3D-Drucker/Stiftung Warentest

Im privaten Segment angekommen

Ausgabe-Nr.: 41/2020

Der Testsieger ‚Prusa i3 MK3S‘ von Prusa Research: Das Gerät basiert selbst weitgehend auf 3D-Drucken und kann seine eigenen Ersatzteile herstellen. (Foto: Prusa Research)

Die Verbraucher-Organisation aus Berlin testete acht 3D-Drucker für private Anwendungen. Als Bewertungs-Kriterien wurden die Druckqualität, die Handhabung, der Geräuschpegel und der Stromverbrauch herangezogen. Mit der fortschreitenden technischen Entwicklung gehen die Geräte-Preise im Markt immer weiter nach unten. Aufgrund dessen werden die Systeme für den Privatgebrauch zunehmend interessanter. Eine gute Druckqualität erhält der Anwender inzwischen für unter 300 Euro.

„Klarer Testsieger ist der Prusa i3 MK3S für rund 1.000 Euro. Er überzeugt mit guten Druckergebnissen und bester Handhabung. Interessant für Einsteiger sind der Anycubic i3 Mega S für 294 Euro und der XYZprinting da Vinci Mini w+ für 270 Euro. Beide liefern gute Druckergebnisse. Einen besonders großen Druckraum bieten der Creality CR-10 V2 für 510 Euro und der Mono­price MP10 für 395 Euro“, lautet das Urteil im Bericht der Stiftung Warentest.

Die folgenden acht 3D-Drucker wurden in der Untersuchung berücksichtigt: Anycubic i3 Mega S, Creality CR-10 V2, Flashforge Adventurer 3, Monoprice MP10, Prusa i3 MK3S, Renkforce RF100 XL V2, XYZprinting da Vinci Jr. WiFi Pro und XYZprinting da Vinci Mini w+. Die Verbraucher-Organisation bewertete den ‚Druck‘ mit einer Gewichtung von 40 Prozent. In diese Kategorie fällt die Überprüfung der Druckqualität, Druckdauer, Druckpräzision und des Aufwands zum Nacharbeiten. Die ‚Handhabung‘ der Maschinen wurde ebenfalls mit 40 Prozent gewichtet. Zudem flossen der ‚Geräuschpegel‘ sowie der ‚Stromverbrauch‘ zu jeweils zehn Prozent in die Evaluierung mit ein.

Der klare Testsieger heißt ‚Prusa i3 MK3S‘ von der Firma Prusa Research. Das Modell kostet etwa 1.000 Euro und erhielt die Note 1,8 (-> Tabelle 2). Es soll leicht zu bedienen sein und exakt drucken können. Das Gerät basiert selbst weitgehend auf 3D-Drucken und kann seine eigenen Ersatzteile herstellen. Anwender können den Drucker um die nachkaufbare Multi-Material-Einheit ‚MMU2S‘ für zirka 300 Euro erweitern. Dadurch lassen sich bis zu fünf Filamente parallel verarbeiten. Weiterhin ist Prusa als Open-Source-Gerät konzipiert, wodurch Nutzer auf Zubehör von Drittanbietern zurückgreifen können.

Alle unter die Lupe genommenen acht Systeme drucken mit sogenannten Filamenten. Hierbei handelt es sich um Kunststoff-Drähte, die im Rahmen des Druckvorgangs erhitzt und anschließend über eine Düse auf das Druckbett aufgetragen werden. Eine gute Druckqualität ist der Stiftung Warentest zufolge bereits für unter 300 Euro zu haben. Sie verweist dabei auf den ‚XYZprinting da Vinci Mini w+‘ (Note 2,6) und den ‚Anycubic i3 Mega S‘ (Note 2,9) (-> Tabelle 2).

Ein weiterer zentraler Befund der Testreihe: Große und offen gebaute 3D-Drucker, wie beispielsweise von den Unternehmen Anycubic, Creality, Prusa und Renkforce, lassen sich besser als kleine Modelle warten, bei denen sich Filament-Reste mitunter nur schwer entfernen lassen. Auch die Bedienung und das Abnehmen des Druckstücks sollen bei offenen Geräten einfacher sein.

Kleine, geschlossene Gehäuse besitzen wiederum den Vorteil, dass ihre Bauform Energie spart. Bei ihnen kühlt der Druckraum nicht so schnell ab. Die Betriebskosten zur Verarbeitung von einem Kilogramm Filament betragen bei den offenen Modellen vier bis fünf Euro. Bei den geschlossenen Druckern kann für dieselbe Menge auch ein Euro ausreichen.

Unser Fazit: Angesichts der Entwicklung im 3D-Drucker-Markt fragen wir uns, wie lange die traditionelle MFP- und Drucker-Branche vor allem bei gewerblichen Anwendungen noch tatenlos zusehen will, wie Newcomer und Mitbewerber sich dieses Geschäft an Land ziehen. Die Ahnungslosigkeit und Unkenntnis über dieses hochinteressante Marktsegment reicht vor allem bei den mittelständischen Fachhandels-Unternehmen bis in die Chefetage.

 

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