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GREEN IT Das Systemhaus GmbH

Nachhaltig, nahbar, unbeirrbar

Florian Stäwen, Geschäftsführer, CFO und Partner der GREEN IT Das Systemhaus GmbH
Florian Stäwen, Geschäftsführer, CFO und Partner der GREEN IT Das Systemhaus GmbH:

„Für mich ist der Mittelstand in Deutschland das Rückgrat unserer Wirtschaft. Er sorgt dafür, dass dieses Land wirtschaftlich in Gang gehalten wird.“ (Foto: GREEN IT)

Der Mittelstand als Rückgrat, nicht als Randnotiz. GREEN IT verkörpert den unbeirrbaren Glauben an die Zugkraft des Mittelstandes trotz Konjunkturflaute, Bürokratiestau und Digital-Löchern. Im Gespräch mit INFO-MARKT-Herausgeber Dr. Alfried Große stellt sich für Florian Stäwen, Geschäftsführer, CFO und Partner der GREEN IT Das Systemhaus GmbH, die Standortfrage gar nicht. Während viele Unternehmen zunehmend im Jammermodus gebetsmühlenartig den Strukturwandel beklagen, setzt GREEN IT auf die normative Kraft des Faktischen und baut das Geschäft weiter aus – mit eigenen Ideen, eigenen Werten und eigenem Tempo.
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Große: GREEN IT ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen – und das gegen alle konjunkturellen Widerstände. Trotzdem stellt sich die Frage: Wenn Sie heute entscheiden müssten – würden Sie ein Unternehmen wie GREEN IT hier in Deutschland noch einmal gründen?

Stäwen: Ja, definitiv! Ich bin ein großer Fan des Mittelstands. Ich vertraue weiterhin, trotz aller Krisen, die wir in den letzten Jahren durchlaufen haben und auch weiterhin durchlaufen werden, auf die Innovationskraft sowie auf die Fähigkeiten und Fertigkeiten im Mittelstand. Ich bin davon überzeugt, dass der Mittelstand auch die nächsten Krisen meistern wird.

Wir als mittelständisches IT-Unternehmen fühlen uns in diesem Umfeld sehr wohl. Natürlich geht die wirtschaftliche Realität auch an uns nicht spurlos vorbei. Wir haben Kunden, die vor großen Herausforderungen stehen. Aber insgesamt merken wir einfach, dass gerade die Zugkraft derzeit aus dem Mittelstand kommt. Von daher stellt sich für mich in Bezug auf den Mittelstand die Standortfrage gar nicht.

Tatsächlich finde ich auch, dass – wenn man einmal Richtung Großkonzerne schaut – sich der eine oder andere dort die Dinge etwas zu einfach macht. Während dort aktuell Massenentlassungen stattfinden, habe ich das Gefühl, dass im Mittelstand um jeden einzelnen Arbeitsplatz gekämpft wird. Und das wäre theoretisch, wenn wir in einer ähnlichen Situation wären, bei uns ganz genauso. Zum Glück sind wir momentan nicht in dieser Lage.

Aber wenn wir in einer solchen Situation wären, dann würden wir um jeden Arbeitsplatz kämpfen. Denn für mich ist der Mittelstand in Deutschland – wie eben gesagt – das Rückgrat unserer Wirtschaft. Er sorgt dafür, dass dieses Land wirtschaftlich in Gang gehalten wird.

Dort, wo sich momentan vielleicht zu viel Aufmerksamkeit auf die Großkonzerne konzentriert, sollte man sich meiner Meinung nach wieder stärker auf den Mittelstand besinnen. Dann würde es an vielen anderen Stellen auch etwas besser laufen.

Große: Viele Unternehmen klagen darüber, dass sie durch bürokratische Vorgaben und Formulare ausgebremst werden und dadurch weniger Zeit für Innovationen bleibt. Erleben Sie das auch? Haben Sie in der Praxis mit dieser überbordenden Bürokratie zu kämpfen – und wenn ja, wo genau? Wo lässt sich das festmachen?

Stäwen: Ja, tatsächlich muss man sagen: auf zwei Ebenen. Zum einen auf der finanziellen Seite. Ein Unternehmen, das sich, wie unseres, stark im Wachstum befindet, hat ja einen permanenten Finanzierungsbedarf. Dieses Wachstum muss schließlich finanziert werden. Und da merken wir schon, dass die Beschaffung solcher Finanzierungen – gerade langfristiger – immer schwieriger wird. Sie sind mit immer mehr Auflagen versehen, was dazu führt, dass es zunehmend kompliziert wird, kurzfristig an die Mittel zu kommen, die wir für unser Wachstum benötigen.

Wir müssen inzwischen längere Zyklen einplanen, deutlich vorausschauender planen und frühzeitig sicherstellen, dass die finanziellen Mittel zu dem Zeitpunkt verfügbar sind, an dem wir sie brauchen. Diese Flexibilität ist in Deutschland schlichtweg nicht vorhanden, weil der Bürokratismus an vielen Stellen genau das unterbindet.

Zum anderen spüren wir die Bürokratie im operativen Geschäft. Wir sind ein Unternehmen, das viel mit öffentlichen Auftraggebern zusammenarbeitet, und da merken wir deutlich, dass Ausschreibungen immer komplexer und größer werden. Gleichzeitig fehlt es oft an Handlungsspielräumen. Ein Beispiel: Wenn Sie heute eine Ausschreibung im Printbereich haben, läuft ein Vertrag etwa über fünf Jahre. Danach ist die Hardware – Kopierer, Notebooks oder Monitore – ja keineswegs wertlos, sondern könnte aus ökologischer Sicht in weiteren Filialen oder Projekten weiterverwendet werden.

Aber die rechtlichen Rahmenbedingungen und Regularien zwingen die Auftraggeber dazu, nach Ablauf der Laufzeit wieder komplett neu auszuschreiben. Das ist aus unserer Sicht weder wirtschaftlich noch nachhaltig. Wir wünschen uns, dass der Staat den Verantwortlichen hier mehr Freiräume einräumt – damit sie in der Lage sind, mit Partnern aus der Wirtschaft, ob mit uns oder mit Wettbewerbern, sinnvolle und nachhaltige Verträge zu schließen. Verträge, die nicht nur wirtschaftliche, sondern auch ökologische Interessen berücksichtigen.

Große: Gibt es einen Bereich, bei dem Sie sagen würden: Da müsste beim Bürokratieabbau dringend etwas passieren, gerade für Sie als GREEN IT? Alle reden darüber, aber in der Praxis scheint sich wenig zu ändern.

Stäwen: Absolut. Wir haben gerade ein aktuelles Beispiel: Wir beziehen ein neues Logistikzentrum, schaffen dort Arbeitsplätze und wollen einen Beitrag zur wirtschaftlichen Stärke der Region leisten. Auf der einen Seite investieren wir, auf der anderen Seite werden wir durch formale Hürden ausgebremst.

Es gibt ein Brandschutzkonzept, das erweitert werden muss – und auf diese Genehmigung warten wir mittlerweile seit drei bis vier Monaten. Trotz aller Bemühungen, auch mit Unterstützung der Wirtschaftsförderung, die wir sehr schätzen, bewegt sich nichts. Die zuständigen Stellen kommen einfach nicht dazu, das Konzept zu genehmigen.

Im Moment arbeiten wir quasi ins Blaue hinein, weil wir nicht wissen, ob wir zum geplanten Zeitpunkt überhaupt loslegen können. In dem Moment, in dem wir den Schlüssel umdrehen und das Brandschutzkonzept noch nicht vorliegt, haben wir ein Problem, das wir nicht verantworten können.

Das ist frustrierend – für uns, für die Mitarbeitenden und letztlich auch für die Region. Denn alles wartet darauf, dass wir endlich starten, das Logistikzentrum beziehen, Arbeitsplätze schaffen und Wirtschaftskraft aufbauen können. Unser Wunsch ist daher klar: Die bürokratischen Abläufe müssen deutlich schlanker werden. Unternehmen, die etwas bewegen und Wirtschaftskraft schaffen, sollten unterstützt und nicht durch endlose Verfahren ausgebremst werden. Am Ende wäre das im Interesse aller.

Große: Neben der überbordenden Bürokratie in Deutschland wird ja häufig auch die Digitalisierung als zweiter großer Hemmschuh gesehen. Wie würden Sie die aktuelle Situation beschreiben? Ist die Digitalisierung in Deutschland im Moment eher ein Fortschrittsprojekt oder ein Versuchslabor, in dem man noch experimentiert?

Stäwen: Ich würde das zunächst einmal regional fassen. Ich finde, wir hier in Dortmund haben uns in den letzten Jahren extrem gut entwickelt. Wir haben viele spannende neue Tech-Unternehmen in der Region gewonnen, außerdem die Technische Universität Dortmund, die ein großer Förderer von Automatisierung und Digitalisierung ist.

Es gibt zahlreiche interessante Start-ups, die sich hier ansiedeln – gerade auch im Bereich Künstliche Intelligenz. Das gefällt uns natürlich sehr gut. Wir selbst unterstützen solche jungen Unternehmen, schließlich waren auch wir vor 14 Jahren einmal ein Start-up. Heute helfen wir anderen, ihren Weg in die Wirtschaft zu finden, hier zu bleiben und die Digitalisierung in der Region weiter voranzutreiben. Von daher kann man sagen: Lokal passiert hier sehr viel, und das begrüßen wir ausdrücklich.

Wenn man den Blick allerdings auf ganz Deutschland richtet, dann gibt es immer noch viele dunkle Flecken. Und wenn man es auf die europäische Ebene ausweitet, muss man ehrlich sagen: Wir liegen im Wettbewerb mit anderen Ländern zurück. Da gibt es noch viel zu tun, vor allem im Bereich der Netzabdeckung und der Infrastruktur. Wenn man in anderen europäischen Ländern unterwegs ist, sieht man deutlich, wie weit man dort an manchen Stellen schon ist. Da sind wir in Deutschland leider noch deutlich hinterher.

Große: Woran liegt das Ihrer Meinung nach? Fehlt es am politischen Willen oder am Mut der Entscheider, endlich einmal grundsätzlich etwas zu verändern?

