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Wachstum durch Vertrauen

Compass-Geschäftsführer Dirk Henniges
Compass-Geschäftsführer Dirk Henniges:

„Es herrscht Enttäuschung darüber, dass Reformen, die man erwartet hat, gar nicht, zu spät oder aus der eigenen Wahrnehmung heraus ‚falsch‘ kommen.“ (Foto: Compass Gruppe)

Der deutsche Mittelstand ist frustriert: Erhoffte Reformen blieben aus, die Bürokratie wächst und geopolitische Unsicherheiten belasten die Wirtschaft zusätzlich. Im Gespräch mit INFO-MARKT-Herausgeber Dr. Alfried Große fordert Compass-Geschäftsführer Dirk Henniges eine grundlegende Staatsreform mit schlankerem Staatsapparat, einen radikalen Bürokratieabbau sowie eine Unternehmenssteuer- und Energiepreisreform und seziert die tektonischen Verschiebungen im IT- und MFP-Markt. Darüber hinaus erklärt der Compass-Chef, warum die Compass Gruppe trotzdem überdurchschnittlich wächst, im schrumpfenden Printmarkt aktiv Marktanteile gewinnt und warum wahre Standorttreue nichts mit Naturromantik, sondern mit lokaler Wertschöpfung auf Augenhöhe zu tun hat.
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Alfried Große: Wie sehr wird das Geschäft Ihrer Mitglieder inzwischen mehr von den politischen Rahmenbedingungen als vom Markt beeinflusst?

Dirk Henniges: Es ist natürlich beides. Aber, ich glaube, dass viele Mittelständler davon ausgegangen sind, dass sich in kürzerer Zeit deutlich mehr verändern würde. Viele sind inzwischen sehr frustriert, weil vieles anders angekündigt war, man wollte mit großen Reformen starten. Ich glaube, die Ungeduld ist inzwischen einfach unglaublich groß.

Das ist gekoppelt mit der Unsicherheit in der Weltwirtschaft, welche die deutsche Politik ehrlicherweise nur bedingt beeinflussen kann. Das führt natürlich zu einer extremen Verunsicherung im gesamten Markt.

Es herrscht Enttäuschung darüber, dass Reformen, die man erwartet hat, gar nicht, zu spät oder aus der eigenen Wahrnehmung heraus ‚falsch‘ kommen. Hinzu kommen die geopolitischen Herausforderungen, die sich enorm auswirken und gerade wieder zu Engpässen – etwa bei Chips – führen. Das kommt in der gesamten Branche nach und nach an; viele prognostizieren, dass wir das im vierten Quartal erst richtig merken werden.

All das führt zu Verunsicherung, die ich in vielen Gesprächen wahrnehme, und zu einer Frustration im Mittelstand, die sich auf unterschiedlichste Weise äußert.

Alfried Große: Haben Sie eher das Gefühl, dass in der Politik aufgrund der aktuellen Konstellation die eine Seite bremst und die andere Seite ihre Vorhaben nicht ermöglicht bekommt?

Dirk Henniges: Ja! Ich glaube, um es mal ganz groß zu fassen, wir befinden uns in einer veritablen Staatskrise, wie wir es auch aus den ersten Demokratien, dem alten Griechenland oder dem alten Rom kennen. Das deutsche Politiksystem und der Föderalismus sind den wachsenden Anforderungen schlichtweg nicht mehr gewachsen. Wir brauchen deshalb ein Stück weit eine Staatsreform. Was ich damit meine, um Beispiele zu nennen, ist zum einen die Taktung der Wahlen: Wir benötigen nicht alle zwei Monate eine Landtagswahl. Würde man diese bündeln, nähme das den permanenten Druck aus dem System und würde echte Handlungsspielräume eröffnen.

Das Ziel muss die Schaffung von Entscheidungsstrukturen sein, die wieder wirklich handlungsfähig sind. Es ist eine Wahrheit, die derzeit durch alle „Gazetten“ geht: Die Menschen wählen seit langer Zeit mehrheitlich konservativ, bekommen aber gefühlt immer linke Politik.

Diese Diskrepanz führt zu einer politisch schwierigen Situation, die wir uns alle nicht wünschen. Man versucht zwar, dies innerhalb des bestehenden Systems zu bekämpfen, aber das System erhält sich vor allem selbst, und es hängt zu viel daran. Eine Änderung wird daher extrem schwer sein, aber es wäre mein Wunsch, über genau diese Strukturen viel intensiver nachzudenken.

Alfried Große: Wenn man aber ein bisschen mehr ins Detail geht: Wo erleben Sie vielleicht gerade die größten politischen Friktionen? Ist es die Bürokratie, der Fachkräftemangel, sind es die Energie- und Lohnkosten oder einfach die regulatorischen Anforderungen rund um IT und Nachhaltigkeit?

Dirk Henniges: Der Fachkräftemangel hat sich abgeschwächt. Das liegt jedoch daran, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verschlechtert haben. Perspektivisch werden wir qualifizierte Zuwanderung benötigen. Und der Faktor Arbeit ist zu teuer, sie lohnt sich für die arbeitenden Menschen zu wenig, vor allem durch zu viel intransparenter Umverteilung.

Ein großes Thema bleibt unbedingt die ausufernde Bürokratie. Allein wenn ich noch an das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz denke, schon der Begriff wirkt erschlagend. Hinzu kommt jetzt noch das Entgelttransparenzgesetz und vieles, vieles mehr. Das sorgt in vielen Organisationen für einen kaum zu unterschätzenden Stress und Mehraufwand. Zwar oft gut gemeint, aber nicht gut gemacht.

Dieses ständige Schaffen neuer Vorschriften bleibt ein zentrales Problem. Ich meine, Carsten Linnemann hatte dazu kürzlich einen durchaus interessanten Gedanken geäußert.

Er hatte sinngemäß gesagt: Warum nicht einfach die ganzen Dokumentationspflichten abschaffen? Nicht in jedem Detail regulieren und kontrollieren, sondern den Ansatz umdrehen: Wer sich nicht an Gesetze hält und erwischt wird, wird bestraft.

