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Online Print Summit 2026

Mehr als nur Druck

Alfried Große_ INFO-MARKT GmbH
Unsere Meinung zu ....

Der Markt des Online Printings ist längst kein digitaler Bauchladen für Flyer, Broschüren und Visitenkarten mehr. Er entwickelt sich mit bemerkenswerter Konsequenz zu einem industriell organisierten, softwaregetriebenen und hochautomatisierten Segment, in dem sich verdichtet, was der gesamten Printbranche bevorsteht. Es geht um Prozesse, Daten, Plattformen, Automatisierung – und um die Frage, wer in dieser neuen Ordnung der Dinge künftig einen Platz in der Wertschöpfungskette ergattert.

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Der Online Print Summit 2026, auf dem sich am 12. und 13. März die Druckindustrie in München ein Stelldichein gab, hat genau das noch einmal mit Nachdruck sichtbar gemacht. Mit neuen Formaten wie C-Level Classrooms und Executive Briefings versteht sich die Veranstaltung nicht mehr bloß als Branchentreff, sondern als Denkfabrik einer Industrie, die sich neu erfindet. Das offizielle Programm selbst inszeniert die Veranstaltung als Ort, an dem sich ablesen lässt, wohin die europäische Online-Print-Industrie steuert.

Der Online Print Summit wird damit zur strategischen Drehscheibe: Hier werden Allianzen mit Online-Printern, Softwarehäusern, Integratoren und Anbietern von Production-Printing-Systemen geschmiedet, um gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, die eine vernetzte, industriell organisierte und zukunftsfähige Produktionslandschaft erst möglich machen.

Dass dort Künstliche Intelligenz, Automatisierung, offene Ökosysteme und skalierbare End-to-End-Prozesse die Debatte dominierten, passt ins Bild. Canon formuliert es in einem Post nach dem Summit bemerkenswert offen: „Unsere Branche steht an einem Wendepunkt. Online Print wächst, und zwar rasant. Mehr Aufträge, kürzere Durchlaufzeiten, steigende Komplexität und ein explosionsartiger Bedarf an Personalisierung verändern die Produktionslandschaft. Was uns besonders beeindruckt hat: die Energie. Der Wille zur echten Transformation. Und der Fokus darauf, Prozesse neu zu denken: smarter, automatisierter, vernetzter.“

Damit ist der Kern des Problems benannt. Denn im Online Printing verschiebt sich die Wertschöpfung weg vom einzelnen Drucksystem hin zum Zusammenspiel von Hardware, Software, Workflow und Plattformlogik. Genau das hat erhebliche Konsequenzen – für die Hersteller, dann aber mit voller Wucht auch für den Fachhandel.

Für die Hersteller ist der Online-Printing-Markt vor allem eines: ein Härtetest für die strategische Neuausrichtung und die Werthaltigkeit des Geschäftsfeldes Produktionsdruck. Der Abschied vom reinen Kistenschieben ist überall zwar eingeläutet und das Bestreben, das Geschäft stärker auf Managed Print Services, Dokumentenworkflow, Software, Services und Prozessberatung auszurichten, überall sichtbar. Aber Online Printing ist der Lackmus-Test, wie weit die Transformation zu mehr automatisiertem Dokumenten- und Workflow-Management tatsächlich trägt.

Denn in diesem Markt reicht es nicht, Hardware mit ein paar Software- und Servicebausteinen zu flankieren. Gefragt sind durchgängige, skalierbare Produktionsumgebungen, in denen Systeme, Datenflüsse, Automatisierung und Workflow sauber ineinandergreifen. Im Kern geht es um das Zusammenspiel aus Produktionsdrucksystemen für den eigentlichen Output, Workflow-Software für Steuerung, Datenprüfung, Ausschießen, Routing und Automatisierung, Web-to-Print- oder Shop-Systemen für Auftragseingang und Konfiguration, MIS/ERP-Anbindung für Kalkulation, Auftragssteuerung und Abrechnung und die Weiterverarbeitung und Logistik, die in den Prozess eingebunden sind. Der Markt verlangt also nicht einfach mehr Technik, sondern mehr Systemfähigkeit. Die Maschine bleibt wichtig, aber sie verliert ihren Status als alleiniger Held der Wertschöpfung.

Im Online Printing geben deshalb nicht die klassischen Bürosysteme den Ton an, sondern vernetzte Production-Printing-Systeme für kurze und mittlere Auflagen, personalisierte Jobs und hochautomatisierte Durchläufe. Zum Einsatz kommen vor allem toner- und inkjetbasierte Cutsheet-Systeme, rollengeführte Inkjet-Anlagen für hohe Volumina sowie je nach Anwendung auch Wide-Format-Systeme für Werbe- und Displayproduktionen.

Entsprechend wird dieses Marktsegment von jenen Herstellern geprägt, die im Production Print über belastbare Lösungen verfügen und Hardware, Workflow und Automatisierung zusammendenken. Dazu zählen insbesondere Canon, HP, Ricoh, Konica Minolta, Xerox, Fujifilm und Kyocera – Hersteller also, die nicht nur Maschinen liefern, sondern Produktionsumgebungen für ein Geschäft, in dem Tempo, Variabilität und Prozesssicherheit über die Wettbewerbsfähigkeit entscheiden. Nur im Online Printing sehen sich die Hersteller aber mit einer weit schärferen Taktung konfrontiert: höhere Automatisierung, kürzere Reaktionszeiten, stärkere Plattformlogik, mehr Personalisierung und ein deutlich größerer Druck zur Prozessintegration.

Noch brisanter ist die Entwicklung für den Fachhandel. Denn der Online-Printing-Markt wirkt wie ein Frühwarnsystem für die gesamte Printvermarktung. Er zeigt, was passiert, wenn Kunden nicht mehr nur Geräte, sondern durchdigitalisierte, schnelle und skalierbare Output-Prozesse erwarten.

Das klassische Fachhandelsmodell lebt vielerorts noch vom Verkauf von Systemen, Verträgen und Service. Im Online Printing gelten jedoch andere Gesetze: Entscheidend sind Automatisierung, Integrationsfähigkeit, Prozessverständnis und Softwarekompetenz. Wer hier bestehen will, muss mehr können, als Hardware und passende Software-Pakete zu platzieren. Gefragt sind Beratung, Workflow-Know-how und die Fähigkeit, Print in digitale Beschaffungs- und Produktionsprozesse einzubetten.

Darin liegen Risiko und Chance zugleich. Online Printing ist sicherlich kein neues Massengeschäft. Aber es zeigt sehr deutlich, wohin sich ein Teil der Wertschöpfung im Print verlagert. Wer das Thema versteht, kann daraus neue Rollen entwickeln als Vermittler von Technologie, als Integrator von Lösungen oder als Partner für digitale Print- und Dokumentenprozesse.

Der wachsende Markt des Online Printings ist ein Fingerzeig, über das traditionelle Vertrags- und Gerätegeschäft hinauszudenken und sich verstärkt mit digitaler Wertschöpfung, Automatisierung und Prozessberatung auseinanderzusetzen und das Thema nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Wer das nicht tut, läuft Gefahr, sich die Butter vom Brot nehmen zu lassen – von einem Markt, der seine Regeln bereits geändert hat.

Dr. Alfried Große, Herausgeber

01.04.2026

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