MLF Mercator-Leasing

„Benefit der besonderen Art“

Ausgabe-Nr.: 19/2019

MLF-Mercator-Leasing-Geschäftsführer Rolf Hahn: „Wir haben bis dato mehr als 100.000 Fahrräder im Bestand. Besonders in den Jahren 2017 und 2018 boomte das Geschäft und es konnte ein deutlicher Zuwachs an Leasingverträgen verzeichnet werden.“

Bei der Leasing-Gesellschaft ist der Zuwachs im Bereich Dienstrad-Leasing besonders bemerkenswert. In diesem Nischenmarkt hat sich das Unternehmen mit dem Einstieg Mitte 2013 früh positioniert und sich zu einem der führenden Fahrrad-Leasinganbieter in Deutschland entwickelt. Der aktuelle grüne politische Rückenwind dürfte die Geschäfte sicherlich noch weiter beflügeln. Wir sprachen mit Rolf Hahn, Vorsitzender der Geschäftsführung von MLF Mercator-Leasing GmbH & Co. Finanz-KG in Schweinfurt, über den Trend zur Förderung von Diensträdern und das Leasingmodell.

INFOMARKT: Können Sie Ihr Modell Dienstrad kurz erläutern?

Hahn: Ein Dienstleister, der auf steuerbegünstigte Dienstrad-Programme spezialisiert ist, stellt das Modell Dienstrad bei einem Unternehmen vor, führt es ein und übernimmt somit eine ganzheitliche Betreuung. Der Arbeitgeber schließt einen Rahmenvertrag mit Mercator-Leasing als Finanzdienstleister. Der Mitarbeiter sucht sich ein Rad bei einem Fachhändler aus und sendet das Angebot an den Arbeitgeber.

Es werden einerseits Einzelleasingverträge zwischen dem Arbeitgeber (Leasingnehmer) und Mercator-Leasing (Leasinggeber) über die Diensträder mit einer festen Laufzeit von zumeist 36 Monaten inklusive Vollkasko-Versicherung und, wenn gewünscht, auch Services geschlossen. Andererseits wird ein Nutzungs-Überlassungsvertrag zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer hinsichtlich des einzelnen Fahrrads für eben diese Dauer, der auch eine private Nutzung zulässt, geschlossen und der Arbeitsvertrag entsprechend geändert.

Im Wesentlichen geht es um den Gehaltsverzicht des Mitarbeiters für die Überlassung des Dienstrades. Sehr unterschiedlich ist die Übernahme von Kosten durch die jeweilige Firma. Häufig wird die Versicherungsrate übernommen. In immer mehr Fällen beteiligt sich der Arbeitgeber an der Leasingrate und an der Servicerate.

Sobald der Mitarbeiter sein Dienstrad übernommen hat, wird sein Anteil per Gehaltsumwandlung von dessen Bruttogehalt abgezogen. Damit sinkt das zu versteuernde Einkommen. Steuerlich gibt es gegenüber dem Firmenwagen sogar noch einen Vorteil. Denn anders als beim Dienstwagen müssen die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte nicht versteuert werden.

INFOMARKT: Wer profitiert in welcher Form vom Dienstrad-Leasing?

Hahn: Beide. Als Arbeitgeber haben Sie die Möglichkeit, Ihren Mitarbeitern eine kostenneutrale, gesunde und nachhaltige Alternative zum Dienstwagen anzubieten, und profitieren von Steuer-Einsparungen durch Abzug bei den Betriebsausgaben. Das Dienstrad wirkt sich weiter positiv auf Parameter aus, die für Unternehmen immer wichtiger werden. Zum einen die Förderung und Verbesserung der Gesundheit der Arbeitnehmer. Erwiesenermaßen führt selbst die Nutzung eines Fahrrades nur für die Fahrt zur Arbeit zur Reduzierung der Krankheitsfehltage.

Zum anderen werden die Kosten für den Parkplatz gesenkt mit dem damit verbundenen Umweltaspekt. Zudem ist es ein wirksames Instrument zur gerechten Bezuschussung betrieblicher Mobilität aller Mitarbeiter und trägt zur Motivation der Beschäftigten bei. Mitarbeiter-Gewinnung und -bindung erzielen dadurch ein positives, nachhaltiges und innovatives Image des Arbeitgebers.

Für den Mitarbeiter ist ein Dienstrad per Gehalts-Umwandlung durch den Steuervorteil zum einen günstiger als ein Fahrradkauf und zum anderen wird der Kaufpreis nicht zu Beginn der Anschaffung auf einmal fällig. Beim Dienstradmodell kann man sein Wunschrad – ohne Markenbindung – mit der neuesten Ausstattung und Technologie zu günstigen Konditionen erhalten, inklusive vollumfänglichem Versicherungsschutz. Man fördert seine Gesundheit und Fitness. Man hat keinen Stau, keine Parkplatzsuche und somit weniger Stress, also ein sorgenfreies Radeln.