Im Grunde wie im Straßenverkehr. Dort muss ich mein Fahrverhalten auch nicht permanent dokumentieren. Es gibt keine Pflicht, ständig festzuhalten, wie schnell ich gefahren bin oder ob ich mich regelkonform verhalten habe. Entscheidend ist: Wenn ich gegen die Regeln verstoße und dabei erwischt werde, muss ich die Konsequenzen tragen und eine Strafe zahlen.

Warum also diese ausufernden Berichtspflichten? Der konkrete Nutzen für unsere Volkswirtschaft bleibt dabei oft unklar oder zumindest schwer erkennbar.

Hier braucht es aus meiner Sicht eine klare Bremse und einen Rückbau, insbesondere auf europäischer Ebene. Gleichzeitig hängt das Problem natürlich auch noch mit unserem Föderalismus zusammen, weil jede Mini-Landesregierung dann noch eigene Regulierungen verfolgt. Ich plädiere daher für eine radikale Entschlackung und anschließend dafür, die Dinge neu und sinnvoll aufzusetzen.

Alfried Große: Wo müsste der Staat aus Ihrer Sicht stärker Tempo machen – bei der Technologie, bei der Umsetzungsfähigkeit oder bei der Verlässlichkeit?

Dirk Henniges: Technologie und vor allem Verlässlichkeit, das ist aus meiner Sicht entscheidend. Wenn der Staat eine Leistung verspricht, dann muss er sie auch erbringen. Genau daran fehlt es jedoch häufig, und das ist aus meiner Sicht das größte Problem.

Umso unverständlicher ist das vor dem Hintergrund, dass der Personalbestand im öffentlichen Dienst so hoch ist wie nie zuvor. Trotzdem werden Leistungen nicht in dem Maße erbracht, wie es versprochen wird. Das ist schwer zu akzeptieren.

Dann stellt sich zwangsläufig die Frage nach den Ursachen. Warum liegt beispielsweise der durchschnittliche Krankenstand in Teilen der Verwaltung, etwa gerade in Berlin, bei rund 60 Tagen im Jahr? Solche Zahlen werfen Fragen auf. Gleichzeitig gibt es dann auch noch Fälle, in denen Personen über lange Zeit im öffentlichen Dienst krankgeschrieben sind und dennoch politisch aktiv bleiben, etwa indem sie Wahlkampf für eine eigene Kandidatur machen, auch jüngst in Berlin. Das sind Entwicklungen, die viele Menschen frustrieren und wütend machen.

Es entsteht der Eindruck eines Systems, das sich selbst bedient. Dahinter steckt auch eine strukturelle Problematik: ein eng verwobenes Geflecht aus Politik, öffentlicher Verwaltung, öffentlich-rechtlichen Trägern und Kommunalwirtschaft. Zusammen eine Staatsquote von 50%, unglaublich! Dieses System hat sich über die Jahre immer weiter ausgedehnt. Deshalb halte ich den Begriff der Staatsreform für durchaus angebracht. Es braucht grundlegende Veränderungen. Gleichzeitig ist klar, dass sich solche Reformen nicht von heute auf morgen umsetzen lassen.

Umso größer ist die Enttäuschung bei vielen Menschen, wenn politische Führungspersönlichkeiten mit dem Anspruch antreten, umfassende Veränderungen herbeizuführen, am Ende aber den bequemeren Weg wählen und in Konstellationen agieren, die wenig Spielraum für echte Reformen lassen. Genau das trägt zur wachsenden Unzufriedenheit bei.

Alfried Große: Es gibt ja in der CDU durchaus Überlegungen, ob man mit der SPD bricht und stattdessen eine Minderheitsregierung anstrebt. Ziel wäre es, jemanden wie Friedrich Merz, dem ja zumindest lange Zeit wirtschaftspolitische Kompetenz zugeschrieben wurde, stärker in die Verantwortung zu bringen, um die Wirtschaft wieder in die Spur zu bringen. Wäre ein solcher Schritt aus Ihrer Sicht überhaupt praktikabel?

Dirk Henniges: Das ist für mich so eine Art Mini-Staatsreform, die ich mir wünschen würde: dass man Mehrheiten dort findet, wo sie inhaltlich machbar sind, und das Parlament arbeiten lässt, wie es gewählt ist. Dafür gibt es durchaus Beispiele aus anderen Ländern, in denen solche Modelle zumindest eine Zeit lang funktioniert haben. Allerdings haben sie auch nicht selten in schwierigen oder instabilen Situationen geendet, es ist komplex.

Einen Versuch wäre es aber wert. Denkbar wäre, ein solches Modell zunächst vielleicht auf Landesebenen zu testen. Es gibt Bundesländer, in denen sich entsprechende Konstellationen und Notwendigkeiten abzeichnen könnten. Dort ließe sich zumindest im kleineren Rahmen erproben, ob und wie ein solcher Ansatz funktioniert, vorausgesetzt natürlich, die politischen Strukturen bleiben stabil genug, um diesen Test auch durchzuhalten.

Alfried Große: Also, mal ganz grundsätzlich gefragt: Würden Sie sagen, dass Deutschland noch ein verlässlicher Investitionsstandort ist? Wenn heute jemand sagt, er würde sich hier noch einmal selbstständig machen und ein Unternehmen gründen – würden Sie ihm dazu raten? Oder würden Sie eher empfehlen, das Geschäft von einem anderen Land aus zu steuern und den deutschen Markt von dort aus zu bedienen?

Dirk Henniges: Ich halte von diesem Auswanderungsgerede ehrlich gesagt wenig. Dabei wird oft vergessen, welche Werte und welche Verlässlichkeit wir hier, trotz aller Probleme, nach wie vor haben.

Für uns, die wir hier Leistungen erbringen und hier groß geworden sind, ist es auch ein Stück weit Verpflichtung und Selbstverständnis, diese Leistungen weiterhin vor Ort zu liefern. Mehr als die Hälfte unserer Jobs sind Dienstleistungsjobs, die direkt beim Kunden stattfinden. Das bedeutet: Die Wertschöpfung ist lokal gebunden. Deshalb ist das schnell gesagt – „Ich gehe ins Ausland“ –, aber in der Praxis sehr schwer umzusetzen.

Natürlich kann man einzelne Funktionen auslagern, um steuerlich zu optimieren. Das machen große Konzerne auch. Aber die eigentliche Leistungserbringung, gerade im Servicebereich, bleibt doch lokal. Und dieses „Local Business“ hat einen eigenen Wert.

