Digitalisierung Wirtschaft

Ernüchternde Ergebnisse

Ausgabe-Nr.: 11/2018

BWA-Geschäftsführer Harald Müller: „Für innovative Arbeitsplatz- und Geschäftsmodelle ist in vielen eher tradierten Firmen ein grundlegender Wandel der Arbeitsplatzkultur notwendig.“

Die überwältigende Mehrheit der Führungskräfte in der deutschen Wirtschaft ist mit der fortschreitenden Digitalisierung der Wirtschaft mehr oder minder überfordert. Diese Schlussfolgerung legt eine aktuelle Studie der BWA Akademie nahe. Sie ist seit über 15 Jahren auf Personalentwicklung, Outplacement, Personalberatung und Training sowie Arbeitsmarktprogramme spezialisiert.

 

„Die Unternehmen müssen sich zu Magneten für Digital Natives entwickeln, um ihre digitale Führungsschwäche zu überwinden“, behauptet Harald Müller, Geschäftsführer der BWA Akademie in Bonn. Aus dem Arbeitsmarktreport „New Work“ geht hervor, dass 89 Prozent der Manager in Deutschland beim Thema Digitalisierung an ihre Grenzen stoßen. 28 Prozent sind laut Report völlig überfordert, weitere 61 Prozent zumindest teilweise. Lediglich 11 Prozent sind bei der Digitalisierung auf der Höhe der Zeit. Für die Studie wurden 100 Personalverantwortliche in mittelständischen und großen Unternehmen einer umfassenden Befragung unterzogen.

Die Bonner Akademie ist seit über 15 Jahren in Sachen Personalentwicklung, Outplacement, Personalberatung und Training sowie für Arbeitsmarktprogramme wie Beschäftigtentransfer unterwegs und versteht sich als neutraler Vermittler zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften.  Mit Hilfe der BWA haben angeblich mehr als zehntausend Arbeitnehmer eine neue berufliche Zukunft gefunden. Das Spektrum reicht von der Begleitung von Change-Management-Prozessen über Vermittlung und Coaching von Führungskräften bis hin zur Unterstützung bei der Gründung eines eigenen Unternehmens.

„Das Ergebnis ist ernüchternd. Vor allem angesichts der Tatsache, dass die Digitalisierung immer mehr Märkte einem fundamentalen Strukturwandel unterzieht“, sagt Müller und erklärt, dass die Unternehmen dringend gefordert sind, ihr Führungspersonal besser als bisher auf die digitalen Herausforderungen vorzubereiten. Dabei geht es keineswegs nur darum, Technologien zu verstehen und Geschäftsprozesse zu verbessern und zu beschleunigen. Vielmehr ruft der Technologiewandel in vielen Branchen völlig neue Wettbewerber auf den Plan, die den Markt häufig mit innovativen Geschäftsmodellen auf den Kopf stellen.

Digital Natives sollen die deutsche Wirtschaft mit innovativen Arbeitsplatz- und Geschäftsmodellen voranbringen

Die Beispiele: Die Online-Zimmervermittlungsplattform AirBnB mit einer höheren Marktkapitalisierung als die größten Hotelketten. Der größte Taxivermittler der Welt Uber, der kein einziges Taxi betreibt. Weitere Beispiele sind weniger spektakulär, aber sie verhageln den etablierten Unternehmen in den jeweiligen Branchen ebenfalls massiv das Geschäft.

Viel mehr müssen sich die Firmen auch in der Arbeitswelt auf die Digital Natives einstellen, die völlig andere Erwartungen an ihren Arbeitgeber haben und beispielsweise ein Facebook-Verbot während der Arbeitszeit als untragbar einstufen, um nur ein Beispiel zu nennen. In den Digital Natives sieht der BWA-Report zugleich die Chance, die derzeitige digitale Führungsschwäche der deutschen Wirtschaft zu überwinden. So sind immerhin 44 Prozent der von BWA befragten Personalexperten der festen Überzeugung, dass sich durch die Digital Natives schon in wenigen Jahren heutige Phänomene wie Burnout durch digitale Überlastung erledigt haben werden. Weitere 25 Prozent sehen diesbezüglich zumindest eine Verbesserung voraus.

„Die Generation Y ist kommunikativer als alle Generationen zuvor. Für Menschen, die mit dem Smartphone groß geworden sind, ist die ständige Erreichbarkeit eine Selbstverständlichkeit und der fortwährende Austausch in sozialen Netzwerken ihr Lebensalltag. Es bleibt zu hoffen, dass diese Generation auch die deutsche Wirtschaft mit innovativen Arbeitsplatz- und Geschäftsmodellen voranbringen wird. Allerdings stellt es eine Herausforderung für die Unternehmen dar, sich für diese Zielgruppe attraktiv zu machen. Hierzu ist in vielen eher tradierten Firmen ein grundlegender Wandel der Arbeitsplatzkultur notwendig“, erklärt BWA-Chef Müller.

 

 

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