Unser Blog

Exklusive Interviews, wertvolle Impulse und spannende Einblicke –

direkt von führenden Köpfen und Vordenkern ihrer Branche

Zwischen Klickpreis und Cloud

Raus aus der Komfortzone

Alfried Große_ INFO-MARKT GmbH
Unsere Meinung zu ...

Die MFP-Branche steht an einem Scheideweg: Immer weniger Druck, immer mehr Digitalisierung. Während moderne Systeme längst neue Potenziale bieten – etwa automatisierte Workflows, Cloud-Services oder Security-Anwendungen – verharrt ein Großteil des Fachhandels im gewohnten Klickpreis-Modell. Verkauft wird, was vertraut ist. Doch das wird nicht reichen. Viele Händler führen heute keine aktiven Verkaufsgespräche mehr, sondern verwalten lediglich bestehende Verträge. Gerätefunktionen, Software-Upgrades oder neue Services geraten dabei aus dem Blick.

Anzeige

MFPs von heute sind keine Kisten mehr, die Papier ausspucken. Sie sind vernetzte IT-Endgeräte, Datenportale, Workflow-Steuerer. Sie stehen längst nicht mehr am Ende eines analogen Prozesses, sondern im Zentrum digitaler Informationsflüsse. Sie empfangen, scannen, verteilen – und eröffnen Schnittstellen in komplexe digitale Workflows. Wer das nicht verstehen will, darf sich nicht wundern, wenn er unvermittelt am Abgrund entlangbalanciert. Das Problem ist nicht die Technik – es ist das Mindset. Es ist die Denkweise: zu komplex, zu riskant, zu viel Software. Willkommen im Jahr 2025. 

Während einzelne Händler mit Riesenschritten in Richtung Managed Services marschieren, Allianzen mit Systemhäusern schmieden, um ihr Wirkungsfeld zu erweitern, Investitionen tätigen und Plattformstrategien entwickeln, klammern sich andere an das Altbekannte. Dabei hat der Kunde schon längst einen Gang höher geschaltet – für viele Händler ist das Tempo aber offensichtlich zu hoch. In vielen Gesprächen zeigt sich eine klare Entwicklung: Unternehmen – insbesondere Großkunden – wollen keine fragmentierten IT-Dienstleistungen mehr, sondern Komplettlösungen und wenn es eben geht, aus einer Hand. Auch wenn Behörden immer noch mit der Preiskeule Aufträge vergeben, ist der Trend klar: Die Anforderungen steigen auch hier, die Fragen nach innovativen Systemen im Output-Management werden lauter, die Schnittmengen zwischen Print, IT und Digitalisierung wachsen.

Das stellt den indirekten Vertrieb vor große Herausforderungen. Zwar bleibt der Fachhandel erster Ansprechpartner vor Ort, aber der Kunde erwartet oft mehr – etwa tiefes IT-Know-how oder Speziallösungen für Security und Compliance. Das Spannungsfeld ist vorgezeichnet: Wer auf alte Stärke pocht, wird künftig an Relevanz verlieren.

Insgesamt tut sich die Branche bis heute schwer, ihre eigene Bedeutung in modernen Workflows sichtbar zu machen. MFPs ermöglichen nicht nur Dokumentenprozesse – sie sind oft das physische Einfallstor in die digitale Welt: Scan-to-Cloud, Metadatenextraktion, Zugriffskontrollen, Dokumentenrouting. Aber all das, was die digitale Transformation ausmacht, setzt technologische Kompetenz voraus – und einen Vertrieb, der mehr kann, als nur an der Preisschraube zu drehen.

Viel zu oft wird heute immer noch nur über Geschwindigkeit und Seitenpreise gesprochen – und nicht über Automatisierung, Prozessintegration oder Sicherheitsstandards. Gleichzeitig wächst die Komplexität im Maschinenpark: Moderne Systeme sind keine reinen Hardwareprodukte mehr, sondern softwaregesteuerte IT-Endgeräte – integriert in Flottenmanagementsysteme, vernetzt, sicherheitskritisch. Für viele Händler ganz offensichtlich ein nur schwer zu stemmender Umbruch.

