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Ceka/.mdd

Fluch oder Segen?

.mdd Produktionsanlagen
Produktionsanlagen von .mdd:

Die Produktion in Sępólno Krajeńskie gilt als hochmodern – automatisiert, effizient, auf über 31.000 m² Fertigungsfläche und mit monatlich 100.000 produzierten Stücken. (Foto: .mdd)

Das Szenario hat Sprengkraft: Der polnische Büromöbel-Produzent .mdd hat den in Schieflage geratenen deutschen Anbieter Ceka übernommen. Mit der Übernahme steht weit mehr auf dem Spiel als nur ein Eigentümerwechsel. Langfristig könnten am Ceka-Standort im hessischen Alsfeld die Lichter ausgehen. Denn auf der einen Seite steht .mdd, ein wachstumsstarker Player mit hochautomatisierter Fertigung, Exporterfahrung und globalem Anspruch, und auf der anderen Seite Ceka, ein Traditionsunternehmen mit Geschichte, aber veralteter Produktionsstruktur.
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Die Produktion von .mdd in Sępólno Krajeńskie gilt als hochmodern – automatisiert, effizient, auf über 31.000 m² Fertigungsfläche und mit monatlich 100.000 produzierten Stücken sowie Exporten in 60 Länder. Demgegenüber wirkt der Standort Alsfeld, wo Ceka seit Jahrzehnten produziert, wie ein Relikt aus einer anderen Epoche.

Ein Insider kommentiert das Szenario nüchtern, aber mit deutlichen Worten: „Die Werke von .mdd sind viel moderner als die in Alsfeld. Für die Polen dürften die Ceka-Kunden deutlich interessanter sein als die Fertigung selbst. Wenn .mdd die Möbelprogramme künftig auch noch in Polen produziert, wäre das für sie hochprofitabel.“ Das lässt erahnen, wohin die Reise geht – der Name Ceka bleibt, der Standort Alsfeld aber nicht.

Ceka hatte im Juli 2025 Insolvenz angemeldet. In den vergangenen Jahren waren Umsatzrückgänge an der Tagesordnung. Ohne Kapitalspritze war der wirtschaftliche Kollaps vorprogrammiert. Die Investorengruppe, die das Unternehmen bereits im Jahr 2012 übernommen hatte, nachdem es schon einmal in die Insolvenz geraten war, war aber offensichtlich nicht bereit, schlechtem Geld gutes hinterherzuwerfen. Rund 115 Mitarbeitende waren betroffen, ihre Löhne wurden zunächst über eine Insolvenzgeld-Vorfinanzierung gesichert. Unter Insolvenzverwalter Dr. Michael Lojowsky (Brinkmann & Partner) lief die Produktion im August wieder an. Erste Aufträge – etwa aus Wuppertal und dem Ruhrgebiet – sorgten für eine gewisse Stabilisierung und einen Hoffnungsschimmer, doch klar war: Ohne neuen Investor keine Zukunft. Der ist jetzt gefunden worden. Ob das nun Fluch oder Segen ist, wird sich noch erweisen.

Ceka bewegt sich mit einem geschätzten Marktanteil von ein bis zwei Prozent und einem Umsatz im unteren zweistelligen Millionenbereich traditionell unterhalb der Branchenschwergewichte. Der neue Eigentümer gehört zu den expansivsten Herstellern Europas. Das Unternehmen wurde 1993 von Jarosław Dąbrowski und Zbigniew Mattya gegründet – mit dem Anspruch, modernste Büromöbel für internationale Märkte zu produzieren. Heute beliefert .mdd mehr als 2.800 Business Partner weltweit und möbliert nach eigenen Angaben eine Million Quadratmeter Bürofläche pro Monat.

Die vertikale Fertigungstiefe – nahezu alle Komponenten werden im eigenen Werk produziert – ermöglicht kurze Lieferzeiten und hohe Margen. Für ein Unternehmen dieser Struktur ist Ceka vor allem eines: ein Türöffner in den deutschen Markt mit eta­blierten Kundenbeziehungen und einer bekannten Marke. Noch hält sich .mdd zu seinen Plänen und Absichten bezüglich Ceka bedeckt. „Wir bitten um Verständnis und werden derzeit noch keine genauen Infos preisgeben. Wir freuen uns, diesen Schritt zu machen und den Ausbau unseres Vertriebs weiter auszubauen und die Marke .mdd im deutschen und auch im EU-weiten Markt weiter zu etablieren. Die Zukunftspläne laufen bei uns auf Hochtouren und wir werden gerne baldmöglichst und zu einem für uns passenden Zeitpunkt weitere Informationen preisgeben“, erklärt Sven Baumgartner, .mdd Country Manager South Germany, gegenüber INFO-MARKT.

Beruhigende Worte für die Ceka-Belegschaft klingen anders. Die Übernahme durch .mdd dürfte die Belegschaft in Alsfeld erst einmal in ein Wechselbad der Gefühle stürzen und die Weihnachtsvorfreude ein wenig dämpfen. Auf der einen Seite steht die Hoffnung, dass ein kapitalstarker Investor den Fortbestand des Traditionsunternehmens sichert, auf der anderen Seite die Sorge, dass mittelfristig Know-how und die Produktion nach Polen abwandern. Für letzteres Szenario spricht einiges: Der polnische Konzern hat weder strukturelle noch logistische Gründe, ein betagtes Werk in Mittelhessen künstlich am Leben zu halten, wenn er sämtliche Fertigungsschritte daheim längst effizienter, günstiger und mit modernerem Maschinenpark abbilden kann.

Nach den Insolvenzen von Leuwico, Staud und Hund Office reiht sich Ceka in eine wachsende Liste deutscher Möbelproduzenten ein, die dem Druck der internationalen Konkurrenz nicht mehr gewachsen sind. Die Branche steht unter massivem Kostendruck – Energiepreise, Materialkosten und Lohnniveau machen Deutschland zur Hochpreisinsel. Mit der Übernahme durch .mdd ist ein weiteres unrühmliches Kapitel in der fortschreitenden Deindustrialisierung der deutschen Möbelbranche aufgeschlagen worden. Noch ist nicht raus, was .mdd wirklich mit Ceka vorhat. Doch wer die Dynamik des Marktes kennt, weiß: Gerüchte sind oft die Vorboten von Fakten.

31.10.2025

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