Stäwen: Ich glaube nicht, dass ein Politiker grundsätzlich etwas dagegen hätte, wenn Deutschland ein Vorzeigeland in Sachen Digitalisierung wäre. Von daher würde ich nicht sagen, dass es am politischen Willen fehlt. Ich glaube eher, es mangelt an Mut bei den Entscheidern und gleichzeitig an den infrastrukturellen Voraussetzungen. Wenn man sich etwa die Netzausbreitung in Deutschland anschaut und sieht, was alles notwendig ist, um flächendeckend Glasfaser zu verlegen, dann erkennt man, wie groß der Rückstand ist. Da braucht es schlicht eine Kombination aus beidem: Menschen, die wirklich die Zügel in die Hand nehmen und sagen „Wir setzen das jetzt um“, und den Mut, auch Entscheidungen zu treffen, die vielleicht nicht sofort populär sind. Auf der anderen Seite muss auch ganz praktisch Infrastruktur aufgeholt werden, sprich: Es muss tatsächlich gearbeitet werden. Straßen müssen aufgerissen, Leitungen verlegt, Prozesse beschleunigt werden. Da liegt noch ein großes Stück Arbeit vor uns.

Green IT Zentrale Dortmund
Große: Mit dem Digitalisierungs­tempo verändern sich ja auch viele Berufsbilder rasant. Wenn ich da etwa den Informationselektroniker nenne: Der ist längst kein klassischer „Schrauber“ mehr, sondern eher ein Prozessversteher. Man muss viel komplexer denken. Welche Berufsbilder haben sich bei GREEN IT in den vergangenen Jahren am stärksten verändert – und wie sehen Sie die neuen Rollen im nachhaltigen IT-Umfeld?

Stäwen: Ich habe damals in der Printbranche angefangen – noch als Abiturient. Da gab es keine digitalen Kopien, nur analoge. Unsere Herausforderungen waren ganz anderer Natur: Wie bekomme ich einen 300-Kilo-Kopierer zum Kunden, und wo kann ich ihn aufstellen, ohne dass der Boden nachgibt? Damals wurden mechanische Teile noch von den Technikern ausgebaut, transportiert und wieder eingebaut. Das war sehr handwerklich geprägt.

Heute befinden wir uns in einem vollständig digitalisierten Umfeld. Wir haben den Anspruch, für unsere Kunden 24/7 erreichbar zu sein – und das lässt sich nicht mehr mit einem klassischen Support abbilden. Dafür braucht man KI-Tools, die uns unterstützen. Wir wollen unsere Deployments modernisieren. Dafür setzen wir Tools wie Autopilot oder Smart Deploy ein, um Installationsprozesse deutlich zu beschleunigen.

Gleichzeitig ermöglichen wir unseren Kunden, kleinere Service-Anliegen ganz einfach selbst zu erledigen. In unserer Self-Service-Videoreihe finden sie klare und leicht verständliche Anleitungen, mit denen sie zum Beispiel eine Trommel selbst einbauen können.

Der Techniker vor Ort wird so oft gar nicht mehr benötigt. All das führt natürlich dazu, dass sich das Berufsbild stark verändert hat. Der Techniker ist – wie Sie eben sagten – längst nicht mehr nur der „Schrauber“, der zum Kunden fährt und etwas repariert. Er muss sich mit den neuen Technologien auseinandersetzen, sie verstehen, ihre Einsatzmöglichkeiten kennen und sich damit identifizieren.

Den jüngeren Kolleginnen und Kollegen fällt das meist leicht. Sie sind mit Themen wie ChatGPT und KI groß geworden. Aber wir müssen auch diejenigen mitnehmen, die aus einer anderen Generation stammen, aus der Welt, aus der auch ich komme. Ich musste mich selbst auch daran gewöhnen, dass sich vieles verändert hat. Diese Kolleginnen und Kollegen müssen wir begeistern, ihnen zeigen, dass es heute mehr denn je um Effizienz, Verfügbarkeit und schlanke, digitalisierte Prozesse geht und weniger darum, mit dem Schraubenzieher und dem Werkzeugkoffer loszufahren.

Große: Wie Sie gerade schon gesagt haben: Früher stand das Gerät im Mittelpunkt – heute sind es die Prozesse. Wie gelingt denn der Übergang vom klassischen MFP-Geschäft zu einem nachhaltigen, IT-nahen Print- und Prozessmanagement?

Stäwen: Durch das Verknüpfen von Geschäftsfeldern, genau, wie Sie es sagen. Man darf das System heute nicht mehr isoliert betrachten. Es ist keine reine Hardware mehr, sondern eine Output-Lösung, die über Prozesse gesteuert wird. Das beginnt beim Dokumentenmanagement: Man muss den Kunden schon dort abholen, wo das Papier entsteht, nicht erst dort, wo es ausgegeben wird. Man kann aber auch vorgelagert denken: Wo läuft die DMS-Lösung überhaupt? Auf welchem Server ist sie installiert? Und damit sind wir bereits im IT-Bereich.

Unsere Strategie ist es, die verschiedenen Themen und Herausforderungen eines Kunden miteinander zu verknüpfen – nicht nur als Gesamtprozess, sondern als Gesamttechnologie. Am Ende des Tages soll der Kunde von der Stelle, an der er „Enter“ drückt, bis zu dem Moment, in dem das Papier aus dem Drucker kommt, eine ganzheitliche Lösung von uns erhalten. Dabei binden wir unsere Kolleginnen und Kollegen aktiv ein. Es geht nicht nur um den Techniker, der den Kopierer konfiguriert und installiert, sondern auch um die Person, die die Installation der Microsoft-Software auf den Arbeitsplatzrechnern oder dem Server umsetzt. Beide sollen in den Gesamtprozess involviert sein, gemeinsam mit dem Kunden, der diesen Prozess später in seinem Arbeitsalltag nutzt.

Große: Digitalisierung, Automatisierung und Nachhaltigkeit verändern ja auch die Tätigkeiten der Mitarbeitenden. Wie begleiten Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesem Wandel – und wie verhindern Sie, dass wertvolle Erfahrungen im Strukturwandel verloren gehen?

Stäwen: Für uns ist entscheidend, dass wir unsere Kolleginnen und Kollegen zu Mitgestaltern dieses Wandels machen. Wir verfolgen nicht die Philosophie, dass Veränderungen „von oben“ verordnet werden. Im Gegenteil: Wir motivieren unsere Teams bewusst dazu, eigene Vorschläge einzubringen. Wir fördern Ideenreichtum und Innovationsgeist – und beschäftigen uns grundsätzlich mit jeder Idee, die von unseren Mitarbeitenden kommt, egal ob es sich um einen Verbesserungsvorschlag oder um eine neue Softwarelösung handelt. Wichtig ist uns, dass alle das Gefühl haben, nicht nur Mitfahrer, sondern Fahrer zu sein – also aktiv mitzugestalten.

Gleichzeitig wollen wir die langjährige Erfahrung unserer Kolleginnen und Kollegen bewahren. Es ist nach wie vor wichtig, Menschen im Team zu haben, die eine Hands-on-Mentalität besitzen – also im Zweifel auch noch einmal zum Kunden fahren, „in die Kiste kriechen“ und ein Problem vor Ort lösen können, das vielleicht digital noch gar nicht abgebildet ist.

Deshalb bringen wir erfahrene und jüngere Kolleginnen und Kollegen gezielt zusammen, um den Wissens­transfer zu fördern. Wir wollen nicht, dass alles ausschließlich über digitale Tools läuft. Die Hands-on-Mentalität bleibt ein wichtiger Teil unserer Unternehmenskultur. Unsere Mitarbeitenden sollen nicht verlernen, auch einmal selbst den Schraubenzieher in die Hand zu nehmen.

Große: Kann man überhaupt sagen, welche Fähigkeiten in Zukunft besonders gefragt sind? Technisches Know-how, Prozessdenken, Kundenkommunikation oder Nachhaltigkeitsverständnis? Oder ist die Anforderung heute schon so komplex, dass man eigentlich sagen muss: Eigentlich müssen wir alles können?

Stäwen: Ich würde auch sagen: Eigentlich muss man alles können. Wenn ich aber eine Reihenfolge festlegen müsste, dann stünde für mich die Kundenkommunikation an erster Stelle – das ist nach wie vor das Nonplusultra. Gerade in einer Zeit, in der immer mehr über digitale Tools läuft und der Kunde immer weniger direkt mit einem Menschen im Unternehmen interagiert, ist es umso wichtiger, dass die Kommunikation dann, wenn sie stattfindet, wirklich fließend und bedarfsgerecht ist.

An zweiter Stelle steht für mich das Nachhaltigkeitsverständnis. Wir bei GREEN IT haben uns dieses Thema bewusst auf die Fahne geschrieben – Nachhaltigkeit gehört zu unserem täglichen Handeln. Und wir merken, dass das längst nicht mehr nur unser Wunsch ist, sondern ein konkreter Kundenbedarf geworden ist. Das Thema Nachhaltigkeit ist heute fester Bestandteil vieler Verkaufsgespräche. Kunden fordern aktiv Informationen dazu ein – das war vor einigen Jahren noch nicht der Fall.

An dritter Stelle würde ich das Prozessdenken nennen. Es ist unglaublich wichtig, dass ein Techniker oder Mitarbeiter vor Ort nicht nur isoliert auf eine Maschine schaut, sondern versteht, welchen Beitrag diese Maschine zum gesamten Prozess des Kunden leistet. Dieses Verständnis für Zusammenhänge und Prozesskomplexität halte ich für eine der wichtigsten Fähigkeiten der Zukunft.

Technisches Know-how ist natürlich ebenfalls wichtig – aber man muss ehrlich sagen: In Zeiten von Künstlicher Intelligenz ist vieles davon leichter zugänglich geworden. Früher hieß es: „Das kann man googeln.“ Heute sagt man eher: „Das frage ich ChatGPT.“ Technisches Wissen ist also zunehmend verfügbar und reproduzierbar. Die anderen drei Fähigkeiten – Kundenkommunikation, Nachhaltigkeitsverständnis und Prozessdenken – sind weitaus schwerer zu ersetzen.

