die geplante Übernahme von Xerox durch Fujifilm doch noch über die Bühne geht, erscheint etlichen Beobachtern dieser Inszenierung inzwischen mehr als fraglich. Angesichts der Unwägbarkeiten bei der vereinbarten Übernahme verweigert Xerox inzwischen den Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr. Sonderkosten in Zusammenhang mit der Gemeinschaftsfirma ließen den Gewinn von Xerox zu Jahresbeginn um 42,5 Prozent auf 23 Millionen Dollar einbrechen, der Umsatz stagnierte bei 2,44 Milliarden Dollar.

 

 

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