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Büroring eG

Sanierung am offenen Herzen

Büroring Vorstand Ingo Dewitz
Büroring-Vorstand Ingo Dewitz:

„Ein ‚Weiter-so‘ wäre ein Sterben auf Raten gewesen. Wir steuerten direkt auf die Wand zu, zumal stille Reserven oder Assets nur begrenzt vorhanden waren, um das operative Ergebnis noch einmal schönzufärben.“ (Foto: Büroring)

Die Vorzeichen könnten kaum düsterer sein: Ein erodiertes Geschäftsmodell, schwindende Liquidität und eine Kostenstruktur, die noch immer auf längst vergangenen Glanzzeiten fußt. Beim Büroring in Haan steht nicht weniger als die Existenz der Genossenschaft auf dem Spiel. Doch der neue Vertriebsvorstand Ingo Dewitz setzt nicht auf Durchhalteparolen, sondern auf eine schonungslose Bestandsaufnahme und den kompletten Umbau der DNA – weg vom klassischen Lagergeschäft, hin zum digitalen Marktplatz und technologischen Vorreiter. INFO-MARKT sprach mit dem neuen Vertriebsvorstand über die geplante Radikalkur.
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Info-Markt: Die Bilanzen des Bürorings der letzten Jahre zeigen, dass Gewinne mit Beton erkauft wurden, was andererseits zum Abschmelzen des Anlagevermögens geführt hat. So viele Chancen, das Schiff wieder auf Kurs zu bringen, haben Sie nicht. Wie sieht Ihr Konzept aus?

Ingo Dewitz: Danke, dass Sie direkt so offen sind. Wir haben uns vorletzte Woche in Fulda mit den Büroring-Gesellschaftern getroffen und uns offen über den aktuellen Status ausgetauscht. Der Büroring hat bewegte Zeiten hinter sich. Der Trend im Umfeld von Papier, Büro und Schreiben ist tendenziell rückläufig. Da wir von diesen Themen sehr stark abhängig sind, weil die zukunftsfähigen Geschäftsbereiche IT-, Managed Services und Büro- und Objekteinrichtung in der Entwicklung nicht konsequent weitergeführt wurden, mussten wir uns Gedanken machen, wie es weitergeht.

Wir haben im Gesellschafterkreis alle Details lückenlos aufgedeckt. Es war entscheidend zu verstehen, dass wir Fehler mit einer zeitlichen Verzögerung erst in zwei oder drei Jahren wirtschaftlich spüren. Das Ergebnis der Analyse der gegenwärtigen Situation war eindeutig: Mit dem aktuellen Modell sind wir dauerhaft nicht überlebensfähig. Deshalb werden wir Betriebsteile schließen. Es brauchte Zeit, um dieses Fundament für die kommenden Maßnahmen zu legen. Wir haben dann den Mitgliedern die Situation sehr transparent als „Strategie-Präsentation“ aufbereitet. Es war wichtig zu verdeutlichen, was wir operativ verdienen und wie wir uns künftig aufstellen müssen, um eine Zukunft zu haben. „Betongold“ kann zwar Löcher stopfen, aber darauf lässt sich kein wirtschaftlich tragfähiges Geschäft entwickeln.

Info-Markt: Wie bewerten Sie die wirtschaftliche Ausgangslage, die Sie vorgefunden haben?

Ingo Dewitz: Ein ‚Weiter-so‘ wäre ein Sterben auf Raten gewesen. Wir steuerten direkt auf die Wand zu, zumal stille Reserven oder Assets nur begrenzt vorhanden waren, um das operative Ergebnis noch einmal schönzufärben. Man muss es deutlich aussprechen: Die Verluste haben sich über Jahre kumuliert – 2024 war kein Ausreißer, sondern die logische Folge einer Negativentwicklung seit 2021. Das Problem liegt dabei nicht im Genossenschaftsmodell an sich, sondern im eigentlichen Geschäftsmodell. Mangelnde Konkurrenzfähigkeit gegenüber hochskalierbare eCommerce Anbieter sowie eine schwache Markt- und Preisentwicklung haben uns in diese Sackgasse manövriert. In diesem Punkt war ich auch mit Frank Eismann im Vorfeld im engen, offenen Austausch.

Info-Markt: Wie kam es zu Ihrem Engagement und was war Ihr erster Eindruck der Zahlen?

