Büro der Zukunft

Nachhaltigkeit gewinnt an Bedeutung

Ausgabe-Nr.: 9/2017

Virtual Identity-Entwurf von conceptsued: Viele Mieter setzen besonders beim Innenausbau und der Einrichtung ihrer Gewerbeimmobilie auf Nachhaltigkeit.

Funktionale Architektur, recycelte Materialien, intelligente Temperaturregler: Immer mehr Unternehmen entdecken das Thema Nachhaltigkeit im Büro für sich. Dabei spielt das Image ebenso wie die Mitarbeitergewinnung eine Rolle. Allerdings müssen Planer auf mehr als den Materialeinsatz achten.

 

„Die Herausforderung liegt darin, Nachhaltigkeit über den gesamten Gebäudezyklus hinweg zu definieren. Im Ringen um qualifizierte Mitarbeiter sind Unternehmen zunehmend dazu bereit, mehr für den nachhaltigen Bau und die Einrichtung ihrer Immobilie zu investieren. Zumal sich diese über die Einsparung von Energie sowie den Wohlfühlfaktor und die Gesundheit der Angestellten mittelfristig amortisieren“, sagt Dewi Schönbeck, Director Creative Consulting und DGNB-Consultant bei der conceptsued gmbH und Modal M. in München. Bei den beiden Firmen realisieren 60 Architekten und Berater neue Bürowelten für deutsche und internationale Unternehmen.

Angeblich assoziieren die meisten Unternehmen mit Nachhaltigkeit im Büro ökologische Aspekte. Hier stehen die Planer gegenüber den Vermietern und Nutzern in einer großen Verantwortung. Denn gut 40 Prozent des weltweiten Energiebedarfs sind auf die Baubranche zurückzuführen.

Wichtig bei der Auswahl von Bauteilen und Materialien ist eine fundierte Betrachtung. Denn nicht immer ist ein nachwachsender Dämmstoff aus Baumwolle nachhaltig, wenn er in Monokulturen angebaut wird und über lange Transportwege zu uns gelangt. Schönbeck verweist darauf, dass seriöse Planer die gesamte Lebensdauer von Baustoffen betrachten.

Viele Mieter setzen besonders beim Innenausbau und der Einrichtung ihrer Gewerbeimmobilie auf Nachhaltigkeit. Der Einsatz natürlicher Rohstoffe, lokaler Materialien und Hersteller steht dabei im Vordergrund. Hier bietet der Markt mittlerweile interessante und ästhetisch anspruchsvolle Produkte wie holzanmutende Werkstoffe aus Reishülsen oder receyclebaren Teppichen.

Bei der Umsetzung der Entwicklungsszenarien für den Kunden ist die Beantwortung folgender Fragen von Bedeutung:  Wie entwickelt sich die Größe der Firma? Wie verändern sich die Kommunikationswege und Arbeitsabläufe? Und wie kann der Raum unkompliziert auf neue Anforderungen eingestellt werden?

Eigentümer und Mieter stellen immer öfter hohe Ansprüche an ihre neue Gewerbeimmobilie. Unter anderem auch, weil das Thema Nachhaltigkeit zur Imagebildung und Mitarbeitergewinnung genutzt werden kann.

Viele Unternehmen fragen nach Zertifizierungen wie dem US-amerikanischen Punktesystem LEED (Leadership in Energy and Environmental Design) oder dem WELL Building Standard. Während Ersteres vor allem ökologische und ökonomische Aspekte einbezieht, ist das WELL-Zertifikat auf die Beurteilung von Gebäuden mit Blick auf die Gesundheit und das Wohlfühlen der Menschen fokussiert.

Zertifizierungs-System des DGNB etabliert sich

Hier gewinnt das Zertifizierungssystem der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V. international an Bedeutung. Es verbindet Umweltschutzaspekte mit sozialen Faktoren und bezieht Kriterien zum Wohlbefinden der Mitarbeiter wie Raumluft, Belichtung, Akustik oder Kommunikationsmöglichkeiten ein. Außerdem wird die Qualität nicht nur bis zur Fertigstellung des Gebäudes bewertet, sondern über seinen kompletten Gebäudelebenszyklus hinweg.

 

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