Florian Stäwen, Jan Schriewer, Thomas Lesser
Große: Da muss ich gleich eine Frage anschließen, die hier gar nicht im Katalog steht – aber mich interessiert das wirklich. Ich habe kürzlich gelesen, dass TA Triumph-Adler ihre Techniker mit Virtual-Reality-Brillen ausstattet. Damit können sie virtuell in die Maschine hineinschauen, wenn der Kunde etwas freischaltet – der Techniker muss also gar nicht mehr rausfahren. Ist das Zukunftsmusik oder wird das in absehbarer Zeit Realität? Wird der Kunde also künftig einfach nur die Kamera halten, und der Techniker sieht durch die Brille, wo er eingreifen muss?

Stäwen: Tatsächlich beschäftigen wir uns mit solchen Technologien ebenfalls sehr intensiv – nicht, weil wir sie uns bei TA abgeschaut hätten, sondern weil sie grundsätzlich spannend sind. Ich glaube insgesamt, dass die Tendenz, den Kunden stärker einzubeziehen, ganz klar die Zukunft ist – auch wenn „in die Pflicht nehmen“ vielleicht das falsche Wort ist.

Zum Teil ist das auch preisgetrieben: Kunden achten heute sehr darauf, möglichst günstige Servicepreise zu erhalten. Wenn man durch den Einsatz digitaler Lösungen den Weg des Technikers zum Kunden einsparen kann, entsteht auf beiden Seiten ein Vorteil – Kostenersparnis, Schnelligkeit, Flexibilität.

Neben den bereits erwähnten Self-Service-Videos finden wir das Thema mit den VR-Brillen ebenfalls interessant – auch aus anderen Anwendungsfeldern heraus. Allerdings stoßen wir hier schnell auf datenschutzrechtliche Restriktionen. Man braucht für den Einsatz solcher Technologien Genehmigungen, und die müssen individuell eingeholt werden. Nur weil ein Kunde oder ein Mitarbeitender zustimmt, heißt das noch lange nicht, dass der nächste das auch möchte.

Das ist ein sehr komplexes Feld, bei dem man vorsichtig sein sollte. Zudem ist vieles noch unerforscht. Wir befinden uns gewissermaßen gerade in einer Erprobungsphase. Aber grundsätzlich bin ich überzeugt: Der Trend zum Self-Service und zu digitalen Assistenzsystemen wird sich weiter verstärken – das ist definitiv die Richtung, in die wir uns bewegen.

Große: Weil wir gerade über Bürokratieabbau gesprochen haben: Ich empfinde auch die heutigen Datenschutzanforderungen als enorm bremsend. In vielen Bereichen ist das doch völlig überreguliert – man braucht für jeden Handgriff, für jede Kleinigkeit eine neue Freigabe des Kunden. Wenn man sieht, wie andere Länder mit dem Thema umgehen, müsste man hierzulande eigentlich etwas „runterfahren“. Würde eine Lockerung des Datenschutzes Ihnen die Arbeit erleichtern?

Stäwen: Man muss dazu vielleicht einen Satz vorwegschicken: Viele verwechseln Informationssicherheit mit Datenschutz. Das sind zwei verschiedene Dinge. Informationssicherheit – also der Schutz meiner Systeme und meiner Daten – ist aus meiner Sicht etwas, das sogar noch stärker werden muss. Gerade in den letzten Jahren haben wir viele Beispiele gesehen, die zeigen, wie wichtig dieser Schutz ist.

Hier sind die Unternehmen aus meiner Sicht stärker in der Pflicht. Sie sollten verpflichtet sein, sich gegebenenfalls auch zertifizieren zu lassen, um nachweisen zu können, dass sie bestimmte Informations­sicherheitsstandards erfüllen – zum Schutz der Daten ihrer Kunden und Mitarbeitenden. Das hat aber mit dem Datenschutz im engeren Sinn nur teilweise zu tun.

Datenschutz ist der umfassendere, gesetzlich regulierte Rahmenbegriff – und da bin ich bei Ihnen. Wir erleben teilweise auch im privaten Bereich, dass die Vorgaben ins Absurde gesteigert werden. In manchem Bereich wird Datenschutz in Deutschland mit einer geradezu typisch deutschen bürokratischen Verbissenheit betrieben. Wenn man das mit anderen europäischen Ländern vergleicht, sind wir da tatsächlich extrem. Ich bin auch der Meinung, dass man an dieser Stelle etwas lockern könnte – natürlich mit Augenmaß.

Aber diese Abwägung, was man wie weit lockert, wird sicher nicht leicht. Und ehrlich gesagt: Wenn wir es schon nicht schaffen, Straßen aufzureißen und Glasfaser zu verlegen, dann wird die Datenschutzreform vermutlich ein Thema sein, mit dem man sich hierzulande noch Jahrzehnte beschäftigen kann.

Große: Kommen wir noch einmal zurück zu den Kompetenzen, über die wir vorhin gesprochen haben. Wie fördern Sie diese Fähigkeiten bei Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern? Durch Mentoring, durch Verantwortungsübernahme im Projektalltag – nach dem Motto „Mach einfach mal und lerne daraus“ – oder wie gehen Sie da konkret vor?

Stäwen: Wir setzen auf mehreren Ebenen an. An erster Stelle steht die fachliche Unterstützung im Alltag. Erfahrene Kolleginnen und Kollegen unterstützen die weniger erfahrenen – etwa in Form von Buddy-Programmen. So wird praxisnah vermittelt, was im täglichen Geschäft anfällt – ob im technischen Bereich, im Vertrieb oder im Büro. Das ist die einfachste, aber sehr effektive Form der Weitergabe von Wissen.

Darüber hinaus haben wir unseren eigenen GREEN IT Campus, eine digitale Lernplattform, auf der wir inzwischen fast 200 Schulungen anbieten – zu ganz unterschiedlichen Themen. Da sind klassische ERP-Schulungen dabei, Trainings zur Informations­sicherheit, aber auch ganz praktische Angebote wie Knigge-Trainings für Auszubildende.

Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter – vom Lager über den Vertrieb bis zur Geschäftsführung – kann auf dieses System zugreifen, sich intern oder extern Schulungen buchen und das Programm individuell nutzen.

Drittens legen wir großen Wert auf Transferkontrolle und Feedback. Wir sind regelmäßig im Dialog mit unseren Teams und nutzen verschiedene Tools, die auch anonyme Rückmeldungen ermöglichen. So können Mitarbeitende auf Entwicklungs- oder Schulungsbedarf hinweisen oder Verbesserungsvorschläge einbringen. Gleichzeitig hilft es uns, herauszufinden, wo wir weitere Potenziale sehen.

Und schließlich sind wir ISO-zertifiziert. Dadurch haben wir strukturierte Schulungs- und Qualifizierungspläne, vor allem im technischen Bereich. Diese unterliegen festen Prüfzyklen und gewährleisten, dass unsere Mitarbeitenden regelmäßig die Trainings erhalten, die sie brauchen, um auf dem neuesten Stand zu bleiben.

Große: Ihr Unternehmen wächst kontinuierlich, und die Märkte sind teils sehr volatil. Wie schafft es ein Unternehmen wie Ihres, die Geschwindigkeit der digitalen Transformation auszuhalten – und wie gelingt es, den Mitarbeitenden zu vermitteln, dass dieser Wandel auch viele Chancen bietet?

Stäwen: Wir pflegen eine sehr transparente Unternehmenskultur und eine offene Kommunikation. Wir teilen unsere Erfolge ebenso wie unsere Misserfolge. Auch unsere Zahlen legen wir offen – unsere Kolleginnen und Kollegen sollen wissen, wo das Unternehmen steht. Und sie sollen auch erfahren, wenn etwas einmal nicht so gelaufen ist, wie geplant. Das gehört für uns dazu.

Genauso wichtig ist uns, dass Entscheidungen, die im Management getroffen werden, um eine Transformation voranzutreiben, transparent erklärt werden. Die Mitarbeitenden sollen die Möglichkeit haben, diese Entscheidungen zu verstehen, nachzuvollziehen und für sich einzuordnen. Nur so können sie sich mit diesen Entscheidungen identifizieren und sie mittragen.

Gleichzeitig fördern wir eine offene Feedbackkultur. Wer mit einer Entscheidung nicht einverstanden ist oder sie kritisch sieht, darf das auch sagen – selbstverständlich konstruktiv. Wir setzen uns mit dieser Kritik auseinander und suchen den Dialog. Wenn gewünscht, auch direkt mit den betreffenden Kolleginnen und Kollegen.

Unsere Strategie ist also: Wir nehmen die Menschen mit auf die Reise. Wir kommunizieren offen, erklären Hintergründe und Entscheidungen, damit niemand das Gefühl hat, dass über seinen Kopf hinweg entschieden wird. Das schafft Verständnis, Vertrauen – und die Bereitschaft, Veränderungen als Chance zu begreifen, nicht als Bedrohung.

Große: Transparenz und die Möglichkeit, seine Meinung zu äußern, sind das eine. Aber wie verhindern Sie, dass das Ganze ausufert und irgendwann zu einer Art „Debattierclub“ wird, in dem jeder zu allem etwas sagen will – und man am Ende denkt: Wir müssten eigentlich mal wieder Geschäft machen?

Stäwen: Natürlich haben wir dafür bestimmte Rahmenbedingungen. Zum Beispiel führen wir einmal pro Quartal ein sogenanntes Stimmungsbarometer durch. Dabei werden per Zufallsprinzip Mitarbeitende ausgewählt und befragt. In diesem Rahmen können sie ihre Meinung zu aktuellen Vorgängen oder Entwicklungen im Unternehmen äußern.