Ingo Dewitz: Frank Eismann bat mich im Juni um Unterstützung, mit vereinten Kräften wollten wir den Büroring wieder zukunftsfähig machen. Zu diesem Zeitpunkt war das ganze Ausmaß der Schieflage beim Büroring für mich natürlich noch nicht klar ersichtlich. Zwar war der dramatische Umsatzrückgang im Zentrallager und in der Zentralregulierung – von ehemals über 200 Millionen auf nur noch 70 Millionen Euro – bekannt, doch die Realität ist: Die Kostenstruktur verharrt auf dem Niveau eines 220-Millionen-Euro-Umsatzes. Das ist ökonomisch schlicht nicht tragbar. Verschärft wird die Lage durch den Wegfall hochprofitabler Sparten wie Managed Print Services und den Bereich der Objekteinrichter. Wir schleppen einen nicht skalierbaren Unternehmensapparat mit uns herum, der durch das operative Geschäft nicht mehr getragen wird.

Info-Markt: Wie lässt sich die jahrelange strategische Trägheit und die eklatante personelle Fehlsteuerung des Aufsichtsrats erklären, der trotz eines erodierenden Geschäftsmodells und offensichtlicher Orientierungslosigkeit erst den Vertrag von Kai-Uwe Heuer als Finanz-Vorstand verlängerte, um ihn nur Monate später abrupt zu entlassen?

Ingo Dewitz: Mein Urteil zur damaligen Finanzplanung war eindeutig: Sie war weder stabil noch nachhaltig. Der Aufsichtsrat hat gemeinsam mit Frank Eismann ein zukunftsfähiges Team zusammengestellt, Björn und ich sind an Bord gekommen. Zu handelnden Akteuren vor meiner Zeit kann ich wenig mitteilen, es hat für mich auch keine Relevanz.

Was ich übernommen habe, war eine Situation ohne Stabilität. Einerseits wurde die Digitalisierung zwar leidenschaftlich vorangetrieben, Systeme wurden verändert, aber die Köpfe der Menschen wurden nicht immer erreicht. Auch im Vertrieb helfen neue Mitarbeiter wenig, wenn die spezifischen Mechanismen des Handels nicht umgesetzt werden können. Die Büroring-Reputation wurde gestärkt, ein tatsächliches Wirken lässt sich schwer bewerten, da Managemententscheidungen in dieser Genossenschaft erst mit Jahren Verzögerung sichtbar werden.

Seit Björn Unfug und ich im Amt sind, berauben wir uns durch die Fixierung auf Schuldzuweisungen nicht die Kraft für unsere derzeitigen, enorm schwierigen Aufgaben. Wir arbeiten aktiv daran, diese Themen endlich zu beenden. Wir können es uns nicht leisten, Energie ausschließlich mit der Vergangenheitsbewältigung zu verschwenden. Es wurden sicher Fehler gemacht, aber unser Fokus muss jetzt nach vorne gerichtet sein.

INFO-MARKT: Frank Eismann war mit sehr viel Enthusiasmus dabei, aber ich hatte immer das Gefühl, dass er an irgendeiner Stelle eingebremst wird, sodass es nicht richtig vorangeht. Haben Sie sich denn auch schon mal die Frage gestellt, dass Ihnen das auch so passieren kann?

Ingo Dewitz: Es gibt immer wieder Momente und Situationen, die den Fortschritt hemmen. Ein Beispiel war das Vorhaben, das Unternehmen an eine andere Genossenschaft zu überführen. Das wäre für das Unternehmen äußerst nachteilig gewesen und hätte das Ende des Bürorings bedeutet – eine Einschätzung, die auch Banken und andere Genossenschaften teilen. Der aktuelle Aufsichtsrat hat damals mit Bedacht und schlussendlich völlig richtig agiert, somit die Schadensbegrenzung erst ermöglicht. So steht er heute uneingeschränkt hinter Björn Unfug und mir genauso wie er hinter Frank Eismann stand und unserem gesamten Team.

In der Vergangenheit gab es auch Phasen mit massiven operativen Eingriffen, die viel Schaden angerichtet haben. Meines Erachtens sind in den Jahren 2020 und 2021 viele Dinge falsch gelaufen, ohne dass ich hier die damaligen Akteure benennen kann. Aktuell ist die Situation jedoch eine andere: Wir können frei agieren, es gibt keine Bremsen mehr. Denn nur ohne Blockaden können wir effektiv arbeiten. Dieses klare Commitment bestand auch gegenüber Frank Eismann.