Wenn ich einen Wunsch an die Politik frei hätte, dann wäre es vor allem mehr Mut. Ich spreche nicht von blindem Aktionismus, sondern von mutigen, pragmatischen Entscheidungen.

Darüber hinaus brauchen wir eine spürbare Unternehmenssteuerreform, um wieder wettbewerbsfähig zu sein. Deutschland ist schlicht zu teuer geworden. Ebenso notwendig ist eine grundlegende Reform der Energiepreisbildung. Hier müssen schnelle, klare Entscheidungen getroffen werden, um die Wirtschaft kurzfristig zu stabilisieren.

Das bedeutet konkret: Industriestrompreise senken, um die Produktion im Land zu halten und den Standort attraktiv zu machen. Bürokratie abbauen und Steuerquoten reduzieren, damit Wachstum entstehen kann. Denn nur über Wachstum lassen sich die aktuellen Herausforderungen nachhaltig bewältigen. Wenn man sich dagegen in einer Abwärtsspirale befindet und lediglich versucht, immer neue Lasten zu verteilen, führt das in eine Sackgasse. Aktuell geht es politisch viel zu oft nur um die Frage, woher zusätzliches Geld kommen kann, um die Staatsbudgets zu erhöhen, und das vor dem Hintergrund der höchsten Steuereinnahmen, die dieses Land je gesehen hat. Von echten Reformen ist dagegen wenig zu sehen.

Dirk Henniges Compass Gruppe

Alfried Große: Fehlt Deutschland eine klar marktpolitisch ausgerichtete Partei, etwa in der Tradition der FDP, die konsequent für weniger Staat, mehr Wirtschaft und mehr Eigenverantwortung steht?

Dirk Henniges:  Unbedingt, so eine Partei fehlt aus meiner Sicht. Und zwar eine FDP, wie sie etwa Wolfgang Kubicki repräsentiert. Eine klar wirtschaftsliberale Kraft mit, wie er selbst sagt, Haltung und Kante.

Gleichzeitig muss man aber auch sagen: Die FDP hat in bestimmten Punkten ein Ungleichgewicht. Wenn z.B. Datenschutz über alles gestellt wird und dadurch im Zweifel Kriminelle eher geschont werden, weil man niemanden einschränken will, dann stimmt die Balance nicht mehr. Da ist das Gewicht aus meiner Sicht falsch gesetzt.

Das gehört natürlich zum liberalen Selbstverständnis, das historisch auch seine Berechtigung hat. Aber die Realität hat sich verändert. Die Menschen erwarten heute funktionierende Sicherheit, saubere Städte und eine verlässliche Gegenleistung für das Geld, das sie zahlen. Und dafür braucht es manchmal auch die Bereitschaft, bestimmte liberale Prinzipien pragmatisch neu zu justieren.

Alfried Große: Die Compass Gruppe wächst gewissermaßen unaufhaltsam? Was macht Ihr Modell aktuell so widerstandsfähig gegenüber den Unbilden der Zeit und woran machen Sie Ihren strategischen Erfolg fest?

Dirk Henniges: Zunächst einmal: Ja, wir wachsen weiterhin, auch im ersten Quartal wieder überdurchschnittlich, mit mehr als sieben Prozent. Gleichzeitig sehen wir aber, dass die Auftragseingänge deutlich zurückgehen. Deshalb rechne ich nicht damit, dass wir dieses Wachstum über das gesamte Jahr hinweg halten können. Die Auftragseingänge werden spürbar schwächer.

Hinzu kommt, dass die anhaltenden Preiserhöhungen im Chipbereich zu deutlich höheren Stückpreisen führen. Das gleicht einen Teil des Effekts aus, weil Preisanpassungen automatisch zu mehr Umsatz führen, ohne dass tatsächlich mehr Geschäft dahintersteht. Insofern ist dieses Wachstum zum Teil auch ein Preiseffekt und keine große Kunst, das muss man ehrlicherweise vorwegschicken.

Trotzdem bewegen wir uns insgesamt relativ stabil durch den Markt. Wir wachsen seit vielen Jahren über dem Branchendurchschnitt. Insofern scheint es schon so zu sein, dass wir strukturell etwas anders machen.

Das liegt weniger an einem abstrakten „System“, sondern vor allem an unserer Struktur. Wir haben eine große Offenheit innerhalb der Gruppe und ermöglichen es mittelständischen Unternehmen, auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten, in einem sehr vertrauensvollen Umfeld. Die Compass Gruppe gehört ja nicht einem zentralen Eigentümer, sondern zu 100 Prozent den beteiligten Unternehmen selbst.

Das schafft ein enormes Vertrauen, weil alle gemeinsam Verantwortung für eine bedeutende Organisation tragen, die zentrale Aufgaben übernimmt. Daraus entsteht eine Offenheit, die es ermöglicht, voneinander zu lernen: Erfolgsmodelle werden schnell übernommen, Fehler hingegen nicht wiederholt.

Diese Nähe und dieser offene Austausch sorgen aus meiner Sicht für eine besondere Resilienz. Und genau diese Resilienz ist ein entscheidender Faktor dafür, dass wir im Markt dauerhaft wachsen.

Alfried Große: Wie stark gewichten Sie heute noch den klassischen Einkauf im Vergleich zu Zusatzgeschäften und Services innerhalb der Compass Gruppe? Sind Sie im Kern noch eine Einkaufskooperation, oder haben Sie diese Rolle längst hinter sich gelassen?

Dirk Henniges: Der gemeinsame Einkauf ist unser Handwerk, unsere Kernfunktion. Wir sind keine klassische Einkaufskooperation. Stattdessen haben wir eine eigene Gesellschaft, die für uns einkauft und auch in die Haftung geht. Das Obligo gegenüber den Lieferanten übernimmt die Compass KG, also unser gemeinsames Unternehmen. Sie managt auch die Kreditlinien gegenüber allen Lieferanten, mit denen wir zusammenarbeiten.

Das ist ein fundamentaler Unterschied. Es ist deutlich verbindlicher, weil es eine zentrale Rechnungsadresse gibt, die „Compass KG“. Damit sind wir eben mehr als nur eine Kooperation: Wir haben ein Unternehmen, das Verantwortung übernimmt, in die Haftung geht und die Prozesse organisiert.