Am Ende können sie selbst entscheiden, ob ihre Anmerkung anonym bleiben oder ob ihr Name genannt werden darf – also ob sie für ein persönliches Gespräch offen sind oder einfach nur ein Feedback geben möchten. Das sorgt für ehrliche Rückmeldungen, ohne dass es ausufert. Parallel dazu sind auch unsere Teamleiterinnen, Teamleiter, Bereichsleiterinnen und Bereichsleiter gefragt. Sie nehmen solche Stimmungsbilder auf und bewerten, ob eine Diskussion sinnvoll ist, weil sie weiterführt – oder ob sie eher ins Endlose führen würde und besser mit einer klaren Antwort abgeschlossen werden sollte. Wir lehnen Diskussionen grundsätzlich nicht ab – im Gegenteil. Vor kurzem hatten wir ein Beispiel: Es ging um eine Kostenentscheidung des Managements. Wir haben viel Zustimmung bekommen, aber auch einige Gegenvorschläge. Einige Kolleginnen und Kollegen sagten: „Grundsätzlich verstehen wir das, aber was haltet ihr von dieser oder jener anderen Idee?“ – und aus dieser Summe an Vorschlägen haben wir tatsächlich eine neue, bessere Entscheidung ableiten können.

So wurde eine ursprünglich getroffene Entscheidung überdacht, ohne dass es eine Grundsatzdiskussion gab. Am Ende war das eine klassische Win-win-Situation: Die Mitarbeitenden hatten das Gefühl, dass ihr Beitrag etwas bewirkt, und wir als Management haben eine optimierte Lösung gefunden.

Insgesamt erleben wir also keine endlosen Diskussionen, sondern einen konstruktiven Austausch. Und: In den meisten Bereichen gibt es ohnehin informelle Sprecherinnen und Sprecher, die das Stimmungsbild bündeln – etwa in der Technik oder im Vertrieb. Diese binden wir schon frühzeitig in Entscheidungsprozesse ein. Wenn sich ein Thema abzeichnet, informieren wir sie vorab, bitten sie, die Stimmung im Team aufzunehmen, und so entstehen Verständnis und Zustimmung oft schon im Vorfeld – statt nachträglicher Diskussionen.

Green IT Belegschaft
Große: Im Gegensatz zu vielen Firmen, die sich Nachhaltigkeit auf die Fahne schreiben, ist sie bei Ihnen Teil der DNA. Wie prägen diese Werte Ihre tägliche Arbeit – jenseits von Präsentationen oder schön formulierten Leitbildern? Wie sieht das in der Praxis aus?

Stäwen: Für uns ist wichtig: Nachhaltigkeit bedeutet nicht nur ökologische Verantwortung. Wir legen ebenso großen Wert auf den sozialen Aspekt. Soziales Engagement ist für uns nicht bloß eine Spende an den örtlichen Fußballverein – es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen: für unser Umfeld, für unsere Mitarbeitenden und auch für den Umgang mit sensiblen Daten, also den Datenschutz.

Wir versuchen, diese Komponenten – das Soziale wie das Ökologische – im Unternehmen täglich zu leben. Das tun wir, indem wir ein gleichberechtigtes und respektvolles Umfeld schaffen, in dem jede und jeder dieselben Chancen hat, sich zu entwickeln und etwas zu erreichen.

Gleichzeitig übertragen wir dieses soziale Verständnis auch auf unser Geschäft. Das heißt: Wir engagieren uns nicht nur selbst, sondern versuchen auch, unsere Kunden dafür zu sensibilisieren, Verantwortung zu übernehmen – etwa beim sicheren Umgang mit Daten oder beim Schutz der Informationsintegrität.

Die zweite große Säule ist die ökologische Verantwortung – und das ist letztlich auch der Ursprungsgedanke von GREEN IT. Natürlich müssen wir uns in einer Zeit, in der viele über Greenwashing sprechen, an höheren Maßstäben messen lassen. Aber bei uns ist das kein Marketing-Schlagwort. Wir haben erhebliche Investitionen getätigt, zum Beispiel in unsere GREEN IT Cloud driven by windCORES, in die mehrere hunderttausend Euro geflossen sind, um ein nachhaltiges Produkt zu entwickeln und zu vermarkten.

Darüber hinaus unterstützen wir kontinuierlich ökologische Projekte, fördern Umweltinitiativen und versuchen, unseren Kolleginnen und Kollegen einen klaren Wertekompass mitzugeben: Was bedeutet Nachhaltigkeit im Alltag? Wie kann ich verantwortungsvoll mit Ressourcen umgehen? Wie gestalte ich mein Arbeitsumfeld sozial und ökologisch bewusst? Wir möchten, dass unsere Mitarbeitenden diesen Gedanken mittragen, dass sie ihn verstehen und – im besten Fall – selbst weiterentwickeln. Denn Nachhaltigkeit funktioniert nur, wenn sie nicht von oben verordnet wird, sondern von innen heraus gelebt wird – im Unternehmen wie darüber hinaus.

Große: Wie erkennen Sie eigentlich, ob jemand zu Ihrem Unternehmen, also zu dieser Unternehmenskultur, passt – oder nicht?

Stäwen: Grundsätzlich möchten wir einen Ort schaffen, an dem es nicht nur um Arbeit geht. Unsere Kolleginnen und Kollegen sollen sich hier wohlfühlen und gern zur Arbeit kommen. Dafür bieten wir viele Möglichkeiten über den normalen Arbeitsalltag hinaus – von gemeinsamen Aktivitäten bis zu internen Angeboten, die das Miteinander stärken.

Darüber hinaus ist uns wichtig, dass das soziale und ökologische Engagement, das wir leben, auch von unseren Mitarbeitenden mitgetragen wird. Im sozialen Bereich unterstützen wir beispielsweise regelmäßig das Gast-Haus in Dortmund bei der Essensausgabe. Dabei freuen wir uns, wenn nicht nur das Management, sondern auch Kolleginnen und Kollegen aktiv mithelfen.

Im ökologischen Bereich zeigt sich Haltung oft im Kleinen: Trennt jemand seinen Müll? Macht er das Licht aus, wenn er den Raum verlässt? Wie geht er mit Ressourcen um?

Und ja – auch im Großen: Fährt jemand jeden Tag mit 180 über die Autobahn, oder achtet er auf einen ökologisch bewussteren Fahrstil?

Wir sagen ganz offen schon im Bewerbungsgespräch, worauf wir Wert legen. Wer der SUV-fahrende, Zigarette-aus-dem-Fenster-werfende Typ ist, der wird bei uns vermutlich nicht glücklich. Wir schützen unsere Unternehmenskultur sehr bewusst.

Wenn wir merken, dass jemand sich nicht in dieses soziale oder ökologische Gefüge einfügen möchte oder unsere Werte nicht teilt, dann sprechen wir das offen an. Wir versuchen, diese Menschen mitzunehmen, zu überzeugen, ihnen zu zeigen, warum Nachhaltigkeit für uns zentral ist.

Aber wenn wir am Ende feststellen, dass jemand sich damit nicht identifizieren kann oder will, dann sagen wir auch ehrlich: „Das ist vielleicht nicht das richtige Unternehmen für dich.“

Denn wir wollen mit Menschen arbeiten, die unsere Werte teilen – nicht, weil sie müssen, sondern weil sie davon überzeugt sind.

Große: Unternehmenskultur ist das eine, Markenbildung das andere. Wie binden Sie Ihre Teams in die Markenbildung ein? Gibt es Formate, in denen Mitarbeitende sichtbar mitgestalten können?

Stäwen: Wir unterstützen dies sehr aktiv. Es gibt bei uns viele Projekte, die nicht von der Geschäftsführung geleitet werden – und das ist uns wichtig. Wir möchten unsere Kolleginnen und Kollegen gezielt motivieren, eigene Initiativen zu ergreifen und Verantwortung zu übernehmen.

Das zeigt sich in ganz unterschiedlichen Bereichen: Einige sind beispielsweise in Verbänden aktiv, beispielsweise im IT- oder Marketing-Club. Andere engagieren sich im sozialen Umfeld, im Ausbildungsbereich oder in Kooperation mit der Wirtschaftsförderung.

Ein besonders gutes Beispiel ist unser Projekt zur Nachhaltigkeitszertifizierung nach SBTi. Das war komplett von Mitarbeitenden initiiert und umgesetzt – die Geschäftsführung war hier gar nicht beteiligt. Das Team hat sich selbst um die Anforderungen, die Kommunikation und die Durchführung gekümmert – und am Ende das Zertifikat erhalten.

Darauf sind wir natürlich stolz. Denn das zeigt, dass unsere Mitarbeitenden nicht nur verstehen, was GREEN IT nach innen lebt, sondern diesen Anspruch auch nach außen tragen wollen. Sie sagen: „Das, was wir intern vorleben, wollen wir sichtbar machen.“ Und sie setzen das eigenverantwortlich um – auch wenn der Weg dorthin oft anspruchsvoll ist. Genau das verstehen wir unter gelebter Markenbildung.

Große: Sie investieren nach eigenen Angaben massiv in Ausstattung, Flexibilität und Weiterbildung. Welche Maßnahmen hatten bisher den größten Effekt auf Zufriedenheit und Motivation Ihrer Mitarbeitenden?

Stäwen: Ich bin überzeugt, dass unser digitaler GREEN IT Campus einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren ist. Die Möglichkeit, dass jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter – unabhängig von Position oder Standort – eigene Schulungen buchen und sich individuell weiterbilden kann, ist enorm motivierend.

Viele entdecken dort Themen, die über ihren eigentlichen Arbeitsbereich hinausgehen. Dieses selbstbestimmte Lernen sorgt für Offenheit, Neugier und Weiterentwicklung. Gleichzeitig fordern wir die Nutzung aktiv ein: Wir warten nicht darauf, dass sich jemand anmeldet, sondern motivieren gezielt zur Teilnahme. Schulungen sind Bestandteil unserer Jahresgespräche und fließen teilweise sogar in Bonusvereinbarungen ein.

Wir sind überzeugt, dass die Qualifikation unserer Kolleginnen und Kollegen der entscheidende Wettbewerbsfaktor ist – weit mehr als Produktpreise oder einzelne Leistungen. Produkte kann man kopieren, aber Kompetenz, Haltung und Wissen sind nicht substituierbar.

Darüber hinaus haben wir stark in unsere Gebäudeinfrastruktur investiert, um einen Ort zu schaffen, an dem man sich wohlfühlt. Es gibt eigene Aufenthaltsbereiche, eine schöne Dachterrasse zum gemeinsamen Grillen am Abend, und zahlreiche Freizeitangebote: eine Fahrradgruppe, ein Drachenbootteam, eine Padel-Tennis-Gruppe – alles von uns unterstützt.