Info-Markt: Nach Ihrem erfolgreichen Wirken bis 2018 und dem für viele grundlosen Abschied: Was ging in Ihnen vor, als nach all den Jahren die Anfrage kam, ob Sie Lust hätten, erneut für den Büroring tätig zu werden?

Ingo Dewitz: Ich hatte ursprünglich keine Absicht zurückzukehren und war bereits in Gesprächen mit Kontakten aus der IT-Branche. Als Frank Eismann und der Aufsichtsrat mir den Wiedereinstieg als Vorstand bot, wurde es für mich zu einer Herzensangelegenheit. Mein Ausscheiden 2018 erfolgte formal legitim, doch die Kommunikation war nicht in Ordnung; es gab grundlegend unterschiedliche Auffassungen über die strategische Ausrichtung zwischen einzelnen Akteuren.

Ich habe das Thema schnell abgehakt, auch wenn ich meine Entscheidung angesichts der dramatischen Lage in den ersten Tagen natürlich selbst hinterfragt habe. Die Situation war schlimmer als ich mir vorgestellt habe, denn schnell wurde Björn und mir klar, dass es einer Sanierung bei gleichzeitiger Transformation bedarf. Doch trotz des tiefen Grabens haben wir einen Weg herausgefunden. Mein Herz schlägt für den Büroring, der heutige Aufsichtsrat steht zu 100 % hinter unserem Wirken, gemeinsam im Team sehen wir eine reale Chance für unsere Zukunft.

Info-Markt: Bevor wir gleich auf Ihr neues Konzept zu sprechen kommen, würde uns vorweg noch interessieren: Das Geschäftsjahr 2025 haben Sie abgeschlossen. Hat sich da bilanziell etwas Wesentliches getan im Vergleich zu 2024?

Ingo Dewitz: Wir stehen vor der harten Realität, dass unser bisheriges Geschäftsmodell mit eigener Logistik nicht mehr tragfähig ist. Der Bilanzverlust schreibt sich fort, da die Kostenstruktur im klassischen Großhandel nicht mehr funktioniert. Bei Margen von knapp über 20 Prozent lassen sich Logistik und Personal schlicht nicht mehr decken – ein Problem, das wir europaweit beobachten. Die Logistikleistung wird am Markt nicht ausreichend honoriert; wir bearbeiten heute Kleinstaufträge, die ökonomisch nicht sinnvoll sind.

Der Kern unseres Problems ist somit lediglich das Vorhalten einer eigenen Logistik: Wir machen hier Verluste und haben den Anschluss an die Hochautomatisierung verpasst. In einem konsolidierten Markt fehlt uns aktuell die Wirtschaftskraft. Zwar haben wir spannende Zukunftsfelder wie Objekteinrichtung oder IT-Services, aber das schrumpfende Handelsgeschäft entzieht uns das Budget, um diese Themen kraftvoll zu finanzieren. Ein rigoroser Cut ist daher unumgänglich.

Wer glaubt, mit dem reinen Handel von Tinte und Toner noch Geld verdienen zu können, irrt sich, die Preispolitik dort ist ruinös. Wir haben alternative Nutzungen für unser Lager geprüft, doch der Aufbau neuer Sortimente hätte mindestens ein Jahr beansprucht. Diese Zeit haben wir schlichtweg nicht. Daher haben wir die konsequente Entscheidung getroffen, den Betriebsteil Logistik inklusive des Lagers komplett zu schließen. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ließen uns keine andere Wahl.

Ingo Dewitz Büroring
Info-Markt: Der Büroring hat in den letzten beiden Jahren Immobilien verkauft. Welche Auswirkungen hat der Verkauf, abgesehen von der Bilanzkosmetik, auf das Geschäft des Bürorings?

Ingo Dewitz: Zur Immobiliensituation kursierten Informationen, die nicht ganz präzise waren: Fakt ist, dass zwei Immobilien verkauft wurden – eine 2023 und die andere 2024. Im Zuge dessen wurde eine marktübliche Miete festgesetzt. Dieser Mietvertrag für den Lagerteil läuft zum 30.09.2026 aus, sofern wir nicht die Option auf eine zweijährige Verlängerung ziehen.