Diese Basis fassen wir intern oft so zusammen: Einkauf, Beschaffung, Obligo-Übernahme, das ist unser Handwerk. Das muss einfach funktionieren, geräuschlos und zuverlässig. Gleichzeitig entlastet es die einzelnen Unternehmen enorm. Bei großen Projekten müssen sie keine eigenen Kreditanfragen stellen, keine Vorkasse leisten, viele Themen werden bei uns zentral gelöst.

Das schafft Freiräume nach vorne, zum Markt. Und hier greift das, was ich zuvor beschrieben habe: das hohe Maß an Vertrauen innerhalb der Gruppe. Daraus entsteht unsere zweite große Stärke, der intensive Austausch und der Wissenstransfer.

Darüber hinaus treiben wir gemeinsam die Weiterentwicklung unseres Angebots voran. Produktentwicklung bedeutet für uns nicht nur klassische Produkte, sondern vor allem Services. Ein Managed Service ist letztlich das eigentliche „Produkt“, das unsere Häuser am Markt anbieten.

Diese Entwicklungen entstehen gemeinschaftlich, nicht immer verpflichtend für alle, sondern je nach Markt und Bedarf in unterschiedlichen Konstellationen. Dennoch sorgt das für einen gewissen Gleichschritt in der Weiterentwicklung.

Alfried Große: Im Markt sehen wir aktuell Bewegungen durch Investoren wie die Dellen Group oder die Software Partners Group, die gezielt Systemhäuser aufkaufen. Auf der anderen Seite gibt es Entwicklungen wie bei Green IT oder NOBIX, die eher systematischer wachsen. Wie stark betreffen die aktuellen Konsolidierungsbewegungen durch Investoren Ihre Mitglieder und was passiert, wenn ein Compass-Mitglied übernommen wird?

Dirk Henniges: Wir haben Mechanismen, die verhindern, dass jemand einfach reinkommt; das entscheidet immer die Gesellschafterversammlung. Wir verfügen über erprobte und klare Möglichkeiten, bis hin zum Einzug des Geschäftsanteils, um dem vorzubeugen. Wenn die Gesellschafterversammlung es nicht möchte, kann das nicht passieren. Auf der anderen Seite gibt es durchaus Unternehmen, die wir bereits integriert haben. Die DATAGROUP ist beispielsweise erst organisch und dann vor allem durch Zukäufe sehr ordentlich gewachsen. Auch die accompio-Group hat bei uns einen Gesellschafter übernommen. In einem solchen Fall schauen wir uns an, ob sie ganz zu uns kommen möchten. Es braucht dann ein klares Commitment zu unseren Regeln und Verfahren, und erst dann entscheidet die Gesellschafterversammlung über den Verbleib. Bei accompio haben wir uns dafür entschieden, ebenso wie bei der Harald Quandt Industriebeteiligung, die eines unserer Unternehmen gekauft haben und mit ihrem IT-Cluster weiterwachsen wollen. Wir haben das genau geprüft und ihnen dann ermöglicht, im Compass-System zu bleiben. Unsere Mechanismen sind klar geregelt, für jeden berechenbar und greifen sehr gut. Wir können also nicht unkontrolliert in etwas hineinschlittern, was die Mehrheit der Gesellschafter nicht will.

Natürlich sind auch in der Vergangenheit Unternehmen nach Übernahmen ausgeschlossen worden, wenn die Gesellschafterversammlung entschied, dass das gerade nicht passt. Wir definieren uns nicht über reine Quantität. Ich habe als Geschäftsführer nicht den Auftrag, möglichst viele Unternehmen mit maximalem Umsatz zu sammeln, sondern wir wollen verlässlich zusammenarbeiten. Es ist ein viel größeres Gut, dass getroffene gemeinsame Entscheidungen auch wirklich umgesetzt werden.

Einen so professionellen Einkauf inklusive Obligo-Übernahme zu installieren, ist eine Aufgabe, die die Unternehmen zu Recht an eine spezialisierte Gesellschaft wie die Compass Gruppe ausgelagert haben.

Zur Marktentwicklung: Investoren suchen immer nach verlässlichem, langfristig gesichertem Geschäft, und das ist Managed Service. Im MFP-Bereich ist dieser Part exzellent durchdacht, hat aber auch Schwächen, wie sinkende Volumina. Da es insgesamt ein schrumpfender Markt ist, findet eine Konsolidierung statt, sowohl bei den Herstellern als auch in der Handelslandschaft. Es wird künftig deutlich weniger, aber dafür konzentriertere Player geben. Das ist die Normalität in einem solchen Markt.

Alfried Große: Wie gut funktioniert Zusammenarbeit unter Mitgliedern wirklich, wenn im Tagesgeschäft jeder trotzdem seinen eigenen Kundenstamm und seine eigenen wirtschaftlichen Interessen verteidigt?

Dirk Henniges: Bei uns herrscht eine Kultur der Coopetition. Wir können Preiskämpfe im Markt natürlich schon kartellrechtlich nicht ausschließen, aber man will sich nicht willkürlich gegenseitig schaden. Auch wenn die Konzentration an manchen Orten hoch ist, sitzt der eigentliche Wettbewerb woanders. Unser Einkaufsvolumen von 320 Millionen Euro ist im Vergleich zu Riesen wie Bechtle immer noch klein.

Alfried Große: Ist Standardisierung für Compass ein Effizienzthema oder inzwischen eine Überlebensfrage, um gegen größere, zentral gesteuerte Marktteilnehmer bestehen zu können?

Dirk Henniges: Standardisierung ist für uns heute weit mehr als ein reines Effizienzthema. In einem Markt, der zunehmend von großen, zentral gesteuerten Akteuren geprägt ist, ist sie eine grundlegende Voraussetzung, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Ohne gemeinsame Standards in Prozessen, Services und Technologien lassen sich Produktivität, Skaleneffekte und verlässliche Qualität nicht in der notwendigen Tiefe erreichen.

Dabei geht es ausdrücklich nicht um Zentralisierung oder den Verlust unternehmerischer Freiheit. Standardisierung schafft die Basis, auf der mittelständische Unternehmen effizient arbeiten können, während das eigentliche Kundengeschäft individuell, lokal und unternehmerisch bleibt. Genau diese Kombination ist aus unserer Sicht entscheidend, um gegenüber großen Marktteilnehmern nicht strukturell ins Hintertreffen zu geraten.