Wir fördern außerdem Modelle wie „Workation“, bei denen Mitarbeitende Arbeit und private Urlaubszeit kombinieren können. Für unsere Auszubildenden haben wir das Erasmus-Programm gestartet, damit sie Teile ihrer Ausbildung auch im Ausland absolvieren können.

Und schließlich setzen wir stark auf Flexibilität – insbesondere, um verschiedenen Lebenssituationen gerecht zu werden. Eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern kann ihre Arbeitszeiten frei gestalten – etwa vormittags von acht bis zwölf und abends noch einmal eine Stunde. So ermöglichen wir, dass Beruf und Privatleben in Einklang stehen.

Diese Flexibilität, kombiniert mit Weiterbildung und Eigenverantwortung, schafft Zufriedenheit – und sie stärkt das Zugehörigkeitsgefühl. Ich glaube, genau das motiviert unsere Kolleginnen und Kollegen am meisten.

Große: Messen Sie Zufriedenheit und Motivation Ihrer Mitarbeitenden?

Stäwen: Ja, auf jeden Fall. Wir haben dafür verschiedene Formate. Das Wichtigste ist unser Stimmungsbarometer, mit dem wir regelmäßig Kolleginnen und Kollegen zu ihrer Zufriedenheit befragen – in vielerlei Hinsicht: Wie zufrieden sind sie mit ihrer Arbeit, mit der Unternehmens­entwicklung, mit der Geschäftsführung? Auch wir als Management stellen uns dort bewusst der Bewertung und bekommen Noten, an denen wir uns orientieren können. So schaffen wir eine Plattform, auf der Mitarbeitende offen Rückmeldung geben können.

Darüber hinaus bieten wir ein permanentes Gesprächsangebot. In unserem HR-Team ist immer jemand ansprechbar, und es gibt einen eigenen Raum, in den Mitarbeitende jederzeit gehen können – völlig vertraulich, ohne dass jemand, auch nicht die Geschäftsführung, Einblick hat. Dort können sie sagen, was sie bewegt – positiv wie negativ.

Ein weiteres Instrument ist unser Karrierecoaching. Wenn jemand grundsätzlich zufrieden ist, sich aber in seiner aktuellen Position nicht mehr wohlfühlt, kann er dieses Coaching in Anspruch nehmen. Dafür haben wir drei Kolleginnen speziell ausgebildet. Sie setzen sich mit den Mitarbeitenden zusammen, sprechen über die aktuelle Situation und erarbeiten gemeinsam, wo Potenziale liegen und welche anderen Einsatzmöglichkeiten im Unternehmen passen könnten. So stellen wir sicher, dass niemand innerlich kündigt, sondern neue Perspektiven findet – innerhalb des Unternehmens.

Große: Nachhaltigkeit ist ja auch ein Führungsversprechen. Wie gelingt Ihnen der Spagat zwischen ökonomischem Druck und ökologischer Verantwortung?

Stäwen: Ehrlich gesagt, ich habe gar nicht das Gefühl, dass wir diesen Spagat leisten müssen. Zumindest nicht bei uns im Unternehmen. Unsere Kolleginnen und Kollegen haben ein sehr ausgeprägtes Bewusstsein für Ressourcenschonung – ökologisch wie ökonomisch. Sie leben das von sich aus und stehen hinter unserer Vision.

Wir bekommen viel Zuspruch, gerade wenn es um Maßnahmen geht, die andere vielleicht kritisch sehen würden. Zum Beispiel, als wir im Fuhrpark über ein internes Tempolimit von 120 km/h gesprochen haben. Da kam kaum Widerspruch – die meisten fanden die Idee gut. Viele sagten: „Man kann ohnehin kaum schneller fahren, spart Sprit und schont die Umwelt.“ Das zeigt: Die Menschen, die sich bewusst für GREEN IT entschieden haben, identifizieren sich mit unseren Werten.

Es gibt sogar einen Nachhaltigkeitskreis, in dem sich Kolleginnen und Kollegen unabhängig von der Geschäftsführung treffen und überlegen, was wir noch tun können – etwa, um CO₂-Emissionen weiter zu senken oder Ressourcen effizienter zu nutzen. Außerdem veranstalten wir regelmäßig unsere CleanUp Days, bei denen Mitarbeitende gemeinsam Müll im Wald aufsammeln. Diese Aktionen sind sehr gefragt – und das wäre sicher nicht so, wenn sich die Menschen nicht mit dem Thema identifizieren würden. Auch im Business-Kontext stellt sich die Frage nach dem Spagat kaum noch. Wenn ich an 2013 denke – an die „Geiz ist geil“-Zeiten bei Saturn und Media Markt – da war kaum jemand bereit, für ein nachhaltigeres, ökologisches Produkt auch nur fünf Euro mehr zu zahlen. Heute hat sich das radikal verändert.

Inzwischen ist Nachhaltigkeit in mindestens jedem dritten, wenn nicht jedem zweiten Verkaufsgespräch ein Thema. Kunden wollen wissen: Wie nachhaltig ist das Produkt? Wo wird es gefertigt? Unter welchen Bedingungen? Wie hoch ist der Energieverbrauch?

Das alles spielt uns in die Karten, weil wir uns schon seit 14 Jahren mit genau diesen Fragen beschäftigen. Heute, wo das Bewusstsein auf Kundenseite da ist, trägt unsere frühzeitige Ausrichtung Früchte. Wir erleben große Zustimmung – intern wie extern – und sehen, dass unsere Vision von damals heute genau den Nerv der Zeit trifft.

Green IT
Große: Es gibt ja viele Hersteller, die sich Nachhaltigkeit groß auf die Fahne schreiben und damit werben, dass ihre MFPs länger im Einsatz bleiben – also nachhaltiger sind. Auf der anderen Seite bedeutet das ja: Je länger die Geräte stehen, desto weniger wird verkauft. Wann wird Nachhaltigkeit also zum wirtschaftlichen Nachteil? Spielt das bei Ihnen eine Rolle?

Stäwen: Nein, eigentlich nicht. Wir sind grundsätzlich herstellerunabhängig und entscheiden selbst, mit welchen Partnern wir zusammenarbeiten. Natürlich habe ich Verständnis für die Sichtweise der Hersteller – deren Geschäftsmodell ist es nun einmal, Kopierer, Laptops oder Monitore zu verkaufen. Sie leben von Hardware. Das ist nachvollziehbar.

Für uns spielt das jedoch keine Rolle, weil wir im Sinne des Kunden und im Sinne der Ökologie handeln. Wenn es sinnvoll ist, dass ein Kopiergerät nach fünf Jahren noch drei weitere Jahre im Einsatz bleibt, dann bleibt es eben stehen. Das spart dem Kunden Geld – also ökonomische Ressourcen – und gleichzeitig ökologische Ressourcen, weil kein neues Gerät produziert werden muss.

Wir lassen uns da auch nicht von Herstellern beeinflussen, ganz im Gegenteil: Wir prüfen ihre Angaben sehr kritisch. Unsere Controlling-Abteilung analysiert regelmäßig, ob die ökologischen Effizienzwerte, die die Hersteller kommunizieren, tatsächlich stimmen. Wenn wir sagen: „Lieber Kunde, setz auf Produkt A, das ist besonders nachhaltig“, dann wollen wir sicher sein, dass das auch stimmt.

Wenn sich nach zwei, drei Jahren herausstellt, dass ein Gerät doch deutlich mehr Tinte oder Toner verbraucht als angegeben, prüfen wir das – und ziehen Konsequenzen. Wir haben tatsächlich schon Produkte aus dem Portfolio genommen, weil wir nicht mehr von ihrer ökologischen Effizienz überzeugt waren. Wir wollen nicht in die Greenwashing-Falle tappen. Wenn ein Produkt sich beim Kunden als weniger nachhaltig herausstellt, als versprochen, können und wollen wir das nicht vertreten.

Große: Sie haben ja sicher – wie viele andere auch – mit dem Fachkräftemangel zu tun. Wenn Sie neue Mitarbeitende suchen: Was ist Ihnen wichtiger – Haltung oder ein perfekter Lebenslauf?

Stäwen: Grundsätzlich ist das Thema Fachkräftemangel bei uns nicht mehr so dramatisch wie noch vor einigen Jahren. Wir merken, dass sich die Situation etwas entspannt hat.

Zum ersten Mal seit Langem bekommen wir wieder Bewerbungen für IT-Support, IT-Consulting und andere stark nachgefragte Bereiche, die früher sehr schwer zu besetzen waren. Auch in kaufmännischen Bereichen wie Buchhaltung oder Verwaltung ist die Resonanz wieder deutlich gestiegen.

Eng bleibt es hingegen im Vertrieb – also bei den Kolleginnen und Kollegen, die raus zum Kunden fahren – und in der Print-Technik, wo wir nach wie vor spüren, dass der Beruf oft missverstanden und dadurch für junge Menschen weniger attraktiv ist.

Für uns ist ganz klar: Haltung ist wichtiger als der Lebenslauf. Natürlich sehen wir uns die Unterlagen an – das ist ja der erste Eindruck. Aber wenn jemand im Gespräch überzeugt, authentisch auftritt, Respekt und Verantwortungsbewusstsein zeigt, dann ist uns das wichtiger als perfekte Noten. Wenn jemand eine Lücke im Lebenslauf hat oder mal eine schlechte Schulnote, aber spürbar mit Engagement und Haltung bei der Sache ist, dann ist das der entscheidende Punkt. Ich würde in so einem Fall immer die Haltung über den Lebenslauf stellen.

Große: Gibt es bestimmte Eigenschaften oder Werte, die für Sie wichtiger sind als das beste Zeugnis?

Stäwen: Ja, absolut. Das fängt für mich mit Zuverlässigkeit an. Wenn ich mit jemandem einen Termin vereinbare, dann erwarte ich, dass er kommt – und zwar pünktlich. Das ist der erste Gradmesser. Dann ist mir Kommunikationsfähigkeit sehr wichtig: Wie tritt jemand auf? Wie ist seine Körpersprache? Wie interessiert ist er? Hat er sich auf das Gespräch vorbereitet, weiß er, mit wem er spricht, und zeigt er echtes Interesse am Unternehmen?