Angesichts dieses knappen Zeitfensters wäre es wirtschaftlich nicht sinnvoll gewesen, massiv in den Standort zu investieren. Diese Vertragssituation war für uns letztlich das „Schlupfloch“, um den notwendigen strategischen Schwenk zu vollziehen, die Virtualisierung unserer Logistik. Wir setzen künftig auf hochautomatisierte Partner, die unser Geschäft verstehen. So haben wir den Weg geebnet die Zusammenarbeit mit der PBS Deutschland, als eines der führenden Unternehmen in unserer Branche zu finalisieren und den Büroring in ein zeitgemäßes Modell zu überführen.

Info-Markt: Wie sieht denn jetzt konkret Ihr Modell aus, um den Büroring wieder in die Spur zu bringen? Nur mit PBS-Artikeln wird das, wie Sie selbst sagten, nicht funktionieren.

Ingo Dewitz: Unser Kern-Geschäftsmodell, die Zentralregulierung über die Prisma Büro Servicegesellschaft (PBS GmbH), bleibt als stabiles und hochskalierbares Fundament unangetastet. Der entscheidende Wandel liegt in der Abkehr von der eigenen Lagerhaltung hin zu einem komplett digitalisierten Prozess. Wir erweitern unser Sortiment dabei massiv zunächst von 16.000 auf 45.000 Artikel, indem die PBS Deutschland unser Portfolio übernimmt und wir zusätzliche Partnerlager für weitere Sortimentsbereiche wie IT, Hygiene, Smart Home & Kitchen, Bildung und Outdoor & Facility anbinden. Für unsere Gesellschafter ändert sich im Bestellvorgang nichts, wir bleiben der zentrale Geschäftspartner.

Der strategische Kern dieses Umbaus ist ein rigoroser Kostenschnitt, der uns endlich wieder wirtschaftlich tragfähig macht. Durch den Wegfall der hohen Kosten und Mietzahlungen und eine leider unvermeidbare, erhebliche Reduzierung des Personalbestands erzielen wir eine Kostenersparnis von mehreren Millionen Euro. Das sind enorm hohe Summen, die sicherstellen, dass wir mit dem neuen Modell ein wesentlich besseres Ergebnis erwirtschaften als mit der alten, defizitären Struktur. Damit erfüllen wir unseren genossenschaftlichen Auftrag zur wirtschaftlichen Förderung der Mitglieder unter völlig neuen Vorzeichen.

Info-Markt: Wenn ich das richtig verstanden habe, haben Sie dann selbst kein Lager mehr, sondern das macht die PBS Deutschland für Sie? Ingo Dewitz: Der physische Lagerbereich wird komplett aufgegeben. Wir haben künftig kein eigenes Lager mehr. Für die Händler ändert sich im Bestellprozess jedoch nichts: Sie bestellen weiterhin wie gewohnt über ihr ERP-System oder den Shop direkt bei uns. Die entscheidende Neuerung liegt im Hintergrund: Wir bauen das Beschaffungssystem völlig neu auf. Statt unserer bisherigen 16.000 Artikel starten wir mit den 45.000 Artikeln der PBS und arbeiten massiv an einer vollautomatisierten Sortimentsanreicherung, um alle bisherigen manuellen Prozesse abzulösen.

Unser Ziel ist extrem ambitioniert: Bis Ende dieses Jahres wollen wir auf 500.000 Artikel aufstocken, indem wir verschiedene virtuelle Logistikpartner für Bereiche elektronisch andocken. Wir integrieren die stärksten Partner direkt in unser System, sodass der Endkunde unserer Händler sofort die volle 360 Grad Sortimentsbreite sieht, während der Einkauf weiterhin über uns läuft. Bis 2027 planen wir die Erweiterung auf 2,5 Millionen und bis 2029 auf 5 Millionen Artikel. Es entsteht ein vollintegrierter Marktplatz, in dem auch Hersteller direkt angebunden werden und die Auslieferung übernehmen könnten, während wir die gesamte Prozesskette digital steuern.

Info-Markt: ‚Aber welche Rolle spielt dann noch die PBS Deutschland, wenn der Händler über Sie direkt beim Hersteller bestellt?‘

Ingo Dewitz: Der entscheidende Faktor in unserem Geschäft ist die kleinteilige Versorgung des Endkunden. Da kaum ein Händler ein eigenes Lager führt, sind wir darauf spezialisiert, Mischbestellungen im Namen unserer Händler gebündelt auszuliefern – eine Leistung, die ein einzelner Hersteller nicht erbringen kann. Während sich der Markt auf wenige Player konzentriert, schaffen wir durch unsere Virtualisierung eine effiziente Alternative. Einen wesentlichen Bestandteil dieser Leistungskette für das Kernsortiment bildet die PBS Deutschland ab.

