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König + Neurath

Seismisches Beben

Alfried Große_ INFO-MARKT GmbH
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„Es kam zu einem lawinenartigen Abrutsch bei Neuaufträgen“ – eine Formulierung, die in ihrer Wucht alles sagt über die Verfassung eines Marktes, der längst ins Rutschen geraten ist. Nun also König + Neurath, einer der letzten großen Vollsortimenter mit echter Fertigungstiefe ‚Made in Germany‘ geht in die Sanierung in Eigenverwaltung. Kein Start-up, kein Garagenmöbler – sondern ein Traditionsunternehmen mit hundertjähriger Geschichte, das noch vor wenigen Wochen sein Jubiläum feierte und sich als „Impulsgeber der Arbeitswelt von morgen“ präsentierte.

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Der Auslöser ist kein Betriebsunfall, sondern das Ergebnis eines drastischen Auftragseinbruchs seit Sommer 2025, der nicht nur König + Neurath trifft, sondern symptomatisch ist für eine Branche, deren Fundament wankt. Nach Ceka, das jüngst von .mdd übernommen wurde, folgt nun der nächste Name von Rang. Die Insolvenz von Ceka und die anschließende Übernahme durch .mdd waren bereits ein Menetekel. Dass nun ein weiterer Hersteller mit Gewicht ins Straucheln gerät, bestätigt, wie weit die Erosion fortgeschritten ist.

Die normative Kraft des Faktischen ist unbarmherzig: Der deutsche Büromöbel-Markt, über Jahrzehnte geprägt von Solidität, Innovationskraft und handwerklicher Fertigungstiefe, wird zunehmend von osteuropäischen Wettbewerbern herausgefordert, die mit aggressiven Preisen, flexibler Produktion und deutlich geringeren Kostenstrukturen operieren. Zudem verschieben Unternehmen Projekte und reduzieren Flächen angesichts von Home-Office und ‚Modern Workplaces‘. In einem Markt, der ohnehin zwischen Investitionszurückhaltung, hohen Lagerbeständen und politischer Unsicherheit hin und her gerissen ist, wirkt ein solches Nachfragedefizit wie ein Brandbeschleuniger. Hinzu kommt der enorme Fixkostenblock am Standort Karben – ein Vorteil in stabilen Jahren, ein Mühlstein in Zeiten abrupt schrumpfender Nachfrage. Die Fertigungstiefe, lange als Bollwerk der Differenzierung gefeiert, wird unter deflationärem Preisdruck zum Risikofaktor.

König + Neurath hatte sich lange als Fels in der Brandung positioniert: mit hoher Eigenfertigung, Nachhaltigkeitszertifikaten und Beratungstools wie der Work.Culture.Map. Doch die Fixkosten eines Produktionsstandorts in Karben lassen sich nicht beliebig flexibilisieren, wenn Kunden Projekte auf Eis legen und Ausschreibungen platzen. Der Versuch, mit ‚seKNd.life‘ in den Kreislaufmarkt zu diversifizieren, kam zu spät, um die Lawine zu stoppen.

Was bleibt, ist die Hoffnung, dass die Eigenverwaltung gelingt – nicht als Abwicklung, sondern als Restrukturierung mit Sub­stanz. Denn wenn selbst König + Neurath ins Straucheln gerät, ist das kein Einzelfall mehr, sondern ein unmissverständliches Branchenbeben, das die tektonischen Spannungen der Branche deutlich hörbar macht. Die Frage lautet daher nicht mehr, wer als Nächstes folgt, sondern ob es der Branche gelingt, aus der Schwerkraft der Gegenwart auszubrechen und die nächste Wachstumsphase überhaupt noch selbst zu gestalten. Wer jetzt nicht neue Formen der Wertschöpfung findet, wird bald nur noch Möbel für die Geschichte produzieren.

Dr. Alfried Große, Herausgeber

20.11.2025

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