Wenn ich spüre, dass jemand das ernst nimmt und sich eingehend mit uns beschäftigt hat, kann das jede schlechte Note ausgleichen. Außerdem finde ich Empathie entscheidend – also die Fähigkeit, auf Menschen zuzugehen. Eine freundliche Geste, ein Lächeln, eine offene Haltung – das sind alles Dinge, die einen guten Eindruck hinterlassen. Und zuletzt: Echtes Interesse an der Aufgabe. Wer sich bewirbt, trifft ja eine Lebensentscheidung. Da sollte man sich schon mit der Stelle auseinandersetzen, verstehen, worum es geht, und auch eigene Fragen stellen. Das zeigt Motivation – und das ist oft wichtiger als ein perfekter Lebenslauf.

Große: Gibt es bei Ihren Bewerbungsgesprächen bestimmte Verfahren, um diese Haltung zu prüfen? Oder ergibt sich das einfach im Gespräch?

Stäwen: Das hängt ein bisschen von der Position ab. Im Management­bereich arbeiten wir mit Assessment-Centern, um bestimmte Kompetenzen objektiv zu prüfen. In den meisten anderen Bereichen ist es aber tatsächlich Erfahrung und Menschenkenntnis. Wenn man das jahrelang macht, entwickelt man ein gutes Gespür dafür, wie jemand tickt, ob er passt oder nicht. Natürlich unterstützt uns unser HR-Team – sie übernehmen die Vorauswahl, haben Vergleichswerte und nutzen teilweise auch digitale Tools, um etwa Auffälligkeiten zu erkennen. Manchmal gibt es auch gefälschte Lebensläufe oder geschönte Angaben – das prüfen wir schon sehr genau. Aber im Kern geht es um Erfahrung: zu erkennen, ob jemand wirklich Interesse an dem Job hat, ob er Begeisterung mitbringt – oder ob er sich nur bewirbt, um irgendwo ein besseres Gehalt auszuhandeln. Dieses Bauchgefühl täuscht selten.

Große: Wie gelingt es Ihnen, vor diesem Hintergrund Menschen für Vertrieb und Technik zu begeistern?

Stäwen: Wir investieren stark in Quereinsteiger-Programme. Wir geben Menschen, die ein technisches Grundverständnis haben, aber nicht direkt aus der Branche kommen, die Möglichkeit, bei uns in die Technik einzusteigen. Diese Mitarbeitenden bekommen intensive Schulungen, sowohl intern als auch durch unsere Herstellerpartner, und werden gezielt auf ihren neuen Aufgabenbereich vorbereitet. So ermöglichen wir ihnen, aus einem Berufsfeld, das vielleicht keine Perspektive mehr bietet, in ein zukunftsfähiges Umfeld zu wechseln. Und genau das motiviert viele. Im Vertrieb läuft es ähnlich. Auch dort bieten wir Trainings und Bootcamps für Quereinsteiger an, in denen sie lernen, wie Vertrieb im IT-Umfeld funktioniert, was die Produkte leisten und wie man sie erfolgreich präsentiert. Wir geben ihnen Zeit, sich zu entwickeln – wir erwarten keine Erfolge nach einem Monat. Uns ist bewusst, dass man hier investieren muss, in Zeit und Geld. Manchmal dauert es ein Jahr, bis jemand voll einsatzfähig ist. Aber diese Geduld zahlt sich aus.

Allein im letzten Jahr haben wir rund 500.000 Euro in Trainingsprogramme investiert, um junge Vertriebstalente zu fördern. Natürlich funktioniert das nicht bei allen – von zehn bleiben vielleicht vier langfristig – aber das ist normal. Wer in Menschen investiert, muss auch mit Streuverlust rechnen. Darüber hinaus arbeiten wir stark an unserer Arbeitgebermarke. Wir sind auf Schulen, Ausbildungsmessen und Jobbörsen präsent, gehen frühzeitig auf junge Menschen zu und zeigen, was wir bieten.

Denn bei uns bekommt man nicht nur einen Job, sondern ein Gesamtpaket: flexible Arbeitszeiten, vermögenswirksame Leistungen, betriebliche Altersvorsorge, Workation-Angebote, die Möglichkeit, Hund oder Kind mitzubringen, und vieles mehr. Dieses Portfolio unterscheidet uns deutlich von anderen.

Als Beispiel: Zum 1. August haben wir 24 Auszubildende eingestellt – im Vergleich zu anderen Unternehmen unserer Größe in der Region, die es meist auf 12 bis 15 bringen. Darauf bin ich ehrlich gesagt stolz, denn das ist das Ergebnis harter Arbeit. Unsere Kolleginnen und Kollegen in der Nachwuchsgewinnung sind mit vollem Einsatz unterwegs – sie gehen dorthin, wo junge Menschen sind, sprechen sie an, begeistern sie für unser Unternehmen und zeigen ihnen, dass GREEN IT mehr bietet als nur einen Arbeitsplatz – nämlich eine Perspektive.

Green IT Logistik
Große: Warum entscheiden sich Bewerberinnen und Bewerber für GREEN IT?

Stäwen: Ich glaube, das hat viele Gründe. Zunächst einmal liegt es an unserer persönlichen Ansprache schon im Vorfeld. Wir gewinnen die Menschen nicht über anonyme Online-Portale oder digitale Tools, sondern suchen den direkten Kontakt – dort, wo sie sind: in Schulen, Universitäten oder auf Karrieremessen. Wir geben ihnen die Möglichkeit, uns kennenzulernen, unser Unternehmen zu erleben, einen Eindruck von der Atmosphäre zu bekommen. Das schafft Vertrauen.

Ich glaube aber auch, dass wir als mittelständisches IT-Systemhaus in der Region einfach eine starke Perspektive bieten. Bei uns kann man sich entfalten, weiterentwickeln und auch in Bereiche hineinwachsen, die man heute vielleicht noch gar nicht auf dem Schirm hat.

Wir sind ein Unternehmen, das stark wächst. Viele Positionen und Technologien entstehen gerade erst, vieles ist noch „in den Kinderschuhen“ und kann aktiv mitgestaltet werden. Das ist für junge Leute besonders spannend – aber auch für erfahrene Kolleginnen und Kollegen, die vielleicht Lust auf Veränderung haben.

Ein gutes Beispiel ist unser internes Umschulungsprogramm: Ein Print-Techniker kann sich bei uns innerhalb eines Jahres – bei voller Bezahlung – zum IT-Support-Mitarbeiter weiterbilden. Solche Programme schaffen Perspektiven und sind gerade für langjährige Mitarbeitende wertvoll, die sich beruflich noch einmal neu orientieren möchten.

Große: Nun investieren Sie als GREEN IT sehr viel in Wachstum, in neue Technologien, in Standorte. Wie leicht ist es in Deutschland, überhaupt noch zu investieren? Ich meine: hohe Zinsen, Fachkräfte­mangel, unzählige Vorgaben – macht das überhaupt noch Spaß?

Stäwen: Das ist in der Tat ein Thema. Wir würden gerne noch viel mehr investieren, gerade im Bereich Software und Digitalisierung. Wir haben inzwischen ein eigenes Projektmanagement-Team mit sechs Kolleginnen und Kollegen, die sich ausschließlich um interne Projekte kümmern. Momentan laufen dort rund 75 Projekte parallel. Wir würden gern schneller vorankommen und stärker investieren, aber sobald es um größere Summen geht – also Projekte im siebenstelligen Bereich – stoßen wir an Grenzen. Die entsprechenden Förderprogramme sind entweder extrem kompliziert, unattraktiv oder schlicht nicht passend. Das macht es sehr schwer. Und selbst wenn man ein geeignetes Programm findet, ist die bürokratische Hürde enorm. Bis alle Unterlagen vollständig sind und das Geld tatsächlich auf dem Konto ist, vergeht viel Zeit.

Wir gehen diesen Weg trotzdem, weil wir auf langfristige Fördermittel angewiesen sind, um unser Wachstum zu finanzieren. Aber, wie ich eingangs schon sagte: Wir müssen mittlerweile mit deutlich längeren Zyklen planen, bis wir tatsächlich investieren und loslegen können.

Große: Wenn ich das richtig verstehe, wünschen Sie sich mehr Unterstützung des Staates und weniger Reglementierung?

Stäwen: Genau. Wobei ich gar nicht nur den Staat meine. Oft sind es auch nachgelagerte Behörden wie die BaFin, die natürlich staatlich organisiert sind, aber mitentscheiden. Ich finde einfach: Man sollte dort lockern, wo das Geld gebraucht wird, um Wachstum zu ermöglichen. Wenn wir in moderne Software-Tools investieren, dann tun wir das ja nicht zum Selbstzweck – wir investieren, um effizienter und ertragsstärker zu werden. Das wiederum stärkt am Ende auch die Wirtschaftskraft dieses Landes. Ich sage nicht, dass man alle Vorgaben abschaffen soll – im Gegenteil. Es ist gut, dass manche Regeln bestehen. Aber man sollte Prioritäten setzen: Dort, wo Unternehmen aktiv zur wirtschaftlichen Entwicklung beitragen, sollte man Verfahren vereinfachen und Investitionen erleichtern. Wenn man will, dass die Wirtschaft in Deutschland wieder stärker wächst, dann müssen Unternehmen, die dazu beitragen wollen, auch schneller Zugang zu den nötigen Mitteln bekommen.

Große: Wenn Sie in neue Standorte investieren – welche Faktoren sind für Sie ausschlaggebend? Sind es die Steuern, die Fachkräfte, die Energieversorgung oder die Lebensqualität?