Alfried Große: Ein Drittel des Compass-Geschäftsvolumens hängt weiterhin am MFP- und Drucker-Bereich. Ist Print für Sie noch ein Wachstumsfeld – oder eher ein Stabilitätsanker, der intelligent verteidigt und erweitert werden muss?

Dirk Henniges: Der Markt ist im ersten Quartal laut Herstellerzahlen geschrumpft. Wir hingegen sind im Printbereich stabil.

Das bedeutet, dass unsere Häuser aktiv an der Konsolidierung des Marktes teilnehmen. Sie sind sehr leistungsfähig. Wenn sich andere aus dem Markt verabschieden, das Geschäft herunterfahren oder verkauft werden, entsteht Unruhe und es wird Volumen frei. Ich glaube, dass wir gemeinsam mit unseren Partnern aus der Industrie insgesamt Marktanteile gewinnen.

Alfried Große: Aufgrund des schrumpfenden Druckvolumens geraten zunehmend auch die Margen der Hersteller unter Druck. Wie partnerschaftlich ist das Verhältnis zu den Herstellern derzeit noch?

Dirk Henniges: In einem sich konsolidierenden Markt gewinnt Partnerschaft eine deutlich höhere Bedeutung. Natürlich hat jeder Hersteller eine etwas andere Ausrichtung oder andere Schwerpunkte, und es gibt auch Dinge, die uns nicht passen. Darüber muss man sprechen. Aber in diesem Markt haben wir eine enorme Stärke, nämlich unsere lokalen Service-Organisationen, während man bei der Mehrzahl der Hersteller sieht, dass diese Bereiche konsolidiert oder reduziert werden. Wir übernehmen dort sehr erfolgreich Services für unsere Industriepartner, was ebenfalls ein Teil der Marktkonsolidierung ist. Dadurch wachsen wir wieder enger zusammen. Ich glaube, es kommt darauf an, dass man sich auf Augenhöhe einigt und das Geschäft gemeinsam entwickelt, und das tun wir mit unseren Partnern aus der Industrie sehr erfolgreich.

Dirk Henniges Compass Gruppe

Alfried Große: Ich habe vor Kurzem mit einem Händler gesprochen, der sich darüber deutlich beklagt hat, dass, sobald ein lukratives Geschäft in Sicht ist, der Direktvertrieb des Herstellers eingreift und versucht, den Auftrag mit aggressiveren Preisen an sich zu ziehen. Das hat aus seiner Sicht mit partnerschaftlicher Zusammenarbeit nichts mehr zu tun.

Dirk Henniges: Das ist ein Phänomen, das man in nahezu jedem sich konsolidierenden Markt beobachten kann. Wenn sich Strukturen verändern, kämpfen bestehende Organisationen, etwa Direktvertriebseinheiten, die perspektivisch zurückgefahren werden sollen, zunächst um ihre Berechtigung und um ihre Ergebnisse. Das geschieht oft mit hoher Intensität und lässt sich nicht einfach per Knopfdruck steuern, zumal es sich häufig um unterschiedliche Business Units mit eigenen Zielsetzungen handelt.

Man kann das kritisieren, aber aus einer nüchternen Perspektive gehört es zu solchen Transformationsprozessen dazu. In einer Phase der Konsolidierung versucht jede Einheit, ihren Platz zu sichern, bevor sich neue Strukturen stabilisieren.

Langfristig betrachtet, deutet jedoch vieles darauf hin, dass sich der Markt stärker auf den Channel fokussieren wird. Die meisten Hersteller betonen, dass sie den Fachhandel stärken wollen und sich tendenziell auf weniger, dafür größere Partner konzentrieren.

Diese Entwicklung dürfte sich fortsetzen und am Ende den Channel insgesamt stärken.

Alfried Große: Ich würde gerne noch einmal auf Ihre Mitglieder zurückkommen. Viele von ihnen feiern 30-, 50- oder sogar 100-jährige Firmenjubiläen. Ist diese gewachsene Tradition aus Ihrer Sicht eher ein Vorteil – oder kann sie auch zur Bremse werden, etwa wenn Strukturen oder Denkweisen nicht mehr zur aktuellen Marktentwicklung passen? Wie erleben Sie das konkret bei Ihren Mitgliedern?

Dirk Henniges: Das ist ein permanenter Veränderungsprozess. Wenn ein Unternehmen 150 Jahre alt ist, und solche Beispiele haben wir, dann hat es über mehrere Generationen hinweg immer wieder bewiesen, dass es sich neu erfinden und am Markt behaupten kann. Früher ging es um Büromaschinen, Rechenschieber oder klassischen Bürobedarf, heute sprechen wir über IT-Systemhäuser. Das ist ein enormer Wandel und er hat trotz, oder vielleicht gerade wegen, der Tradition stattgefunden.

Ich glaube daher, dass Tradition grundsätzlich kein Hemmnis sein muss. Entscheidend ist der Mix. Den haben wir in der Gruppe: Unternehmen mit langer Historie treffen auf jüngere Strukturen oder neu hinzugekommene Gesellschaften. Wobei „jung“ relativ ist, viele sind auch schon seit Jahrzehnten am Markt, bringen aber andere Perspektiven mit.

Interessant ist auch, dass einige Unternehmen bewusst neue Einheiten gründen, um sich vom Traditionsgeschäft zu lösen. Diese arbeiten mit eigenen Strukturen, sind oft schneller und experimentierfreudiger. Gleichzeitig lernen die etablierten Organisationen davon und umgekehrt. So entsteht ein produktives Zusammenspiel aus Bewahren und Verändern.

Wir sehen daher beides: das Zusammenführen von Unternehmen und gleichzeitig auch eine bewusste Differenzierung. Dieses „Atmen“ der Strukturen halte ich für eine große Stärke. Je nach Situation kann das eine oder das andere Modell im Vorteil sein.