Mit dem Ergebnis, dass sich aktuell die Spreu vom Weizen zu trennen beginnt. Zwar sind viele Händler finanziell gut aufgestellt, doch gerade das bremst die Veränderungsdynamik. Warum investieren, wenn es auch so läuft? Die Antwort ist einfach: Weil es nicht so bleiben wird. Wer nur noch Hardware liefert, darf sich nicht wundern, wenn er immer seltener mit am Tisch sitzt, wenn der Kuchen verteilt wird.

Denn die Systemhäuser bringen mit, was vielen Druck- und MFP-Partnern fehlt: Cloud-Expertise, IT-Dienstleistungen, Softwarevertrieb. Und während der klassische MFP-Händler mit Hardwarelogistik, Techniker-Know-how und konventionellem Vor-Ort-Service zu punkten versucht, arbeiten Systemhäuser längst mit ertrag­reichen Cloud-Subscriptions, Fernwartung und Remote-Support. Noch fehlt den Systemhäusern die Serviceinfrastruktur für Druck- und MFP-Systeme – aber das könnte sich bald ändern. Der Akquisitionshunger großer Systemhäuser wächst und mit ihm das bislang fehlende technische Service-Know-how im Drucker- und MFP-Business.

Relevanz entsteht nur durch Veränderung, durch Bewegung, durch Mut. Wer MFPs weiter als isoliertes Produkt verkauft, lässt nicht nur Chancen, sondern vor allem Geld liegen – in Form berechenbarer Managed Services, ertragreicher Cloud-basierter Plattformmodelle oder datengetriebener Lösungen. Dabei wäre der Fachhandel ideal positioniert, mit gewachsener Infrastruktur, Technikerflotte und regionaler Nähe, wenn er auch noch IT-Kompetenz und Prozessverständnis mit in die Waagschale werfen könnte.

Die Digitalisierung fordert neue Denkweisen, neue Partnerstrukturen – und neue Narrative. Der Fachhandel kann mehr sein als Vertragsverwalter oder Preisdrücker. Er kann Enabler sein. Begleiter. Integrator. Doch dafür braucht es den Mut zur Investition und zur Veränderung. Und die Einsicht, dass der Vertrieb von gestern keine Antworten mehr auf die Fragen von morgen gibt. Es geht nur über den Verkauf von Mehrwert. Wer dazu keine Lust hat, darf sich nicht wundern, wenn der Kunde bald woanders anruft. Die Preisschlachten herkömmlicher Couleur hinterlassen beim Kunden letztendlich keinen bleibenden Eindruck, sondern allenfalls tiefe Schleifspuren in der Bilanz des Fachhändlers.

Dr. Alfried Große, Herausgeber

27.08.2025

BLOG

Unsere Blogbeiträge

Alfried Große_ INFO-MARKT GmbH

Mehr als nur Druck

Unsere Meinung zu ….

Der Markt des Online Printings ist längst kein digitaler Bauchladen für Flyer, Broschüren und Visitenkarten mehr. Er entwickelt sich mit bemerkenswerter Konsequenz zu einem industriell organisierten, softwaregetriebenen und hochautomatisierten Segment, in dem sich verdichtet, was der gesamten Printbranche bevorsteht. Es geht um Prozesse, Daten, Plattformen,

>> Weiter lesen
Torsten Bechler, Manager Product Marketing DACH der Sharp Business Systems Deutschland GmbH

Warum der günstigste Einkaufspreis nicht automatisch der beste Deal ist

Beim Einkauf von Multifunktionssystemen gilt der erste Blick reflex­artig dem Preis – verständlich, schließlich entscheidet der Einkauf zunächst über die Marge. Doch wer sich ausschließlich am niedrigsten Gerätepreis orientiert, läuft Gefahr, sich die eigene Kalkulation schönzurechnen. Denn die eigentliche Musik spielt nicht beim Kauf, sondern im laufenden Betrieb.