INFOMARKT: Wie hat sich dieser Bereich in den letzten Jahren zahlenmäßig bei Ihnen entwickelt und welchen Umsatzanteil nimmt diese Sparte mittlerweile an Ihrem Gesamtumsatz ein?

Hahn: Trotz des starken Wachstums bei Mercator-Leasing ist das Leasing von Fahrrädern im Leasing-Markt noch ein Nischenprodukt; aber mit großem Potenzial. Bei Mercator-Leasing stellt der Bereich Mitarbeiter-Benefits schon jetzt einen wesentlichen Geschäftsbereich dar. Wir haben bis dato mehr als 100.000 Fahrräder im Bestand. Besonders in den Jahren 2017 und 2018 boomte das Geschäft und es konnte ein deutlicher Zuwachs an Leasingverträgen verzeichnet werden.

INFOMARKT: Wie hoch schätzen Sie das Gesamtpotenzial für das Dienstrad-Leasing in der deutschen Wirtschaft für die nächsten Jahre ein?

Hahn: Selbst bei konservativer Schätzung gehen wir heute davon aus, dass dieses Angebot deutschlandweit für mehr als 300.000 Unternehmen und auch kommunale Einrichtungen von Interesse ist.

INFOMARKT: Das ist ja eine beachtliche Perspektive. Mit welchen Zuwachsraten wächst der Markt und wann rechnen Sie mit einer Sättigung der Nachfrage?

Hahn: 2016 gab es hierzulande zirka 3,5 Millionen Unternehmen. Wir haben derzeit erst mit mehr als 10.000 Unternehmen einen Rahmenvertrag geschlossen, die ihren Mitarbeitern das Dienstrad – mit einem durchschnittlichen Anschaffungswert für ein Fahrrad von rund 2.500 Euro netto – per Gehalts-Umwandlung anbieten.

Das Potenzial in diesem Bereich ist also noch längst nicht ausgeschöpft und die Vorteile für weitere Dienstrad-Nutzer liegen auf der Hand. Besonders in Zeiten des Fachkräfte-Mangels und des Employer Branding ist dieses ein Benefit der besonderen Art. Aus diesem Blickwinkel werden sicherlich noch viele Unternehmen, insbesondere auch der Mittelstand, Überlegungen anstellen und auf das „Dienstrad aufspringen“.

INFOMARKT: Wer sind Ihre wichtigsten Mitbewerber in diesem Markt?

Hahn: Wir arbeiten mit dem bedeutendsten Dienstleister und dem Pionier in diesem Markt zusammen. Daneben gibt es zwischenzeitlich noch weitere Anbieter, die ähnliche Programme anbieten. Diese Unternehmen unterstützen Arbeitgeber und Angestellte bei der Durchführung des Dienstrad-Leasings, beraten marken- und herstellerunabhängig bei der Auswahl von Diensträdern und arbeiten mit Leasinggesellschaften zusammen.

Die Leasinggesellschaft ist der Finanzier und bietet einen umfassenden Versicherungsschutz. Der Dienstleister ist der Ansprechpartner in allen Belangen für das Unternehmen. So berät er die Betriebe und Selbständige umfassend und entlastet somit sämtliche Bereiche, die in die Beschaffung, die Abrechnung und Koordination des Fahrrad-Leasings eingebunden sind.

Das Geschäft entwickelt sich immer weiter. Als wahrscheinlich größter Leasinganbieter in diesem Segment sind wir in die Entwicklung neuer und für die Unternehmen aufwandssenkender, risikoentlastender Lösungen und in Prozess-Verbesserungen eingebunden.

INFOMARKT: Im November 2018 regelte der Bundestag die Besteuerung für Dienstfahrzeuge neu. Welche Auswirkungen gab es auf die bisherigen Regelungen?

Hahn: Im Nachgang zum Steueränderungsgesetz 2019 haben die obersten Finanzbehörden der Länder durch einen Steuererlass Fahrräder und Pedelecs den Elektro-Autos gleichgestellt. Damit halbiert sich mit Wirkung ab 1. Januar 2019 die Bemessungsgrundlage, nach der die Höhe des zu versteuernden geldwerten Vorteils bei privater Nutzung berechnet wird. Durch die nun mögliche Anwendung der sogenannten „0,5-%-Regel“ (die Berechnung erfolgt in Höhe von 1 Prozent aus der hälftigen Unverbindlichen Preisempfehlung) werden Leasing-Diensträder im Fall einer Gehalts-Umwandlung für Arbeitnehmer noch attraktiver.

 

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