Die lange Tradition zeigt vor allem eines: Diese Unternehmen haben bereits mehrere Generationenwechsel durchlaufen, oft zwei oder drei. Damit ist Veränderungsbereitschaft kein Fremdwort, sondern Teil der DNA. Gleichzeitig sind viele noch mittelständisch geprägt, also groß genug, um stabil zu sein, aber nicht so groß, dass sie unbeweglich werden.

Natürlich kann Tradition auch bremsen. Aber der bisherige Erfolg zeigt, dass die Balance insgesamt gut gelungen ist. Entscheidend wird sein, dass diese Anpassungsfähigkeit auch in Zukunft erhalten bleibt.

Alfried Große: Ist die Größe Ihrer Gruppe – also die überschaubare Anzahl an Mitgliedsunternehmen – aus Ihrer Sicht ein entscheidender Faktor dafür, dass der Austausch besser funktioniert als in deutlich größeren Organisationen mit 60, 80 oder mehr Mitgliedern? Fördert gerade diese kleinere Struktur den intensiveren Dialog und die häufigeren, direkteren Kontakte untereinander?

Dirk Henniges: Unbedingt, das ist ein ganz zentraler Punkt. Wir verfolgen bewusst nicht das Ziel, möglichst viele Gesellschafter aufzunehmen. Im Gegenteil: Gesellschafter zu werden, ist bei uns mit hohen Hürden verbunden und erfordert die Zustimmung der bestehenden Mehrheiten. Wachstum über reine Mitgliederzahlen ist nicht unser Ansatz, im Fokus steht die Qualität der Unternehmen und ihrer Ergebnisse.

Dabei ist unsere Struktur sogar noch feiner, als es auf den ersten Blick wirkt. Formal haben wir 32 Gesellschafter, ergänzt um Tochter- und Schwesterunternehmen. Gleichzeitig unterteilen wir uns in kleinere Einheiten, sogenannte Arbeitskreise, die bei uns aber tatsächlich eigenständige Gesellschaften sind, meist in Form von GbRs. Diese verfügen über eigene Budgets, treffen eigene Entscheidungen und haben jeweils einen eigenen Gesellschaftsvertrag.

Das bedeutet: Die eigentlichen Arbeitskreise sind bewusst kleiner und fokussierter. Hier treffen sich nur Unternehmen mit ähnlichen Geschäftsmodellen oder gemeinsamen Zielen, die auch bereit sind, zu investieren. Genau diese gezielte Auswahl sorgt für einen schnelleren, direkteren und vor allem relevanteren Austausch.

Alfried Große: Was sehen Sie für die kommenden Jahre als größte Herausforderung: neue Geschäftsfelder zu entwickeln oder die bestehenden Unternehmen organisatorisch und kulturell so aufzustellen, dass sie zukunftsfähig bleiben?

Dirk Henniges: Die größten Herausforderungen liegen aus meiner Sicht weniger in der Frage, ständig neue Geschäftsfelder zu definieren, sondern vor allem darin, die bestehenden Unternehmen organisatorisch und kulturell so aufzustellen, dass sie mit der zunehmenden Disruption Schritt halten können.

Alfried Große: Wenn Sie vier bis fünf Jahre nach vorne blicken, woran wird man im Jahr 2030 erkennen, dass die Compass Gruppe die richtigen strategischen Entscheidungen getroffen hat?

Dirk Henniges: Maßgeblich wird man es an der Stabilität unserer Mitgliedsunternehmen erkennen. Die zentrale Frage wird sein: Sind sie stabil aufgestellt? Und sind sie im Durchschnitt besser positioniert als der Branchenschnitt?

Am Ende entscheidet immer die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Sind die Unternehmen nachhaltig erfolgreich, dann haben wir strategisch die richtigen Weichen gestellt. Daran würde ich es messen.

Alfried Große: Ich würde an der Stelle noch einmal nachhaken, gerade zum Thema Cybersecurity. Es ist ja bekannt, dass MFPs und Drucker ein potenzielles Einfallstor für Cyberangriffe darstellen. Sie hatten zudem erwähnt, dass es in Ihrem Verbund spezialisierte Unternehmen gibt, die sich dem Thema IRT widmen und entsprechend aufgestellt sind, um Kunden zu beraten. Wie funktioniert hier der Austausch innerhalb der Gruppe? Wenn ein Mitglied in diesem Bereich weniger Erfahrung hat – erhält es dann Unterstützung aus dem Netzwerk?

Dirk Henniges: Absolut, das ist ein ganz zentraler Punkt in unserer Zusammenarbeit. Wir haben klare interne Verrechnungsmodelle, also die Frage, wie Leistungen innerhalb der Gruppe bezogen werden. Das passiert täglich und ist fest in unseren Strukturen verankert.

Zum Beispiel haben sich bei uns gezielt Unternehmen zum Deutschen Incident Response Team (DIRT.) zusammengeschlossen, die sich tief mit Incident Response, Cybersecurity und operativer Krisenbewältigung beschäftigen. Dieses Know-how steht auch der gesamten Gruppe zur Verfügung. Wenn ein Haus bei einem Kunden an seine Grenzen kommt oder zusätzliche Expertise benötigt, kann es auf diese spezialisierten Strukturen zurückgreifen, nicht theoretisch, sondern ganz konkret im Projekt oder im Ernstfall.

Alfried Große: Wer ist in diesem Prozess eigentlich der Treiber? Kommt der Impuls eher aus der Compass Gruppe selbst – oder aus den einzelnen Unternehmen, die sagen: „Wir müssen hier aktiv werden“? Und gibt es so etwas wie eine zentrale Steuerung – also eine Instanz, die sagt: Wir bündeln das Thema, bilden eine Gruppe und klären für alle, wo und wie sich beispielsweise KI sinnvoll einsetzen lässt?

Dirk Henniges: Es gibt im Grunde zwei Ebenen. Zum einen kommt der eigentliche Treiber ganz klar aus den Unternehmen selbst. Die Compass Gruppe ist vom eigenen Staff her bewusst schlank aufgestellt und übernimmt keine zentrale „Führungsrolle“ im klassischen Sinne. Stattdessen bringen sich die Unternehmen ein, vor allem diejenigen, die ein Thema aktiv vorantreiben und professionalisieren wollen. Diese werden zusammengeführt, entwickeln Best Practices und setzen diese dann auch um.

