SAP/Schaeffler

Balsam für die Seele

Ausgabe-Nr.: 29/2019

Schaeffler-Vorstandsvorsitzender Klaus Rosenfeld: „Die Partnerschaft mit SAP wird es uns ermöglichen, unsere Prozesse effizienter zu gestalten und so noch besser auf die Bedürfnisse unserer Kunden einzugehen.“

Nach den kapitalen Investitions-Ruinen des Software-Giganten bei Haribo und anderen Anwendern nun einmal eine gute Nachricht: SAP verbindet sich enger mit seinem langjährigen Kunden, dem Automobil-Zulieferanten Schaeffler. Die Unternehmen feiern in ihren öffentlichen Verlautbarungen die Intensivierung der Zusammenarbeit sogleich als eine „strategische Partnerschaft“. Aber dahinter steht die nüchterne Erkenntnis, dass ein Unternehmen allein die komplexe Digitalisierung nicht wuppen kann.

„Im Rahmen dieser strategischen Partnerschaft soll durch einen kontinuierlichen Austausch zur Strategie und den Entwicklungen ein möglichst standardnaher Einsatz von SAP-Lösungen zu einer besseren Unterstützung der Unternehmensziele erreicht werden. Hierfür können wir mit unserer Partnerschaft den notwendigen Rahmen schaffen und begleiten ausgewählte Initiativen mit beiderseits hoher Priorität“, sagt Dr. Daniel Holz, Geschäftsführer der SAP Deutschland SE & Co. KG in Walldorf, zu den Zielen dieser Kooperation.

Im Kern geht es bei der Zusammenarbeit zwischen dem badischen Softwarehaus und dem globalen Zulieferer mit Stammsitz im mittelfränkischen Herzogenaurach darum, bereits laufende und zukünftige Projekte zur Einführung von SAP-Lösungen und deren Integration in die IT-Gesamtarchitektur zu optimieren.

Die SAP-Projekte sollen somit künftig schneller und effizienter an den Start gebracht werden. Die Zusammenarbeit erstreckt sich in beiden Unternehmen auf unterschiedliche Bereiche und Ebenen. So soll sichergestellt werden, dass ein umfassendes gemeinsames Verständnis von Strategien, Prozessen und Lösungen entwickelt wird. Aufbauend auf einem engen strategischen Austausch des Top-Managements sollen die wichtigsten Handlungsfelder identifiziert und adressiert werden sowie Schnittmengen in der Technologie-Roadmap beider Unternehmen identifiziert werden, verkündet SAP in der PR-Mitteilung.

Beide Unternehmen wollen SAP S/4Hana und die Personallösung SAP SuccessFactors zügig einführen

Weiterhin wollen beide Unternehmen moderne SAP-Lösungen, wie zum Beispiel SAP S/4Hana und die Personallösung SAP SuccessFactors zügig einführen, die die Schaeffler-Geschäftsprozesse nachhaltig optimieren und damit die weitere digitale Transformation von Schaeffler voranbringen soll. „Durch die strategische Partnerschaft mit SAP als einem der global führenden Anbieter von Geschäftssoftware setzen wir unsere Strategie weiter konsequent um. Im Rahmen der Partnerschaft profitieren wir vor allem von der Expertise und hohen Innovationskraft von SAP. Dieses wird es uns ermöglichen, unsere Prozesse effizienter zu gestalten und so noch besser auf die Bedürfnisse unserer Kunden einzugehen“, sagt Klaus Rosenfeld, Vorsitzender des Vorstands der Schaeffler AG.

Die Intensivierung der Partnerschaft dürfte mit Sicherheit durch die jüngst bekannt gewordenen Fehlschläge der SAP bei anderen Kunden beschleunigt worden sein. Einen kapitalen Flop landete der Software-Konzern bei dem Süßwaren-Produzenten Haribo. Der Gummibärchen-Spezialist aus Bonn stieg Ende des vergangenen Jahres global auf das ERP-System S/4Hana als zentrale betriebswirtschaftliche Software um, also auf eine komplett neue IT-Infrastruktur.

Die Intensivierung der Partnerschaft dürfte mit Sicherheit durch die jüngst bekannt gewordenen Fehlschläge der SAP bei anderen Kunden beschleunigt worden sein.

Dabei handelte er sich Probleme mit der Warenwirtschaft ein, die bei dem weltweit größten Hersteller von Fruchtgummi und Lakritz-Artikeln sogar die Produktion empfindlich gestört hatten. Die Regale des Lebensmittelhandels blieben mitunter tagelang leer. Der Absatz der Goldbären ging zeitweise um 25 Prozent zurück (-> INFO-MARKT Nr. 5/2019). Ein ähnliches Szenario entstand bei Lidl. Dort wurde der Schaden mit 500 Millionen Euro beziffert.

Mit anderen Worten: Bei SAP und in der gesamten IT-Branche trauen sich nicht allzu viele Zulieferer von der Größe des 14-Milliarden-Konzerns Schaeffler an die Einführung neuer Vorzeigeprodukte wie S/4Hana heran. Offenbar sind die Risiken bei der praktischen Einführung von Standard-Software in die sehr vielschichtigen Industrieprozesse weitaus größer als am Reißbrett.

Darüber hinaus herrscht bei der Digitalisierung – Stichworte Industrie 4.0 und Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) – eine babylonische Verwirrung. Maschinen unterschiedlicher Hersteller können oftmals nicht miteinander kommunizieren, die übergreifende Vernetzung kommt nur schleppend voran. Es existiert ein Kauderwelsch von mehreren hundert IoT-Plattformen, allen voran IBM, Siemens mit MindSphere und SAP. Industrievertreter wie Bosch haben gar eigene Plattformen an den Start gebracht, und nicht zuletzt mischen die IT-Giganten wie Microsoft, Amazon und Google den Markt auf. Dieses Gewirr an unterschiedlichen Sprachen, Systemen und Plattformen kostet vor allem die mittelständisch geprägte deutsche Industrie so viel Zeit und Aufwand, dass sie zwingend bei der Digitalisierung auf starke Partner angewiesen ist.

 

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