Dieses Modell hatte ich bereits 2017 angestoßen, doch es wurde damals nicht konsequent weiterverfolgt. Heute gehen wir diesen Weg zu Ende: Wir halten keine physische Ware mehr vor, behalten aber die volle Sortiments- und Preishoheit. Wir bündeln den Einkauf und können Partner digital anbinden, um für den Händler maximale Effizienz mit nur einem Kreditor zu gewährleisten. Da wir uns zu lange auf das eigene Lagergeschäft fokussiert haben, ist dieser radikale Schritt nun die einzige hochskalierbare Lösung. Abteilungen wie der klassische Einkauf, Reklamation und Logistik werden in der bisherigen Form nicht mehr erforderlich sein.

Ab dem 1. Oktober befreien wir uns vollständig von der alten Kostenlast. Unsere Planung reicht bis 2030, mit sehr positiver Ergebniswirkung bis Ende 2028. Wir haben uns bewusst gegen ein „Weiter so“ und mögliche ernsthafte Konsequenzen entschieden, um unsere Zukunft nicht zu gefährden, und schaffen die Transformation aus eigener Kraft. Ein entscheidender Meilenstein ist der Vertrag mit der PBS, der neben der Logistik auch eine sehr umfangreiche Kooperation in verschiedenen Bereichen und mit verschiedenen Entwicklungsthemen.

Info-Markt: Angesichts der Digitalisierung sinkt die Nachfrage nach vielen Ihrer Produkte. Sind Sie mit diesem Modell auf Dauer überlebensfähig?

Ingo Dewitz: Ursprünglich war mein Plan, sofort die neuen Mehrwerte für Mitglieder in den Bereich Objekteinrichtung und Managed Services zu forcieren. Das Thema Robotik mit einem Vermarktungs- und Servicekonzept für unseren Handel steht bereits kurz vor dem Start – am 1. April gehen wir damit live. Auch Innovationen wie KI-Telefonie und eine Web2Print Lösung, Vermarktungsmöglichkeiten für den Handel, sind fest eingeplant. Zwar hat uns die wirtschaftliche Lage gezwungen, die Prioritäten kurzzeitig zu verschieben, doch der Fahrplan ist für alle Mitarbeiter absolut transparent und zeitlich konkret definiert. Wir setzen uns hier bewusst massiv unter Druck.

Aktuell liegt unser Fokus allerdings sehr intensiv auf dem Bereich Managed Data Service. Auf dessen Basis wird dann unser neues Beschaffungsmanagementsystem sowie die angeschlossenen Shopsysteme mit hochqualitativen und verkaufsfertigen Daten befüllt. Hier kommen wir sehr gut voran. Nachdem das Thema Lager nun abgeschlossen ist, geht es um den Aufbau neuer Sortimente und echter genossenschaftlicher Mehrwerte. Dazu gehören der Ausbau unserer Akademie sowie die Entwicklung spezifischer IT-Services, insbesondere paketierte Cloud-Services und Security-Lösungen, um unseren Händlern zukunftsfähige Werkzeuge an die Hand zu geben.

Info-Markt: Wie sieht denn heute Ihre Sortimentsstruktur aus? Wie groß ist denn der Anteil an IT-Hardware?

Ingo Dewitz: Unsere Handelsgruppierung gliedert sich heute in drei Teile: Wir haben noch 220 klassische Büroring-Mitglieder sowie rund 250 Händler vom Büroforum, einer Verbundgruppe aus den ehem. neuen Bundesländern, die wir übernommen haben. Dieser Kern von etwa 500 Händlern bildet unsere starke Basis, während die rund 800 Prisma-Händler technisch eine eigene Einheit bilden. Traditionell lag unser Technik-Anteil sehr hoch, doch dieser ist mittlerweile sehr stark gesunken. Unser Ziel ist es natürlich diese wieder zurückzugewinnen und wir wissen, dass viele bereit sich, wieder zum Büroring zurückzukommen. Aktuell betreiben nur noch etwa 15 Prozent unserer Mitglieder echte Systemintegration. Da die kritische Masse in diesem Segment schwand, war die Kooperation mit der winwin Office Network AG ein absolut folgerichtiger und notwendiger Schritt, um hier wieder an Schlagkraft zu gewinnen.