Zum anderen entstehen daraus dann auch gemeinsame Projekte. Ein gutes Beispiel ist der Bereich KI-gestützte Serviceeinsätze: Hier haben wir zusammen mit Fördermitteln der Bundesregierung und in Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut eine Lösung entwickelt, bei der wir über mehrere Jahre hinweg Serviceeinsätze aus vielen Häusern gesammelt und mithilfe von KI ausgewertet haben. Daraus ist eine Applikation entstanden, die die Qualität der Serviceeinsätze unserer Unternehmen deutlich verbessert und damit auch effizienter gemacht hat. Das ist ein klassisches Gemeinschaftsprojekt, mit gemeinsamem Budget, von dem alle profitieren, das von Compass gesteuert wird.

Alfried Große: Zum Abschluss noch eine grundsätzliche Frage: Wir sehen aktuell im Systemhausmarkt unterschiedliche Strategien – einige Akteure wachsen über kapitalgetriebene Zukäufe, andere eher strukturiert und organisch. Wie wird sich aus Ihrer Sicht die IT-Systemlandschaft in den nächsten fünf Jahren entwickeln?

Dirk Henniges: Wir sehen im Markt seit jeher ein Wechselspiel aus Konzentration und erneuter Ausdifferenzierung. Nach Phasen intensiver Zukäufe werden Strukturen konsolidiert – und nicht selten entstehen daraus später wieder neue, eigenständige Einheiten. Am Ende ist die Anzahl der Systemhäuser oft gar nicht so stark verändert, wie man zunächst vermuten würde. Das ist ein ziemlich natürlicher Zyklus.

Aktuell wird diese Entwicklung zusätzlich durch das gestiegene Zinsniveau beeinflusst. Die Bewertungen gehen zurück, Kapital ist teurer geworden. Das wirkt sich unmittelbar auf die Expansionsstrategien aus. Einige der sehr offensiv gewachsenen Organisationen werden die Folgen dieser Dynamik spüren – etwa durch Konsolidierungsdruck, interne Reibungen oder notwendige Restrukturierungen.

Typischerweise folgt auf eine Phase der Übernahmen eine Phase der Integration. Und genau diese bringt oft Unsicherheit und Unzufriedenheit mit sich, weil Strukturen neu geordnet werden müssen. Das kann sich kurzfristig auch negativ auf das Geschäft auswirken, bevor sich die Situation wieder stabilisiert.

Diesen Zyklus kann man selbst mit viel Professionalität nicht vollständig vermeiden. Deshalb gehe ich davon aus, dass wir auch in Zukunft beides sehen werden: weitere Konsolidierung – aber eben auch neue, eigenständige Entwicklungen.

Alfried Große: Nun haben Sie ja keinen klassischen Nine-to-five-Job. Was motiviert Sie eigentlich jeden Tag?

Dirk Henniges: Ich hatte letztens zu meinem Geburtstag viele großartige Gespräche und Glückwünsche, einfach Wertschätzung, das ist ein tolles Gefühl.  Und dann habe ich für mich bewusst reflektiert: Eigentlich ist doch jeder Tag ein bisschen wie ein Geburtstag. Man steht in dieser Jahreszeit morgens auf, die Vögel singen, es wird heller, grüner und wenn man die täglichen Problemchen einmal ausblendet, ist jeder Tag im Grunde ein guter Tag. Dieses Bewusstsein hilft enorm. Ich gehe tatsächlich oft mit diesem Gefühl in den Tag: dass es etwas Positives ist, dass man gestalten kann.

Dazu kommt die Kultur unserer Zusammenarbeit, die wir uns über viele Jahre aufgebaut haben. Seit Jahrzehnten arbeiten wir in einem Umfeld, das von Vertrauen, Leistungsbereitschaft und einem sehr konstruktiven Miteinander geprägt ist. Selbst wenn es unterschiedliche Meinungen gibt, und die gibt es natürlich, findet man immer wieder zusammen, weil alle auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten.

Ich habe das große Glück, in einem Umfeld zu arbeiten, das mir Energie gibt und in dem Zusammenarbeit wirklich funktioniert. Das ist eine enorme Motivation, jeden Tag aufs Neue.

Alfried Große: Wobei können Sie dann am besten entspannen?

Dirk Henniges: Am besten gelingt mir das tatsächlich bei einem Spaziergang. Ich will das gar nicht immer gleich „Wanderung“ nennen, oft sind es einfach ein, zwei Kilometer vom Hotel zu einem Restaurant. Aber genau diese kleinen Wege helfen, den Kopf frei zu bekommen. Bewegung schafft Abstand, und das tut gut.

Alfried Große: Wo sehen Sie sich persönlich in fünf Jahren?

Dirk Henniges: Ich hoffe bei bester Gesundheit, und in einem Umfeld, in dem wir das, was wir heute aufgebaut haben, weiterentwickeln und in gleichbleibend hoher Qualität fortführen. Wenn es gelingt, mit dem eigenen Engagement dazu beizutragen, dass es den Unternehmen und den Menschen darin auch künftig gut geht, dann ist das eine sehr erfüllende Aufgabe.

Alfried Große: Vielen Dank.

22.06.2026

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Compass-Geschäftsführer Dirk Henniges

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Thomas Fröber, Bereichsleiter Marketing & Vertrieb der Büroring eG

Robotik als neues Kerngeschäft des Fachhandels

Robotik ist längst kein Nischenthema mehr für Großkonzerne und Hightech-Labore. Sie hält Einzug in Hotels, Krankenhäuser, Büros, Reinigungsunternehmen und den Einzelhandel und damit genau in jene Zielgruppen, die der Büro- und PBS-Fachhandel seit Jahren als Kernkunden betreut. Der Büroring hat diese Entwicklung frühzeitig erkannt und mit BR.ROBOTIC – Intelligence in Motion ein Konzept entwickelt, das seinen Mitgliedern den strukturierten, wirtschaftlich tragfähigen Einstieg in einen der wachstumsstärksten Märkte der kommenden Dekade ermöglicht. Auf dem PBS Forum 2026 in Dresden, das der Büroring mit PBS Deutschland erstmals als gemeinsame Plattform ausgerichtet hat, stand BR.ROBOTIC im Mittelpunkt eines viel beachteten Präsentationsblocks. Die Resonanz war eindeutig.

