Behörden-Geschäft

Hartes Pflaster für Newcomer

Ausgabe-Nr.: 41/2020

Bitkom-Präsident Achim Berg: „Wenn wir wirklich wollen, dass die öffentliche Hand auf innovative Angebote von Start-ups zurückgreifen kann, dann müssen wir den Vergabeprozess auch stärker auf Start-ups ausrichten.“

Nur jedes dritte Start-up beteiligte sich schon einmal an einer öffentlichen Ausschreibung. Komplizierte Verfahren und hohe Anforderungen an Bonität sowie Referenzkunden schrecken potenzielle Interessenten oft ab. Der Berliner Digitalverband Bitkom schlägt sieben Maßnahmen für eine Start-up-freundlichere Vergabe vor.

„Die öffentliche Hand muss sich deutlich mehr anstrengen, Aufträge rund um die Digitalisierung an Start-ups zu vergeben. Mit der öffentlichen Vergabe kann die Politik zum einen ganz unmittelbar Start-ups unterstützen, zum anderen aber Lösungen einkaufen, die auf dem neuesten Stand der technologischen Entwicklung sind“, betont Bitkom-Präsident Achim Berg.

Bislang bewarb sich lediglich jedes dritte Start-up auf einen öffentlichen Auftrag. Und das obwohl von denjenigen, die bislang darauf verzichtet haben, nur jedes Dritte angibt, dass die eigenen Produkte oder Dienstleistungen sich nicht für öffentliche Einrichtungen eignen. Dieses Ergebnis geht aus einer Umfrage im Auftrag des Bitkom unter 206 Start-ups hervor.

Als Hauptgründe für den Verzicht auf eine Beteiligung an öffentlichen Ausschreibungen nennen die Unternehmen, dass der Vergabe-Prozess zu lange dauert (40 Prozent), es an der Zeit fehlt, sich mit Ausschreibungen zu beschäftigen (36 Prozent), die Unterlagen zu kompliziert sind (31 Prozent) und die geforderten Nachweise etwa zur Bonität oder zu Referenzkunden das eigene Unternehmen ausschließen (31 Prozent). Zudem denken 17 Prozent, dass öffentliche Aufträge nicht lukrativ genug sind.

Start-ups gehen in der Tat häufig leer aus. Bitkom zufolge werden 25 Prozent nur selten bei öffentlichen Ausschreibungen berücksichtigt. Weitere 32 Prozent haben trotz Einreichung der Unterlagen noch nie den Zuschlag bekommen. Immerhin 40 Prozent geben an, bisher immer oder häufiger zum Zug gekommen zu sein. Insgesamt sind die Erfahrungen mit öffentlichen Aufträgen für junge Unternehmen aber eher ernüchternd.

„Wenn wir wirklich wollen, dass die öffentliche Hand auf innovative Angebote von Start-ups zurückgreifen kann, dann müssen wir den Vergabeprozess auch stärker auf Start-ups ausrichten. Das fängt bei einem vollständig digitalen Prozess und Transparenz über den Stand an und geht bis zu einer Anpassung der Kriterien, so dass sie auch für junge Start-ups erfüllbar sind, die keine fünf Bilanzen und zehn Referenzkunden vorweisen können“, erklärt Berg.

Um Branchen-Einsteigern eine erfolgreiche Beteiligung zu ermöglichen, schlagen die Berliner sieben Maßnahmen vor. Diese wurden im Positionspapier „7 Punkte für mehr Start-ups in der öffentlichen Vergabe“ zusammengefasst. Dazu gehören unter anderem die Anwendung bestehender innovativer Vergabe-Kriterien und -Verfahren, die Implementierung neuer Vergabe-Kriterien, eine gezielte Schulung sowie Vernetzung von Start-ups und Vergabe-Verantwortlichen, und eine generelle Digitalisierung der Verfahren.

Durchaus möglich, dass die Lektüre des Positionspapiers auch für alteingesessene Fachhändler im Sinne einer Horizont-Erweiterung dienlich sein kann.

 

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