Info-Markt: Wie zukunftsfähig ist der Büroring jetzt?

Ingo Dewitz: Ohne eine starke Ertragssteigerung und ein positives Ergebnis würden uns die Mittel für notwendige Investitionen fehlen. Unser Ziel ist daher ein skalierbares Geschäftsmodell, das über den Kern der PBS-Fachhändler hinaus in alle Sortimentsbereiche hineinreicht. Die aktuellen Marktdaten sind allerdings alarmierend: Im B2B-Bereich verzeichneten wir bei den Stückzahlen und beim Umsatz in 2025 nach GFK Zahlen erheblichen Marktrückgang. Solche Einbrüche sind beispiellos und senden ein heftiges Signal an die gesamte Branche – von der Industrie bis zum einzelnen Händler.

Info-Markt: Was hat den konkret beim Büroring zu den hohen Verlusten der vergangenen beiden Geschäftsjahre geführt?

Ingo Dewitz: Man muss die Dynamik einer Genossenschaft verstehen: Ein Austritt wird erst mit einer Zeitverzögerung von bis zu vier Jahren voll wirksam. Wer heute ausscheidet, hat bereits 2022 gekündigt. Die aktuelle Situation ist somit das Resultat von Fehlentwicklungen der Vergangenheit. Besonders der Abgang der stärksten Händler in den Jahren 2020–2022 trifft uns heute mit voller Wucht.

In dem Jahr, in dem Mitglieder final ausscheiden, müssen deren Anteile ausgezahlt werden. Allein 2025 hat uns dies einen Millionen Euro hohen Betrag entzogen, eine Summe, die bei meinem Amtsantritt im August schlicht nicht mehr vorhanden war. Wir zahlen heute für die Austrittswellen längst vergangener Jahre.

Zur Wahrheit gehört auch: Das Lagergeschäft hat sich nie weiterentwickelt und stagnierte 2025 bei 25,4 Millionen Euro. Zudem haben sich die Umsätze aus der Zentralregulierung mehr als halbiert, was ich als katastrophal bezeichnen muss. Ein Lichtblick ist, dass die massiven Anteilsauszahlungen nach 2026 endlich ein Ende finden. Unsere Mitglieder stehen also hinter unseren Konzepten.

Info-Markt: Kommen wir zu Ihrem Geschäftsmodell zurück.

Ingo Dewitz: Das neue Modell stellt den Büroring radikal anders auf: Wir haben die Logistik gestrichen und konzentrieren uns auf hochautomatisiertes Datenmanagement, moderne Shopsysteme, digitale Marketing-Konzepte und digitale zentrale Beschaffungs- und Abrechnungssysteme. Das bisherige Kerngeschäft unseres eigenen Lagers wird nun vollständig über die PBS Deutschland abgewickelt.

Der Prozess bleibt für den Händler nahtlos: Er bestellt weiterhin bei uns, wir routen die Aufträge vollautomatisch weiter. Der entscheidende Vorteil ist die Skalierbarkeit durch das elektronische Andocken weiterer virtueller Sortimente, die wir konsolidiert verarbeiten, ohne sie physisch anfassen zu müssen. Der strategische Schwerpunkt liegt im Datenmanagement. Hier haben wir massiv investiert und herausragende dynamische Entwickler, die Prozesse mit KI auf ein neues Level heben. Parallel nutzen wir die Schlagkraft der PBS, die über eine der wenigen hochautomatisierten Logistikern am Markt verfügt. Das garantiert uns eine Verfügbarkeit, die wir allein nie hätten bieten können.

Unser Zielhorizont für 2030 sind 5 Millionen Artikel in hochqualitativen Datenpools. Hieraus entwickeln wir ein neues Erlösmodell: Managed Data Services in verschiedenen Abo-Modellen. Wir werden vom reinen Warenumschlager zum digitalen Dienstleister, der Sortimente marktreif veredelt und technologisch bereitstellt.

Büroring eG in Haan
Info-Markt: Muss ich mir das so vorstellen: Sie haben einen Pool von Herstellern und der Händler sucht sich den Hersteller aus, den er ins Sortiment aufnimmt und zahlt eine Gebühr dafür?