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Dr. Alfried Große, Herausgeber INFO-MARKT GmbH

KI definiert das Geschäft neu

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Der Drucker- und MFP-Markt erlebt derzeit das, was viele lange nur als Wetterleuchten am Horizont abgetan haben: Die normative Kraft der KI ist angekommen – nicht als wohlfeile PR-Floskel, sondern als handfeste Systemveränderung. Was die Hersteller heute in ihre Plattformen integrieren, ist nichts weniger als der Versuch, den MFP vom Ausgabegerät zum autonomen Workflow-Manager zu transformieren. Während die Hersteller bei der KI-Integration fast unisono auf dem Gaspedal stehen, muss sich der Fachhandel entscheiden: Will er künftig im Maschinenraum dieser Entwicklung stehen oder die Entwicklung als Zaungast begleiten?

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Alfried Große_ INFO-MARKT GmbH

Mehr als nur Druck

Unsere Meinung zu ….

Der Markt des Online Printings ist längst kein digitaler Bauchladen für Flyer, Broschüren und Visitenkarten mehr. Er entwickelt sich mit bemerkenswerter Konsequenz zu einem industriell organisierten, softwaregetriebenen und hochautomatisierten Segment, in dem sich verdichtet, was der gesamten Printbranche bevorsteht. Es geht um Prozesse, Daten, Plattformen, Automatisierung – und um die Frage, wer in dieser neuen Ordnung der Dinge künftig einen Platz in der Wertschöpfungskette ergattert.

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Torsten Bechler, Manager Product Marketing DACH der Sharp Business Systems Deutschland GmbH

Warum der günstigste Einkaufspreis nicht automatisch der beste Deal ist

Beim Einkauf von Multifunktionssystemen gilt der erste Blick reflex­artig dem Preis – verständlich, schließlich entscheidet der Einkauf zunächst über die Marge. Doch wer sich ausschließlich am niedrigsten Gerätepreis orientiert, läuft Gefahr, sich die eigene Kalkulation schönzurechnen. Denn die eigentliche Musik spielt nicht beim Kauf, sondern im laufenden Betrieb.

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Christopher Rheidt

Neue Führungsstruktur

Mit Wirkung zum 1. April 2026 vollzieht die Kyocera-Gruppe eine signifikante personelle und strukturelle Weichenstellung in der EMEA-Region sowie auf dem deutschen Markt. Der bisherige Geschäftsführer der TA Triumph-Adler GmbH, Christopher Rheidt, wechselt an die Spitze der Europazentrale, während Dietmar Nick, CEO von Kyocera Document Solutions Deutschland, eine markenübergreifende Leitungsfunktion für Deutschland übernimmt, indem er zusätzlich auch die Geschäftsführung der TA-Triumph-Adler-Gruppe verantwortet.

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Büroring Vorstand Ingo Dewitz

Sanierung am offenen Herzen

Die Vorzeichen könnten kaum düsterer sein: Ein erodiertes Geschäftsmodell, schwindende Liquidität und eine Kostenstruktur, die noch immer auf längst vergangenen Glanzzeiten fußt. Beim Büroring in Haan steht nicht weniger als die Existenz der Genossenschaft auf dem Spiel. Doch der neue Vertriebsvorstand Ingo Dewitz setzt nicht auf Durchhalteparolen, sondern auf eine schonungslose Bestandsaufnahme und den kompletten Umbau der DNA – weg vom klassischen Lagergeschäft, hin zum digitalen Marktplatz und technologischen Vorreiter. INFO-MARKT sprach mit dem neuen Vertriebsvorstand über die geplante Radikalkur.

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Frank Eismann, Geschäftsführer und Gründer der GFC-Gruppe

Kurs auf Europa

Lange wurde hinter verschlossenen Türen verhandelt, nun ist es offiziell: Die GFC-Gruppe geht neue, europäische Wege. Durch den Zusammenschluss mit der französischen Groupe Factoria, einem Portfoliounternehmen der französischen Groupe Dellen, entsteht ein neuer Power-Player auf dem deutschen Markt. Ein Deal, der nicht nur durch seine Diskretion besticht, sondern auch ein Signal an die Branche sendet, das den Markt für Managed IT Services verändern wird.

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Kai Scott, Geschäftsführer der Sharp Business Systems Deutschland GmbH

Die Antwort auf zunehmende Komplexität

Wenn sich auf einer internationalen Veranstaltung die Gespräche mehr um Software, Services und neue Denkmodelle als um Hardware drehen, ist das mehr als eine Momentaufnahme – es ist ein Indikator für einen tiefgreifenden Strukturwandel. Auf der Sharp Inspire Expo in Lissabon wurde deutlich, wie sehr sich der Fokus der Branche zu integrierten digitalen Wertschöpfungen verschiebt. Im Gespräch mit Kai Scott, Geschäftsführer der Sharp Business Systems Deutschland GmbH, und Torsten Bechler, Manager Product Marketing DACH der Sharp Business Systems Deutschland GmbH, spricht INFO-MARKT Herausgeber Dr. Alfried Große darüber, wann die Fahnenstange der technologischen Entwicklung im Gerätebereich erreicht ist, warum Konzepte wie „One Sharp“ weniger Marketingformel als eine strategische Antwort auf die steigende Komplexität informationsverarbeitender Prozesse sind und über die neue Rolle des Fachhandels in diesem Szenario.

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Florian Stäwen, Geschäftsführer, CFO und Partner der GREEN IT Das Systemhaus GmbH

Nachhaltig, nahbar, unbeirrbar

Der Mittelstand als Rückgrat, nicht als Randnotiz. GREEN IT verkörpert den unbeirrbaren Glauben an die Zugkraft des Mittelstandes trotz Konjunkturflaute, Bürokratiestau und Digital-Löchern. Im Gespräch mit INFO-MARKT-Herausgeber Dr. Alfried Große stellt sich für Florian Stäwen, Geschäftsführer, CFO und Partner der GREEN IT Das Systemhaus GmbH, die Standortfrage gar nicht. Während viele Unternehmen zunehmend im Jammermodus gebetsmühlenartig den Strukturwandel beklagen, setzt GREEN IT auf die normative Kraft des Faktischen und baut das Geschäft weiter aus – mit eigenen Ideen, eigenen Werten und eigenem Tempo.

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