Smart City

„Urbanität wird neu definiert“

Ausgabe-Nr.: 13/2019

Immer mehr deutsche Städte machen sich auf den Weg in die digitale Welt. Der Branchen-Verband Bitkom präsentierte in Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut und einigen namhaften IT-Anbietern einen Smart-City-Atlas mit 50 Städten und der Positionierung bei der Umsetzung der digitalen Zielsetzungen. Für die IT-Anbieter mit der entsprechenden Qualifikation dürften sich dadurch vereinfachte Einstiegsmöglichen für neue Geschäfte ergeben; vor allem im Bereich IT-Sicherheit und DMS-Projekte.

 

„In digitalen Städten wird Urbanität neu definiert. Wir haben die deutsche Smart-City-Landschaft vermessen und nach thematischen Schwerpunkten gegliedert. Mit dem Smart-City-Atlas legen wir erstmals eine umfassende qualitative Analyse der Digitalisierung deutscher Städte vor“, sagt Achim Berg, Präsident des Bitkom e. V. in Berlin, anlässlich der Präsentation eines sogenannten Smart-City-Atlas. Er wurde von dem Berliner Verband in Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software-Engineering (IESE) und 13 weiteren Partnern erstellt.

Daran beteiligten sich unter anderem Capgemini Deutschland GmbH, Dell EMC (Dell GmbH), Deutsche Telekom AG, Fujitsu Technology Solutions GmbH, Hewlett-Packard Enterprise, MasterCard Europe SA, PricewaterhouseCoopers GmbH, Robert Bosch GmbH und Stadtwerke München GmbH. Auf Basis qualitativer Interviews entstanden im Zeitraum zwischen Dezember 2018 und März 2019 Steckbriefe der Städte mit Angaben zu deren Digitaler Agenda, Motivation und Zielsetzung für den Digitalisierungs-Prozess, Organisations-Struktur im Bereich Smart City, Partner-Netzwerk vor Ort, Bürgerbeteiligung, Chancen und Herausforderungen, Handlungs-Empfehlungen und jeweils drei Projektbeispielen.

Es beschreiten immer mehr Kommunen den Weg in die digitale Welt. Insgesamt 50 Städte haben bereits Smart-City-Initiativen gestartet. Voraussetzung für die Aufnahme in den Altas war, dass in der Kommune eine integrierte Digitalstrategie entwickelt, eine ressortübergreifende Organisations-Einheit geschaffen oder ein lokales Partner-Netzwerk für die Digitalisierung etabliert wurde. Die 50 untersuchten Städte befinden sich jeweils in unterschiedlichen Phasen.

Eine digitale Agenda verabschiedeten bereits 19 Kommunen und 29 sind dabei, eine solche zu entwickeln. Wichtigste Themenfelder sind die Digitalisierung von Verwaltung (98 Prozent), Mobilität (92 Prozent) sowie Energie und Umwelt (86 Prozent). Leuchtturm-Projekte, die die Städte selbst benennen, werden vor allem in den Themenfeldern Verwaltung (74 Prozent), Mobilität (60 Prozent) und Datenplattform (36 Prozent) realisiert (-> Grafik 2).

Der Smart-City-Atlas beinhaltet ausführliche Porträts aller 50 Städte und beschreibt die jeweiligen Organisations-Strukturen in den Rathäusern. Neben Metropolen und Großstädten wie Hamburg, München oder Leipzig sind auch 13 Mittelstädte vertreten, darunter Bad Hersfeld (Hessen), Coburg (Bayern) und Lemgo (Nordrhein-Westfalen). Die 50 Städte verteilen sich auf das gesamte Bundesgebiet mit allen 13 Flächenländern und den drei Stadtstaaten (-> Grafik 1). Am häufigsten vertreten sind Nordrhein-Westfalen mit 15 und Baden-Württemberg mit acht Kommunen. Beide Bundesländer fördern die Digitalisierung von Städten und Regionen mit spezifischen Landesprogrammen. Dahinter folgen Bayern (7), Niedersachsen (5) und Sachsen (3).

„Regionale Förderprogramme und Wettbewerbe wie ,Digitale Stadt‘ waren die Initialzündung für viele Smart-City-Initiativen in Deutschland. Die breite lokale Unterstützung und die große öffentliche Aufmerksamkeit haben viel Schwung und Begeisterung in die Städte gebracht“, kommentiert Berg. 2017 gewann Darmstadt den Wettbewerb Digitale Stadt von Bitkom und Deutschem Städte- und Gemeindebund. Diese Stadt ist eine der führenden Smart Cities in Deutschland. Die 160.000-Einwohner-Stadt entwickelt unter anderem ein intelligentes Ampelsystem und eine übergreifende Datenplattform zur Visualisierung und Vernetzung unterschiedlicher Themengebiete. Weitere Schwerpunkte liegen auf IT-Sicherheit und digitaler Verwaltung.

Die größten Herausforderungen auf dem Weg zur Smart City sind nach Angaben der Städte die digitale Teilhabe, die Qualifizierung der Verwaltungs-Mitarbeiter und der Umgang mit Fragen zu Datenschutz, Datensicherheit und IT-Sicherheit. Die im Rahmen des Smart-City-Atlas interviewten Experten leiten unter anderem folgende Handlungs-Empfehlungen für die Digitalisierung von Kommunen ab:

(1) Unterstützung der höchsten Führungsebene und Digitalisierung zur Chefsache machen, (2) Gestaltung eines möglichst schlanken Strategieprozesses, (3) Schaffung einer zentralen Institution, die koordiniert, initiiert und kommuniziert, (4) Einbeziehung aller relevanten Akteure vor Ort sowie der Mitarbeiter und Bürger, (5) Überregionaler Erfahrungsaustausch und (6) Digitalisierung im Kleinen beginnen, Einzelmaßnahmen schnell und agil umsetzen.

Die Ergebnisse sind in einem kostenlos verfügbaren Studienbericht unter www.digitalestadt.org/smart-city-atlas verfügbar. Die Städte werden zudem über einen interaktiven Online-Atlas vorgestellt. Die Digitalisierung von Kommunen ist zentrales Thema der Smart Country Convention. Die Kongressmesse zur Digitalisierung von Verwaltungen und öffentlichen Dienstleistungen findet vom 22. bis 24. Oktober 2019 in Berlin statt.

 

 

Weitere Artikel dieser Ausgabe