Ingo Dewitz: Unsere absolute Kernkompetenz liegt heute in der Entwicklung und dem Betrieb von Shopsystemen. Mit aktuell 280 aktiven Shops verfügen wir über ein echtes Asset, das wir künftig deutlich stärker monetarisieren werden. Wir füllen diese Shops im Namen der Händler und bieten ihnen die Flexibilität, über das Kernsortiment hinaus gezielt Module – wie zum Beispiel den IT-Bereich – dazuzubuchen.

Dieser Aufbau eines umfassenden Datenpools bietet einen Mehrwert, den ein einzelner Händler allein niemals stemmen könnte. Wir übernehmen die gesamte Datenanreicherung und die technische Abwicklung bis hin zur Bereitstellung von Apps. Der Händler entscheidet über das Sortiment, und wir liefern die technologische Infrastruktur und die Datenpflege als Full-Service-Leistung. Das ist der Bereich, in dem unsere Zukunft als digitaler Dienstleister liegt.

Info-Markt: Vielleicht noch eine Frage zu den Shops: Der Händler bucht bei Ihnen einen Shop, und der wird dann individuell auf ihn zugeschnitten, mit seinem Logo und Design? Es ist also kein Zentral-Shop, sondern jeder kriegt seinen eigenen, individuellen Shop?

Ingo Dewitz: Unsere Stärke ist eine komplett eigenentwickelte Shop-Architektur, die weit über einen einfachen Webshop hinausgeht. Wir bieten eine hochkomplexe B2B-Lösung mit integrierten Procurement-Tools wie Kostenstellenverwaltung und Freigabeprozessen, die auf Wunsch direkt auf ERP-Ebene der Endkunden angebunden wird. Unsere Mitglieder erhalten für eine geringe Miete ein individualisiertes System für die Dauerversorgung ihrer Kunden. Unser Ziel ist das „One Stop“ und „One-Creditor-Geschäft“: Der gewerbliche Kunde bezieht alles aus einer Hand über einen einzigen Kreditor.

Trotz der schwierigen Marktzahlen hält der klassische deutsche B2B-Handel weiterhin über 50 Prozent Marktanteil und genau hier setzen wir an. Wir erweitern das Angebot um voll integrierte, virtuelle Sortimente. Künftig können auch Individualartikel wie Visitenkarten oder Werbemittel direkt im Shop konfiguriert und bestellt werden. Die Anbindung von Druckereien und Werbemittelspezialisten erfolgt automatisiert im Hintergrund. Damit machen wir den Shop zur zentralen Drehscheibe für alles, was ein Unternehmen im Arbeitsalltag benötigt.

Info-Markt: Wo sehen Sie denn zukünftig die Stärken des Bürorings?

Ingo Dewitz: Ein Kernthema ist das zentrale Datenmanagement. Wir entlasten den Fachhändler künftig massiv durch eine vollautomatische Aktualisierung der Stammdaten. Der Händler entscheidet weiterhin autark über seine Preisgestaltung, während wir das komplette Paket inklusive der Endkundenwerbung übernehmen.

Das Herzstück ist unser Data Management, das wir wesentlich größer denken als bisher. Bis Ende des Jahres streben wir 500.000 Artikel an, mit einer Zielmarke von fünf Millionen in der Endstufe. Damit schaffen wir ein One-Stop-Erlebnis: Lieferanten sind direkt angedockt, der Warenfluss wird automatisiert gesteuert. Ergänzt wird dies durch eine neue Hub-Plattform für die Beschaffung, die im Juni startet. Wir bieten die gesamte technische Infrastruktur – von der eCl@ss-Klassifizierung bis zur Compliance-Dokumentation. Ab 2027 wird dieses System die zentrale Schnittstelle für alle Beschaffungsprozesse sein.

Info-Markt: Welche Rolle spielt das Thema New Work?

Ingo Dewitz: Wir planen derzeit im 2. Halbjahr die Marketing-Gruppe „bop“ Büroring Büro- und Objektplaner als Speerspitze im Bereich New Work zu reaktivieren. Dabei geht es nicht um den Online-Abverkauf, sondern um das anspruchsvolle Planungsgeschäft. Wir ziehen eine klare Trennung zwischen dem Versand von Standardware und komplexen Projektplanungen, um einen exakt passenden Partnerkreis zu formen. Das Interesse daran ist bereits jetzt signifikant hoch.

Parallel dazu forcieren wir IT-Services mit Fokus auf Cloud und Security. Unsere dreistufige Strategie – Absicherung des eigenen Unternehmens, Paketlösungen für den Markt und Spezialangebote für Profis – geplant im Herbst startreif zu sein. Dass wir diese Kompetenzen vernachlässigt haben, korrigieren wir nun konsequent.

