Huawei

Wachstum ungebrochen

Ausgabe-Nr.: 15/2019

Guo Ping, rotierender CEO bei Huawei: „Huawei wird weiterhin alle relevanten Standards strikt einhalten, um sichere, vertrauenswürdige und qualitativ hochwertige Produkte herzustellen. In Bezug auf dieses Ziel wiederholen wir ausdrücklich: Cybersicherheit und der Schutz aller Nutzerdaten stehen ganz oben auf unserer Agenda.“

Der chinesische Anbieter von Informations- und Kommunikations-Technologie blickt trotz Spionagevorwürfen und juristischen Disputen mit der US-Regierung auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2018 zurück. Im jüngst veröffentlichten Jahresbericht verzeichnet das Unternehmen erneut ein deutliches Umsatzwachstum. Auch der Reingewinn konnte gesteigert werden.

 

„Die Informations- und Kommunikations-Technologie hält in jeder Branche schnell Einzug. Dies hat einen digitalen, intelligenten Wandel ausgelöst – die treibende Kraft hinter unserer digitalen Wirtschaft. Durch umfangreiche Investitionen in 5G-Innovationen, die nun breit kommerziell eingesetzt werden, trägt Huawei zum Aufbau der weltweit besten Netze bei. Dabei wird Huawei weiterhin alle relevanten Standards strikt einhalten, um sichere, vertrauenswürdige und qualitativ hochwertige Produkte herzustellen. In Bezug auf dieses Ziel wiederholen wir ausdrücklich: Cybersicherheit und der Schutz aller Nutzerdaten stehen ganz oben auf unserer Agenda“, beteuerte Guo Ping, rotierender CEO bei der Huawei Investment & Holding Co., Ltd. in Shenzhen, im Rahmen der Verkündung der Geschäftszahlen.

Der Umsatz der Chinesen beläuft sich in 2018 auf rund 95,5 Milliarden Euro (721,2 Milliarden Yuan). Dies entspricht einer Steigerung von 19,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (-> Tabelle 3). Der Reingewinn in Höhe von etwa 7,8 Milliarden Euro (59,3 Milliarden Yuan) wies mit einem Plus von 25,1 Prozent einen noch größeren Zuwachs auf.

Ein Grund für den Erfolg sind sicherlich die umfangreichen Investitionen in ‚Forschung und Entwicklung‘. Im letzten Jahr investierte der Anbieter 13,4 Milliarden Euro (101,5 Milliarden Yuan) in diesen Bereich und belegte damit im ‚EU Industrial R&D Invest­ment Scoreboard‘ weltweit den fünften Platz. Allein in den vergangenen zehn Jahren betrugen die Forschungs-Ausgaben 63,6 Milliarden Euro (480 Milliarden Yuan). Nach offiziellen Daten der ‚Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO)‘ reichte der Hersteller in 2018 insgesamt 5.405 Patent-Anmeldungen ein und lag damit an erster Stelle unter allen Unternehmen.

Fast der komplette Umsatz – nämlich 95,1 Milliarden Euro (717,2 Milliarden Yuan) – stammt aus den drei Geschäftsbereichen ‚Consumer Business‘, ‚Carrier Business‘ und ‚Enterprise Business‘. Die meisten Erlöse generierte der Anbieter im Endkundengeschäft. Im Jahr 2018 wurde in diesem Segment ein Umsatz von 46,2 Milliarden Euro (348,9 Milliarden Yuan) erzielt. Gegenüber dem Jahr 2017 handelt es sich hierbei um einen Anstieg von 45,1 Prozent. Jenes Wachstum lässt sich nach Unternehmens-Angaben durch den größeren Anteil am globalen Smartphone-Markt, eine verbesserte Positionierung von High-End-Geräten und Durchbrüche beim Aufbau eines intelligenten Ökosystems für unterschiedliche Nutzungs-Szenarien erklären.

Im Carrier-Geschäft brachte der Hersteller seine neuesten 5G- und SoftCOM-AI-Lösungen auf den Markt. Bei diesen wurde der Fokus vor allem auf eine einfache Bedienung und Wartung gelegt. Weiterhin trieben die Chinesen Neuentwicklungen in den Bereichen ‚Premium-Home-Breitband‘ sowie ‚Internet der Dinge (IoT)‘ voran, die den Netzbetreibern dabei helfen sollen, neue Wachstums-Chancen zu ergreifen. Trotz jener Produkt-Neuheiten sank der Umsatz im Segment um 1,3 Prozent auf 38,9 Milliarden Euro (294 Milliarden Yuan).

Im Carrier-Geschäft brachte der Hersteller seine neuesten 5G- und SoftCOM-AI-Lösungen auf den Markt.

Das Enterprise-Geschäft, welches Cloud-, Big-Data-, Künstliche-Intelligenz (KI)- und IoT-Lösungen sowie eine Reihe von Produkten für Rechenzentren, All-Flash-Speicher und WiFi umfasst, legte dagegen um 23,8 Prozent auf 9,8 Milliarden Euro (74,4 Milliarden Yuan) zu. Durch die Integration der genannten Technologien in seine digitale Plattform unterstützt Huawei die Entwicklung von Smart Cities, Smart Campus und sicheren Städten und beschleunigt dadurch angeblich die digitale Transformation seiner Kunden in den Gebieten ‚Finanzen‘, ‚Transport‘ und ‚Energie‘. Laut eigener Aussage führt der Anbieter gegenwärtig digitale Partnerschaften mit 211 Fortune-­Global-500-Unternehmen.

„In Zukunft werden wir alles in unserer Macht Stehende tun, um externe Ablenkungen abzuschütteln, das Management zu verbessern und Fortschritte in Bezug auf unsere strategischen Ziele zu erreichen. Wir werden die operative Compliance weiter stärken, Business Continuity und Nachhaltigkeit sicherstellen und ein offenes Ökosystem pflegen, in dem alle Beteiligten zusammenarbeiten und gemeinsam erfolgreich sind. Darüber hinaus werden wir unsere organisatorische Transformation fortsetzen, um mehr Leidenschaft und Vitalität in der gesamten Organisation zu wecken“, gibt Guo Ping einen Ausblick auf die Unternehmens-Strategie.

Die von Guo erwähnten „externen Ablenkungen“ dürften sich unter anderem auf das Einkaufs-Verbot der US-Regierung beziehen. Diese betrachtet Huawei-Produkte als Sicherheitsrisiko, weshalb US-Behörden keine Ausrüstung des chinesischen Konzerns erwerben dürfen. Die Begründung für das Verbot findet sich in dem Vorwurf, dass Huawei zu sehr mit der chinesischen Regierung verstrickt ist. Die Begriffe ‚Spionage‘ und ‚Sabotage‘ fallen immer wieder in diesem Zusammenhang. Als Reaktion auf das Einkaufs-Verbot reicht der Hersteller nun eine Klage gegen die US-Regierung ein. Der Ausgang der gerichtlichen Auseinandersetzung könnte auch die derzeitige Debatte um den Ausschluss von Huawei beim Aufbau der 5G-Netze beeinflussen.

 

 

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