Stäwen: Ganz klar: die Fachkräfte. Wir haben den Anspruch, an allen unseren Standorten in Deutschland möglichst mit eigenen Kolleginnen und Kollegen zu arbeiten. Deshalb investieren wir in neue Regionen, um dort Teams aufzubauen, die unsere Kundinnen und Kunden vor Ort betreuen. Fachkräfte sind also der wichtigste Faktor. Daneben spielt aber auch die Lebensqualität eine große Rolle. Wir achten darauf, dass die Standorte attraktiv sind – sowohl für bestehende Mitarbeitende als auch für neue Talente. Wir wollen ein Arbeitgeber sein, bei dem man sich wohlfühlt – so wie hier in Dortmund. Themen wie Energieversorgung oder Steuern sind für uns eher nachgelagert. Wenn es nur um Gewerbesteuern ginge, könnten wir sicher Standorte finden, an denen GREEN IT besser fahren würde als in Dortmund – die Steuerlast ist hier relativ hoch. Aber wir sind Lokalpatrioten. Wir zahlen unsere Steuern gern hier, wenn sie unserer Region zugutekommen. Das ist für uns ein Stück unternehmerische Verantwortung.

Große: Wenn Sie der Bundesregierung drei Maßnahmen zur Stärkung des IT-Standorts Deutschland ins Buch diktieren dürften – welche wären das?

Stäwen: Erstens: Förderung des Netzausbaus – das ist absolut entscheidend.

Zweitens: Förderung des Fachkräftezuwachses, sowohl im Inland als auch durch qualifizierte Zuwanderung aus dem Ausland. Da sehe ich riesiges Potenzial, gerade im IT-Bereich.

Und drittens: eine gezielte Förderung von Innovation und KI-Start-ups. Deutschland ist in diesem Feld noch viel zu zögerlich. Wir müssten deutlich mehr tun, um Innovationen zu unterstützen, statt sie durch Bürokratie auszubremsen.

Große: In einem Umfeld steigender Energie-, Infrastruktur- und Personalkosten – wie gelingt es Ihnen, nicht nur zu wachsen, sondern vor allem profitabel zu wachsen?

Stäwen: Das ist in der Tat die zentrale Herausforderung. Wir befinden uns derzeit in einer Transformation unseres Geschäftsmodells. Wir wollen nicht mehr ausschließlich als Handels­unternehmen auftreten, sondern uns stärker als Service Provider positionieren.

Das heißt: Wir entwickeln gezielt Serviceprodukte – etwa im Bereich Office IT, Managed Print Services (MPS) oder Unified Communications, wo wir Managed Services implementieren.

Wir bewegen uns also zunehmend vom Produktverkauf hin zur Dienstleistung. Zwar macht das Handelsgeschäft nach wie vor rund 60 Prozent unseres Umsatzes aus – das wird auch so bleiben. Aber die höheren Margen liegen klar im Servicebereich. Dort generieren wir nachhaltige Erträge und sichern so die Profitabilität.

Große: Unterscheidet sich Ihre Kostenstruktur von der eines klassischen Systemhauses?

Stäwen: Nein, grundsätzlich nicht. Ich bin im Bereich anorganisches Wachstum sehr aktiv und kenne daher viele Zahlen anderer Systemhäuser – unsere Kostenstruktur ist vergleichbar. Was das Gehaltsniveau betrifft, liegen wir vermutlich sogar über dem Branchendurchschnitt. Wir zahlen überdurchschnittlich gut, weil wir Qualität wollen.

Unsere Ertragslage unterscheidet sich jedoch, weil wir unsere Leistungen konsequent als wertschöpfend betrachten und auch zu marktüblichen Preisen abrechnen. Manche Systemhäuser sind da zu zurückhaltend – sie kalkulieren zu niedrig und gefährden damit langfristig ihre Ertragskraft. Wir sagen offen: Gute Arbeit hat ihren Preis. Und das zahlt sich aus – für uns wie für unsere Kunden.

Große: Über den Fachkräftemangel haben wir ja schon gesprochen. In einigen Bereichen, sagten Sie, sei das Thema weniger akut. Aber grundsätzlich ist es ja ein gesamtdeutsches Problem. Viele sagen, Zuwanderung könne helfen, den Mangel zu beheben. Ist das für Sie eine realistische Option – oder scheitert das in der Praxis?

Stäwen: Grundsätzlich bin ich der Meinung: Das kann funktionieren. Aber aktuell gibt es große Hürden – auf beiden Seiten. Wir als Unternehmen haben Schwierigkeiten, Zugang zu geeigneten Bewerberinnen und Bewerbern zu bekommen. Und diese wiederum haben Schwierigkeiten, überhaupt zu uns zu finden. Wir haben uns mehrfach engagiert, etwa 2022 im Zuge des Ukraine-Krieges oder auch bei der Integration syrischer Geflüchteter. Wir wollten aktiv helfen, haben uns in Programmen engagiert – aber das Ergebnis war ernüchternd. Ich glaube, wir konnten in all der Zeit nur ein Bewerbungsgespräch führen, das dann tatsächlich auch zu einer Einstellung geführt hat. Der Zugang ist also extrem schwierig. Und wenn man ihn einmal hergestellt hat, folgt die nächste Herausforderung: Integration.

Wir sind bereit, viel dafür zu tun. Wir bieten Sprachkurse an – sowohl Deutsch- als auch Englischtrainings – und unterstützen, wo wir können. Wenn jemand aus dem Ausland zu uns kommt, helfen wir sogar bei der Wohnungssuche. Wir haben Kontakte, die das ermöglichen, und wir versuchen, neue Kolleginnen und Kollegen auch sozial zu integrieren. Aber die Wahrheit ist: Wir kommen einfach nicht an die Menschen heran. Die bürokratischen und organisatorischen Hürden sind zu hoch. Der Zugang ist zu schwer. Und deshalb müssen wir ehrlich sagen: Bis auf diese eine erfolgreiche Einstellung waren unsere Bemühungen bislang nicht wirklich ergebnisreich.

Große: Sie haben sich ja auf die Fahne geschrieben, das grüne Systemhaus in einer Branche zu sein, in der bislang vor allem Hardware verkauft wurde. Was unterscheidet Sie heute substanziell von einem klassischen IT-Dienstleister?

Stäwen: Zunächst einmal die Investitionen, die wir in nachhaltige Produkte getätigt haben. Wir haben uns vor einigen Jahren bewusst entschieden, nicht mehr ausschließlich auf die Hardwareschiene zu setzen – also darauf zu vertrauen, dass Geräte mit der Zeit von selbst immer effizienter werden. Stattdessen haben wir begonnen, eigene Produkte zu entwickeln, und in den vergangenen Jahren einen hohen siebenstelligen Betrag investiert. Ein Beispiel ist unsere bereits genannte GREEN IT Cloud driven by windCORES, also unsere eigene nachhaltige Rechenzentrumslösung in einem Windrad. Damit bieten wir Unternehmen die Möglichkeit, ihre IT-Infrastruktur in einer umweltfreundlichen Umgebung zu betreiben.

Aber auch in anderen Bereichen haben wir Produkte entwickelt, bei denen Nachhaltigkeit im Mittelpunkt steht – um uns in dieser Hinsicht klar vom Wettbewerb abzugrenzen. Darüber hinaus legen wir großen Wert darauf, die Lebensdauer von Hardware zu verlängern. Wir möchten, dass ein Kopierer nicht nach fünf Jahren ausgetauscht wird oder ein Notebook nach zwei oder drei Jahren, sondern dass Geräte so lange wie möglich genutzt werden. Wir unterstützen unsere Kunden aktiv dabei, diese Geräte weiter zu verwenden – und geben ihnen die Sicherheit, dass sie auch nach Jahren noch Service und Support dafür erhalten.

Ein weiterer Punkt ist die Auswahl unserer Partner. Wir achten sehr genau darauf, ob ihre Produkte und Strategien zu unserem Nachhaltigkeitsgedanken passen. Wir prüfen unabhängig, ob die zugesagten Energieeffizienzwerte tatsächlich eingehalten werden – und wenn nicht, ziehen wir Konsequenzen.

Das bedeutet im Zweifel auch, dass wir wie bereits erwähnt ein Produkt aus dem Sortiment nehmen, wenn es unseren Ansprüchen nicht mehr genügt. Das trauen sich nicht viele, aber für uns ist das selbstverständlich. Wenn ein Hersteller eine bestimmte Energieeffizienz zusagt, wir diese jedoch in der Praxis – also im realen Nutzungsverhalten beim Kunden – nicht bestätigen können, dann sagen wir klar: „Tut uns leid, dieses Produkt passt nicht mehr zu uns.“

Und dann eliminieren wir es aus der Produktpalette – auch wenn das für den Hersteller vielleicht unangenehm ist.

Green IT
Große: Und wie reagieren die Hersteller, wenn Sie ihnen das so direkt sagen?

Stäwen: Grundsätzlich zunächst positiv. Meistens schicken sie dann ihre eigenen Techniker, um den Befund zu überprüfen oder zu widerlegen. Aber am Ende des Tages lässt sich das eben nicht schönreden: Unsere Expertinnen und Experten wissen, was sie tun. Wenn die Messwerte nicht stimmen und der Energieverbrauch in der Praxis höher ist als angegeben, dann ist das Fakt – egal, was die Labordaten sagen. Wenn ein Produkt nicht mehr zu unserem Nachhaltigkeitsanspruch passt, nehmen wir es aus dem Sortiment. Punkt.

Große: Das dürfte bei einigen Herstellern durchaus für Gesprächsstoff sorgen – und, sagen wir, etwas an der Glaubwürdigkeit kratzen, wenn man so deutlich widerlegt wird. Aber gut, Sie kennen die Branche – das gehört wohl dazu.

Stäwen: Absolut. Am Ende des Tages ist das unsere unternehmerische Entscheidung.

Und ich glaube nicht, dass das langfristig große Konsequenzen hat. Wenn wir uns entscheiden, ein Produkt vom Markt zu nehmen, dann tun wir das aus Überzeugung – nicht aus Trotz. Und das verstehen am Ende auch die meisten Partner.

Große: Ihr Angebot ist ja sehr breit gefächert – von Managed Print Services bis zu Cloud Security. Was glauben Sie, welcher Bereich wird 2025 den größten Umsatz­anteil ausmachen? Und vielleicht ergänzend gefragt: Gibt es Bereiche, bei denen Sie sagen, die werden wir künftig etwas zurückfahren – weil sie sich als weniger profitabel oder nachhaltig erwiesen haben?

