Hannover Messe 2018

Rasante und radikale Veränderung

Ausgabe-Nr.: 17/2018

Hannover Messe 2018: Sie war der Vorgeschmack auf die bevorstehende CeBIT und verdeutlichte einmal mehr, mit welcher rasanten Geschwindigkeit der technologische Fortschritt die Welt radikal verändert.

Die diesjährige Industrie-Messe im letzten Monat gab einen teils bitteren Vorgeschmack auf die bevorstehende CeBIT und verdeutlichte einmal mehr, mit welcher rasanten Geschwindigkeit der technologische Fortschritt die Arbeitswelt verändert. Hannover zeigte, dass Industrie 4.0 sehr schnelle Fortschritte macht. In den Fabrikhallen haben die Roboter die Arbeit längst aufgenommen. Als Nächstes werden sie die Büros verändern. Die Automatisierung in der Verwaltung durch Software-Roboter steht ante portas und wird viele Jobs kosten.

 

„Die branchen- und länderübergreifende Vernetzung gelingt immer besser. Wir erleben, wie einst getrennte Gewerke mehr und mehr ineinandergreifen. Industrie 4.0 ist definitiv in den Unternehmen aller Größen angekommen und verändert ihr Antlitz. Wir sehen neue datenbasierte Geschäftsmodelle und immer mehr auch die Integration von Künstlicher Intelligenz in die Produktion“, stellte Michael Ziesemer, Präsident des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI), zum Abschluss einer für die Elektroindustrie erfolgreichen Messewoche fest.

Die Hannover Messe hat abermals gezeigt, dass sie das Zentrum der weltweiten Industrie-4.0-Bewegung ist und immer mehr bedeutende IT-Unternehmen die Nähe zur Industrie suchen. 70 Prozent der Aussteller präsentierten auf der diesjährigen Messe eine technische Neuheit oder eine technische Weiterentwicklung ihrer Produkte. Vernetzte Maschinen, das Internet of Things und Big Data prägten das Bild der Veranstaltung und zeigten, wie die Produktion und das Internet zusammenwachsen. Rund 5.000 Aussteller aus mehr als 75 Ländern präsentierten den neuesten Stand bei der Digitalisierung und Vernetzung von Produktionsabläufen. Das Interesse an der Fabrik der Zukunft ist erheblich gestiegen. Denn die Zahl der Aussteller im Bereich „Digital Factory“ stieg von 340 Ausstellern im Jahr 2017 um 59 Prozent auf 540 Aussteller in 2018. Eine große Aufmerksamkeit gab es in diesem Jahr neben dem Thema Industrie 4.0 außerdem für die Künstliche Intelligenz im indus­triellen Einsatz.

Die CeBIT im Juni 2018 in sechs Wochen dürfte in der Bürowelt eine ähnliche Entwicklung zeigen, die auch viele Arbeitsplätze zur Disposition stellen wird. Der Einsatz neuer digitaler Technologien führte beispielsweise im Banken-Sektor dazu, dass rund 20.000 Arbeitsplätze im vergangenen Jahr verloren gingen. Die Tendenz: Steigend.

Auch in der Versicherungswirtschaft geht es zunehmend an das Eingemachte. So erwarten Experten massive Veränderungen im Versicherungswesen durch den Einsatz virtueller Assistenten, die künftig Aufgaben des Vermittlers übernehmen und den klassischen Versicherungsvermittler weitgehend ersetzen. Die Entwicklung basiert auf der robotergestützten Prozessautomatisierung (RPA), die monotone Bürotätigkeiten übernimmt. Es handelt sich nicht um die Trend-Technologie Künstliche Intelligenz (KI), sondern um vergleichsweise einfach gestrickte Software-Roboter, deren Einsatz unter anderem in den Bereichen Rechnungs- und Personalwesen etc. wegen der relativ geringen Kosten sehr attraktiv ist.

Experten erwarten, dass Firmen die Technologie demnächst großflächig in bestimmten Arbeitsbereichen ausrollen. „Es gibt kaum größere Unternehmen, die diese Technik nicht zumindest schon einmal versuchsweise eingesetzt haben“, sagt Sebastian Ostrowicz, Principal bei der Unternehmensberatung Horváth & Partners in Stuttgart.

Forschungsinstitute liefern Prognosen darüber, wie viele Arbeitsplätze in Deutschland durch die Digitalisierung in Gefahr sind. Bei fünf Millionen Stellen fangen die Schätzungen an, und die Szenarien enden bei 18 Millionen Jobs, die von Software und Maschinen bedroht sind.

 

 

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