Deutsche Telekom/IoT-Markt

„Vom IoT-Player zum IoT-Orchestrator“

Ausgabe-Nr.: 26/2020

Telekom-IoT-Geschäftsführer Rami Avidan: „Mit der Zusammenführung aller IoT-Komponenten in einer Infrastruktur bieten wir ein einzigartiges betriebliches Umfeld. Der Konzern erweitert seine Rolle vom IoT-Player zum IoT-Orchestrator.“

Der Bonner Konzern plant die Einführung des sogenannten ‚IoT-Hubs‘ für das zweite Halbjahr dieses Jahres. Das Netzwerk soll als neuer zentraler Anlaufpunkt für Kunden, Entwickler, Betreiber, Partner und Lieferanten fungieren. Dieser Schritt dient dem Ausbau des aussichtsreichen IoT (Internet of Things)-Geschäftes. Es soll fortan in einer eigenständigen Gesellschaft geführt werden.

„Wir schöpfen mit dem IoT-Hub das volle Potenzial im Internet der Dinge aus. Mit der Zusammenführung aller IoT-Komponenten in einer Infrastruktur bieten wir ein einzigartiges betriebliches Umfeld. Damit etabliert die Telekom als erster Anbieter weltweit eine derartige Plattform. Der Konzern erweitert seine Rolle vom IoT-Player zum IoT-Orchestrator“, erklärt Rami Avidan, Geschäftsführer der neu gegründeten Deutschen Telekom IoT GmbH. Mit der Ausgründung des IoT-Geschäftes in eine selbständige GmbH zum 1. Juli 2020 will die Telekom ihre Position in diesem Wachstumsmarkt stärken.

Der IoT-Hub führt nach Angaben des Telekommunikations-Anbieters alle wichtigen Elemente des Internet der Dinge zusammen: Konnektivität, Geräte, Cloud-Dienste und Lösungen für die Datenanalyse. Dabei setzt die Telekom nicht nur auf eigene IoT-Angebote. Ein Marktplatz mit Partner-Lösungen bietet den Kunden die Flexibilität, sich eine individuelle Lösung zusammenzustellen. Im Betrieb sorgen standardisierte Schnittstellen angeblich für eine unkomplizierte Kommunikation. Die Betriebsdaten liegen auf einem integrierten Dashboard und die Anmeldung an verschiedenen Systemen entfällt. Der IoT-Hub wird laufend erweitert und die Bonner laden Partner und Kunden dazu ein, die neue IoT-Umgebung zu testen.

„Es sind zunächst einmal die Preise für IoT-Lösungen, die deutlich gesunken sind. Auch die Hardware ist heute wesentlich günstiger. Die Konnektivitäts-Kosten und die Preise für Services sind ebenfalls gefallen. Was wir allerdings feststellen müssen: Die Zahl der Unternehmen, die irgendeinen Teil einer IoT-Lösung anbieten, ist enorm groß geworden und kaum mehr überschaubar. Es gibt weltweit nicht den einen IoT-Anbieter, der alles aus einer Hand anbieten kann. Warum? Weil eine IoT-Lösung sehr komplex ist und aus vielen Komponenten besteht“, gibt Avidan einen Einblick in das Markt-Geschehen.

Nach Auffassung des Experten tun sich viele Unternehmen noch schwer im Umgang mit IoT-Lösungen. Denn es handelt sich dabei um eine komplexe Technologie, die noch zu wenigen Standards unterliegt. Er betont, dass die Industrie-spezifischen IoT-Applikationen im Kern sehr vergleichbar sind. Deshalb verfolgt der Konzern die Strategie, ein umfangreiches IoT-Ökosystem für Unternehmen aufzubauen und standardisierte Services bereitzustellen. Die horizontale IoT-Struktur soll rund 70 Prozent aller IoT-Szenarien in Unternehmen abdecken. Für die restlichen 30 Prozent sind individuelle Lösungen von Partnern vorgesehen. Die Bonner arbeiten in diesem Bereich beispielsweise mit Microsoft, der Software AG und SAP zusammen.

Telekom-Unternehmenszentrale in Bonn: Mit der Ausgründung des IoT-Geschäftes in eine selbständige GmbH will der Anbieter seine Position in diesem Wachstumsmarkt stärken.

Der Anbieter ist seit Jahren mit Anwendungen auf dem wachsenden IoT-Markt vertreten, darunter Tracking und Tracing in der Logistik oder die Vernetzung von Fahrzeugen in der Automobil-Industrie. Die von der Telekom angeführten Zahlen legen das Wachstums-Potenzial der Technologie offen: Aktuell nutzen die Unternehmen weniger als fünf Prozent ihrer IoT-Daten. Im Durchschnitt über alle Branchen liegt der Einsatz von IoT-Anwendungen bei zehn bis 20 Prozent.

Die Analysten der International Data Corporation (IDC) prognostizierten im Jahr 2019, dass die weltweiten Ausgaben für das Internet der Dinge im Jahr 2022 bei über einer Billion US-Dollar liegen werden (2023: 1,1 Billionen US-Dollar). Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate für den Prognose-Zeitraum 2019 bis 2023 beträgt damit 12,6 Prozent. Inzwischen korrigierte IDC die Vorhersage bezüglich der globalen IoT-Ausgaben etwas nach unten. Für 2020 bis 2024 soll die durchschnittliche Zuwachs-Quote aufgrund der Corona-Krise nur noch 11,3 Prozent betragen. Ein dennoch stattlicher Wert. Er zeigt, dass in diese Technologie nachhaltig investiert wird.

 

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