3D-Druck/Patente

„Europa als globaler Innovationshub“

Ausgabe-Nr.: 43/2020

EPA-Präsident António Campinos: „Europa hat sich zu einem globalen Innovationshub im wachstumsstarken Digitalbereich entwickelt, zu dem auch additive Fertigungs-Technologien zählen.“

Nach Angaben des Europäischen Patentamts (EPA) ist die Zahl der Patent-Anmeldungen für die additive Fertigung (Additive Manufacturing/AM) zwischen 2015 und 2018 um durchschnittlich 36 Prozent pro Jahr gestiegen. Diese Zuwachsrate ist zehnmal höher als die Steigerung der jährlichen Patent-Anmeldungen (3,5 Prozent). Die Technologie schießt also regelrecht in den Himmel. Besonders deutsche Unternehmen und Erfinder heben sich in diesem Zusammenhang hervor. Auch bekannte Branchen-Größen aus dem MFP- und Drucker-Segment mischen bei der Beantragung von Patenten weit vorne mit. 

„Der Zuwachs an Anmeldungen in der additiven Fertigung ist ein Teil des Booms digitaler Technologien und bestätigt, dass sich die digitale Transformation der Wirtschaft unverkennbar in den beim EPA eingereichten Patent-Anmeldungen widerspiegelt. Europa hat sich zu einem globalen Innovationshub im wachstumsstarken Digitalbereich entwickelt, zu dem auch additive Fertigungs-Technologien zählen. Diese Stärke zeigt sich deutlich in der Liste der führenden AM-Anmelder“, erklärt EPA-Präsident António Campinos.

Laut der EPA-Studie ‚Patente und additive Fertigung – Trends bei 3D-Druck-Technologien‘ steht Europa im AM-Bereich an der Spitze: Zwischen 2010 und 2018 gingen 47 Prozent (7.863) aller AM-Patent-Anmeldungen beim EPA auf das Konto europäischer Unternehmen und Erfinder. Europas führende Position lässt sich vor allem auf den Beitrag Deutschlands zurückführen, welches für 19,1 Prozent (3.155) aller AM-Anmeldungen verantwortlich ist. Im weltweiten Vergleich sind mit 34,8 Prozent (5.747) der Anmeldungen jedoch die USA das Top-Herkunftsland.

Darüber hinaus zeigt die Analyse, dass rund 30 Prozent (6.548) aller AM-Patent-Anmeldungen zwischen 2000 und 2018 von lediglich 25 Unternehmen eingereicht wurden. Im 3D-Druck hat sich folglich eine Art von Führungsriege gebildet, die als Innovations-Führer im Markt vorangeht. Die Rangliste enthält Firmen aus unterschiedlichen Branchen, wie Transport, Chemie/Pharma, IT, Elektronik, Bildverarbeitung, Konsumgüter und aus dem 3D-Druck selbst (Stratasys, 3D Systems, EOS).

Die Pole-Position in Sachen Patent-Anmeldungen sicherten sich die beiden US-Firmen General Electric und United Technologies. Auf dem dritten Platz folgt bereits der Siemens-Konzern. Die weiteren deutschen Player unter den Top-25-Unternehmen sind BASF (5. Rang), MTU Aero Engines (10. Rang), Evonik (18. Rang) und EOS (20. Rang) (-> Grafik 1). Zudem gehören Branchen-Größen aus dem MFP- und Drucker-Segment wie HP, Canon und Ricoh dem Ranking an. Insgesamt dominieren die USA und Europa mit jeweils elf beziehungsweise acht Unternehmen.

Im Zeitraum 2014 bis 2017 stieg die Anzahl der AM-Patent-Anmeldungen international um 370 Prozent. Österreich verzeichnet dabei von allen Ländern den größten Zuwachs und sichert sich mit einer weit überdurchschnittlichen Steigerungsrate von 1.300 Prozent den internationalen Spitzenplatz. „Patent-Einreichungen sind nach wie vor ein sehr guter Indikator für die Innovationskraft einer Region. Sie untermauern nicht nur das technologische Potenzial und die Wettbewerbs-Fähigkeit in einer globalen Wirtschaft, sondern sind auch ein Maßstab dafür, wie ernsthaft die Innovatoren an einer wirtschaftlichen Umsetzung ihrer Ideen interessiert sind“, sagt Jürgen Stampfl, Universitäts-Professor für Werkstoffe und Additive Fertigungs-Technologien an der Technischen Universität Wien.

Interessant ist auch die Frage, ob dem klassischen mittelständischen Absatzmittler aus dem gebeutelten MFP- und Drucker-Segment angesichts dieser Entwicklung der Kopf auf den Schreibtisch fällt oder ob er aufwacht und sich an diesem enormen Markt-Potenzial eine Teilhabe sichern wird.

 

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