Stäwen: Zurückfahren werden wir gar nichts. Wir sind in vier Geschäftsbereichen aktiv – und mit allen sehr zufrieden, sowohl was die Entwicklung als auch was die Ergebnisse betrifft. Selbst im Printbereich, dem ja immer wieder das baldige Ende prophezeit wird, sehen wir nach wie vor eine stabile Nachfrage und gute Ergebnisse. Wir investieren dort weiter – unter anderem in ein neues Logistikzentrum mit modernen Arbeitsplätzen und optimierten Prozessen für den Printbereich.

Es gibt also keinen Bereich, den wir künftig zurückfahren wollen. Was die Umsatzverteilung betrifft, ist das natürlich schwer genau vorherzusagen, aber ich bin überzeugt, dass das größte Wachstumspotenzial in der IT-Security liegt. In diesem Bereich verzeichnen wir aktuell Wachstumsraten von rund 70 Prozent – Tendenz steigend. Danach folgt das Thema IT-MSP, also das Outsourcing von IT-Dienstleistungen durch Kunden an Systemhäuser. Auch hier erleben wir eine enorme Dynamik. Ein weiterer Wachstumsbereich ist unser Client Lifecycle-Management, im Rahmen dessen Kunden bestimmte Aufgaben im IT-Betrieb an uns abgeben – etwa die Ausstattung und Verwaltung von Mitarbeitenden-Hardware.

Viele Unternehmen sagen heute: „Wir müssen unsere teuren IT-Fachkräfte gezielter einsetzen und Routineaufgaben auslagern.“ Und genau da kommen wir ins Spiel – mit maßgeschneiderten Services, die diese Arbeiten übernehmen. Das entlastet die Kunden und sorgt bei uns für starkes Wachstum.

Große: Sie haben in den vergangenen Jahren mehrere IT-Häuser integriert – etwa Roderburg, Specht oder pcm. Wie stellen Sie sicher, dass die Komplexität solcher Integrationsprozesse den normalen Geschäftsbetrieb nicht stört? Und vor allem: Wie verhindern Sie, dass Ihre Unternehmenskultur oder Markenidentität dabei verwässert?

Stäwen: Wir haben dafür eine klare Strategie: Wenn wir ein Unternehmen übernehmen, setzen wir immer jemanden von uns dort mit ein – also nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung. Häufig bleibt der bisherige Inhaber noch eine Zeit lang an Bord. Er wird dann von einer Kollegin oder einem Kollegen aus unserem Managementteam begleitet – meist in Form einer Doppelspitze mit Geschäftsführungsverantwortung. Das erleichtert den Wissenstransfer und sorgt dafür, dass die Person schnell Zugang zu unserer Arbeitsweise bekommt. Natürlich hat jedes übernommene Unternehmen eigene Prozesse und Strukturen.

Unsere Aufgabe ist es, die Teams dort sanft an unsere Abläufe heranzuführen und sie in die GREEN-IT-Welt zu integrieren.

Dazu gehört auch, dass wir schnell vor Ort präsent sind. Wir schicken regelmäßig Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Bereichen dorthin – Marketing, HR, Vertrieb – um die Menschen vor Ort abzuholen. Das hat nichts mit Kontrolle zu tun, im Gegenteil: Wir wollen zeigen, welche Möglichkeiten sie jetzt haben, welche Benefits sie erwarten und dass sie Teil einer größeren Organisation werden. Ich war selbst einmal in der Situation, übernommen zu werden – und ich weiß, wie wichtig dieser erste Eindruck ist. Wenn plötzlich jemand dasteht, der sagt: „Du kannst jetzt eine Direktversicherung abschließen, vermögenswirksame Leistungen nutzen, und übrigens: Wir haben auch eine Fahrradgruppe und ein Kegelteam – mach doch mit!“, dann ist das ein gutes Signal. Es zeigt: Wir wollen dich, wir binden dich ein. Das wird sehr positiv aufgenommen.

Und tatsächlich ist es so, dass man schon nach wenigen Monaten – spätestens beim Sommerfest – das Gefühl hat: Diese Kolleginnen und Kollegen gehören längst dazu.

Green IT
Große: Ein ganz wichtiger Punkt ist ja die Kundenloyalität. Gerade in einem so volatilen Markt, in dem Preise und Bedingungen ständig neu verhandelt werden – wie schaffen Sie es, Kunden langfristig zu binden? Gibt es ein Patentrezept?

Stäwen: Ja – und das ist im Grunde ganz einfach: Qualität. Unsere Philosophie lautet seit jeher: Qualität schlägt Preis. Wir glauben fest daran, dass ein Kunde, der erstklassigen Service bekommt, auch bereit ist, dafür etwas mehr zu bezahlen. Wenn die Qualität stimmt, bleiben die Kunden treu – selbst, wenn es mal eine Unstimmigkeit gibt oder etwas nicht ganz optimal läuft. Dann erinnern sie sich daran, dass sie von uns immer kompetent, zuverlässig und fair betreut wurden – nicht nur im technischen Service, sondern auch in Vertrieb, Buchhaltung oder Verwaltung. Das schafft Vertrauen. Und Vertrauen ist die Basis für Loyalität. Darum investieren wir sehr viel in die Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeitenden, in interne Schulungen, in die Förderung von Auszubildenden und in die Qualifikation unserer Fachkräfte. Denn am Ende gilt: Zufriedene, gut ausgebildete Mitarbeitende sorgen für zufriedene Kunden – und das ist unser echtes Patentrezept.

Große: Wo sehen Sie GREEN IT in zehn Jahren?

Stäwen: Am liebsten als CO₂-neutrales Systemhaus – das ist eines unserer großen Ziele. Natürlich wollen wir weiterwachsen, aber nicht unbegrenzt. Unser Anspruch ist es nicht, irgendwann 1.500 Mitarbeitende zu beschäftigen, sondern gezielt, bedarfsorientiert und qualitativ hochwertig zu wachsen. Wir möchten uns inhaltlich breiter aufstellen, uns spezialisieren und unseren Kunden passgenaue technologische Lösungen bieten. Kurz gesagt: lieber in die Breite wachsen als in die Höhe – mit Fokus auf Qualität, Technologie und Freude an der Arbeit.

Große: Sie kommen ja nicht morgens um neun und gehen um fünf – Ihr Arbeitstag ist deutlich länger. Wie motivieren Sie sich in Zeiten, in denen die Probleme überwiegen und Lösungen nicht sofort greifbar sind?

Stäwen: Gestern Abend habe ich mich tatsächlich gegen ein Uhr nachts noch auf diesen Termin vorbereitet – da musste ich über „Nine to Five“ ein wenig schmunzeln. Aber im Ernst: Ich liebe meine Arbeit, auch nach 14 Jahren in diesem Unternehmen. Mich mit neuen Herausforderungen auseinanderzusetzen, Themen wie KI, Automatisierung, Digitalisierung oder Robotik voranzutreiben – das begeistert mich. Ich erweitere meinen Horizont und nehme meine Kolleginnen und Kollegen gern mit auf diese Reise. Ich kann mich jeden Tag motivieren, auch wenn nicht jeder Tag leicht ist – und in diesen Zeiten sind es leider einige, die schwierig sind. Aber am Ende des Tages habe ich das Gefühl, in einem sehr guten Umfeld zu arbeiten. Und das motiviert mich.

Vor allem aber haben wir ein fantastisches Team. Das ist kein Lippenbekenntnis – wir haben wirklich großartige Kolleginnen und Kollegen. Viele sind längst Freunde geworden, auch privat. Unsere Kinder spielen miteinander, man unterstützt sich gegenseitig. Und das ist ein großes Glück: Auch als Geschäftsführer kann man mal jammern, sich aussprechen, einfach Mensch sein. Genau das ist der Grund, warum ich mich nach all den Jahren – trotz Krisen und Herausforderungen – jeden Tag aufs Neue motivieren kann, hier Vollgas zu geben.

Green IT
Große: Wie können Sie am besten abschalten?

Stäwen: In erster Linie mit meiner Familie. Wir nehmen uns bewusst Auszeiten – gemeinsame Tage, an denen es nur um die Familie geht. Dann bin ich ganz bei meinen Kindern, spiele mit ihnen, unternehme etwas – das erdet mich. Außerdem fahre ich leidenschaftlich gern Fahrrad. Einmal im Jahr mache ich mit einem guten Freund, der ebenfalls Workaholic ist, eine längere Radtour – rund 600 Kilometer, ohne Handy, ohne Laptop. Einfach abschalten, den Kopf frei bekommen, Bäume, Wasser, Landschaft, Natur genießen. Das ist mein Ausgleich – und der funktioniert wunderbar.

Große: Was hat Sie in den letzten sechs Monaten in dieser Branche am meisten überrascht?

Stäwen: Negativ überrascht hat mich, dass wir zum ersten Mal eine echte Wirtschaftskrise in der IT erlebt haben. Während Corona oder zu Beginn des Ukraine-Kriegs waren wirtschaftliche Einbrüche nicht so spürbar – dieses Jahr war das anders. Das erste Quartal war extrem schwierig. Wenn man sich anschaut, wie es großen Unternehmen ergangen ist – welche Einbrüche es gab, wie viele auf die Krise reagiert haben – das war schon heftig und hat mich wirklich überrascht.

Positiv hingegen war die Reaktion des Mittelstands. Ich habe den Eindruck, dass diese Krise dazu geführt hat, dass Unternehmerinnen und Unternehmer wieder enger zusammengerückt sind. Gerade hier in der Region spüre ich seit April oder Mai wieder eine stärkere Zugkraft in der Wirtschaft. Die Kunden sind wieder investitionsbereiter, und auch der Zusammenhalt unter den Unternehmen – ob im IT- oder Printbereich – ist gewachsen. Man hilft sich gegenseitig, spricht miteinander: „Kannst du mir ein paar Ressourcen leihen?“ – „Ich brauche mal ein Fahrzeug.“ – „Lass uns austauschen.“ Da ist ein neues Miteinander entstanden, und das empfinde ich als sehr positiv. Vielleicht ist das sogar die gute Seite einer schlechten Situation – eine Krise, die wieder Nähe schafft.

Große: Vielen Dank für das Gespräch.

16.12.2025

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