>> Weiter lesen
Christopher Rheidt

Neue Führungsstruktur

Mit Wirkung zum 1. April 2026 vollzieht die Kyocera-Gruppe eine signifikante personelle und strukturelle Weichenstellung in der EMEA-Region sowie auf dem deutschen Markt. Der bisherige Geschäftsführer der TA Triumph-Adler GmbH, Christopher Rheidt, wechselt an die Spitze der Europazentrale, während Dietmar Nick, CEO von Kyocera Document Solutions Deutschland, eine markenübergreifende Leitungsfunktion

>> Weiter lesen
Büroring Vorstand Ingo Dewitz

Sanierung am offenen Herzen

Die Vorzeichen könnten kaum düsterer sein: Ein erodiertes Geschäftsmodell, schwindende Liquidität und eine Kostenstruktur, die noch immer auf längst vergangenen Glanzzeiten fußt. Beim Büroring in Haan steht nicht weniger als die Existenz der Genossenschaft auf dem Spiel. Doch der neue Vertriebsvorstand Ingo Dewitz setzt nicht auf Durchhalteparolen, sondern auf eine

>> Weiter lesen
Frank Eismann, Geschäftsführer und Gründer der GFC-Gruppe

Kurs auf Europa

Lange wurde hinter verschlossenen Türen verhandelt, nun ist es offiziell: Die GFC-Gruppe geht neue, europäische Wege. Durch den Zusammenschluss mit der französischen Groupe Factoria, einem Portfoliounternehmen der französischen Groupe Dellen, entsteht ein neuer Power-Player auf dem deutschen Markt. Ein Deal, der nicht nur durch seine Diskretion besticht, sondern auch ein

>> Weiter lesen
Kai Scott, Geschäftsführer der Sharp Business Systems Deutschland GmbH

Die Antwort auf zunehmende Komplexität

Wenn sich auf einer internationalen Veranstaltung die Gespräche mehr um Software, Services und neue Denkmodelle als um Hardware drehen, ist das mehr als eine Momentaufnahme – es ist ein Indikator für einen tiefgreifenden Strukturwandel. Auf der Sharp Inspire Expo in Lissabon wurde deutlich, wie sehr sich der Fokus der Branche

>> Weiter lesen
Florian Stäwen, Geschäftsführer, CFO und Partner der GREEN IT Das Systemhaus GmbH

Nachhaltig, nahbar, unbeirrbar

Der Mittelstand als Rückgrat, nicht als Randnotiz. GREEN IT verkörpert den unbeirrbaren Glauben an die Zugkraft des Mittelstandes trotz Konjunkturflaute, Bürokratiestau und Digital-Löchern. Im Gespräch mit INFO-MARKT-Herausgeber Dr. Alfried Große stellt sich für Florian Stäwen, Geschäftsführer, CFO und Partner der GREEN IT Das Systemhaus GmbH, die Standortfrage gar nicht. Während

>> Weiter lesen
Kai Scott, Geschäftsführer der Sharp Business Systems Deutschland GmbH

Ganzheitlichen Ansatz für den Arbeitsplatz von morgen

In dynamischen Zeiten, in denen sich technologische, regulatorische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen rasant ändern, stellt sich Unternehmen vor allem eine Frage: Wie kann es gelingen, die Organisationsstrukturen im ohnehin hektischen Arbeitsalltag effektiv und kontinuierlich anzupassen, um mit den Veränderungen Schritt zu halten? Ein starker Technologiepartner auf Augenhöhe, der ein Unternehmen zuverlässig

>> Weiter lesen

Neues ERP-Schwergewicht

Infominds setzt einen strategischen Meilenstein und schärft seine Position im deutschen Markt. Durch den Zusammenschluss mit der JUST.IN Software GmbH & Co. KG entsteht ein ERP-Anbieter, der künftig zu den prägenden Kräften der Printing- und IT-Branche gehören dürfte. Der Schritt schafft die Grundlage für eine gemeinsame Plattformarchitektur, die unmissverständlich auf

>> Weiter lesen
Michael Raberger, CEO der Ricoh Deutschland GmbH

Wider das Krisennarrativ

Trotz Investitionsflaute, Bürokratie-Bremse und gedrückter Stimmung ist der deutsche Markt für Ricoh Deutschland kein schwieriges Fahrwasser – im Gegenteil. Anstatt wie andere über eine vermeintliche Standortschwäche zu klagen, setzt Ricoh auf Zuversicht als Betriebssystem und einen klaren Portfolio-Fokus: Farbsysteme, Standardisierung im AV-Geschäft und Digitalisierungslösungen. Die normative Kraft des Faktischen gibt

>> Weiter lesen

Kontakt