Deutsche Wirtschaft

Digitalisierungs-Schub erwartet

Ausgabe-Nr.: 31/2018

Tobias Weber, Director bei Kantar TNS: „Die Digitalisierung wird die Finanz- und Versicherungs-Dienstleister in den nächsten Jahren noch stärker herausfordern. Vor allem die Themen Blockchain und Künstliche Intelligenz werden an Relevanz für die Branche deutlich zunehmen.“

Informations- und Kommunikationstechnologie-Unternehmen, wissensintensive Dienstleister sowie Finanz- und Versicherungsdienstleister sind die am stärksten digitalisierten Branchen der deutschen Wirtschaft. Knapp 70 Prozent der Unternehmen nutzen digitale Kanäle für die Kundenkommunikation, während 43 Prozent eine mangelnde Breitbandverfügbarkeit als Hindernis der Digitalisierung sehen. Dies sind die zentralen Ergebnisse des neuen ‚Monitoring-Reports Wirtschaft Digital‘.

 

„Die Digitalisierung wird die Finanz- und Versicherungs-Dienstleister in den nächsten Jahren noch stärker herausfordern. Vor allem die Themen Blockchain und Künstliche Intelligenz werden an Relevanz für die Branche noch deutlich zunehmen“, sagt Tobias Weber, Director bei dem Marktforschungs-Institut Kantar TNS in München.

Im Branchenvergleich sind Unternehmen im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie erwartungsgemäß Vorreiter der Digitalisierung. Sie erreichen 2018 einen Wirtschaftsindex Digital von 74 Punkten und liegen damit 20 Punkte über dem Durchschnitt aller Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft. Einen deutlichen Digitalisierung-Schub erwarten die Finanz- und Versicherungs-Unternehmen, die derzeit auf Rang drei des Rankings liegen. Sie rechnen bis 2023 mit einem Plus von acht auf dann 69 Indexpunkte. Damit würde die Branche die wissensintensiven Dienstleister überholen und auf Platz zwei vorrücken.

Der Digitalisierungsgrad des Handels entspricht mit 54 Punkten aktuell exakt dem Durchschnitt aller Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft. Die Branche gibt sich zurückhaltend, was weitere Digitalisierungs-Vorhaben betrifft. Sie erwartet in den nächsten fünf Jahren keine signifikanten Fortschritte. Im selben Zeitraum prognostizieren die Maschinenbauer ein moderates Digitalisierungstempo (plus zwei auf 50 Punkte), womit sie die am stärksten digitalisierte Industriebranche blieben. Im Vergleich dazu hat der Fahrzeugbau mit einem aktuellen Index von nur 40 Punkten immer noch deutlichen Nachholbedarf.

Die Kommunikation ist der meistgenannte Erfolgsfaktor der Digitalisierung

Mehr als zwei Drittel der Unternehmen in Deutschland (69 Prozent) sagen, dass sich die Kommunikation mit Kunden durch den Einsatz digitaler Kanäle verbessert habe. Damit ist die Kommunikation der meistgenannte Erfolgsfaktor der Digitalisierung. Zu ihren Treibern zählen aus Sicht der Unternehmen auch der Aufbau von erfolgsrelevantem Wissen sowie die Verbesserung der Qualität von Produkten oder Angeboten, die jeweils von rund der Hälfte der Firmen als realisierte Digitalisierungserfolge genannt werden.

Mangelnde Breitbandversorgung wird von Unternehmen fast schon traditionell am häufigsten als Hemmnis für die Digitalisierung genannt (43 Prozent). Fast ebenso viele schreckt der Zeitaufwand ab (40 Prozent). 36 Prozent der Befragten nennen das fehlende Wissen ihrer Mitarbeiter als Stolperstein und 30 Prozent konstatieren einen Mangel an IT-Fachkräften. Bei beiden Themen steigt die Dringlichkeit des Problems mit der Größe des Unternehmens an.

 

 

Weitere Artikel dieser Ausgabe