Auch wenn dieser Vorstoß mancherorts belächelt wird, bin ich überzeugt davon, dass wir mit den richtigen Köpfen eine Marktdynamik entfachen können.

Info-Markt: Sie haben vorhin auch das Thema Robotik angerissen, was hat es damit auf sich?

Ingo Dewitz: Wir erschließen mit Managed Robotic Service ein Zukunftsfeld, das in seiner Logik nah an unserem Geschäft mit gemanagten Drucksystemen und Fleetmanagement liegt. Ein Roboter bewegt sich preislich in der Größenordnung, die unsere Händler aus dem Printing-Umfeld kennen. Der entscheidende Vorteil: Wir haben über Managed Print Services das Vertrauen der Entscheider bereits gewonnen.

Dabei setzen wir auf ein herstellerunabhängiges Netzwerk statt auf starre Lösungen. Unsere Stoßrichtung umfasst Reinigung, Pflege, Service und digitale Info-Terminals. Um den Fachhandel fit zu machen, starten wir zum 1. April kombiniert mit Schulungsmaßnahmen innerhalb unserer Akademie, die von der Vermarktung, Hotline bis zum Service und Flottenmanagement alles abdeckt.

Ein entscheidender Baustein ist das Thema After-Sales und Finanzierung. Hier arbeiten wir eng mit der winwin zusammen: Gemeinsam mit dem Management um Roland Müller und Florian Nasser bauen wir die Strukturen auf, um das Mietgeschäft und den Support ab April über beide Gruppen auszurollen. Wir professionalisieren damit ein Feld, das bisher noch niemand für den klassischen Fachhandel besetzt hat.

Info-Markt: Reden wir hier jetzt von physischen Robotern oder von Robotic Process Automation (RPA)?

Ingo Dewitz: Wir dürfen bei der Robotik nicht in den bloßen Hardware-Abverkauf verfallen. Entscheidend ist der Prozess: Ein System bringt keinen Mehrwert, wenn es die menschliche Komponente und die IT-Infrastruktur nicht sinnvoll unterstützt. Unsere Aufgabe ist es, Systeme zu liefern, die nahtlos in bestehende Workflows eingebunden sind.

Aktuell liegt unser Fokus auf Reinigungs- und Servicesystemen sowie Info-Terminals, während wir die Entwicklung humanoider Roboter für 2026/2027 beobachten. Hierfür schmieden wir Allianzen. Wir vertiefen die Kooperation mit Distributoren und binden Experten für die Systemintegration ein. Die Technik-Partner liefern die Innovation, wir fungieren als Drehscheibe zum Kunden. Ich möchte persönlich dafür Sorge tragen, dass wir keine Billig-Lösungen in den Markt bringen. Unser Ziel ist ein geschlossenes System aus Mietverträgen und umfassenden Service-Levels.

Der Zeitpunkt für diesen Markteinstieg ist goldrichtig. Anders als bei früheren Projekten wie z.B. additives Drucken 3D Print spüren wir eine enorme Dynamik. Die ersten Händler haben sich bereits gefunden. Wir rollen dieses Thema jetzt mit voller Kraft über beide Verbundgruppen aus und besetzen ein Feld, das die Zukunft des Fachhandels prägen kann.

Info-Markt: Aber wie wollen Sie die PS, die Sie bisher beschrieben haben, auf die Straße bringen?

Ingo Dewitz: Wir beobachten eine signifikante Wechselbereitschaft im Markt. Spezialisten suchen aktiv nach einer Heimat unter Gleichgesinnten, da bestehende Verbundgruppen oft keine innovativen Lösungen bieten. Wir werden diesen Prozess im zweiten und dritten Quartal forcieren, sobald das Gesamtpaket inklusive der Partner steht. Wir bauen die klassische Kommunikation bewusst ab und agieren künftig über Communities und Plattformen als fachlicher Taktgeber.

Wir müssen jedoch ehrlich bleiben. Wir sind noch nicht über den Berg. Die Abwicklung der Logistik sowie die Verhandlungen zum Sozialplan sind komplexe Hürden, bei denen es um Einfluss auf Liquidität geht. Wir verwalten nicht nur den Rückbau bisheriger Geschäftsteile, sondern investieren parallel in neue, zukunftsfähige Themen.

Die Rückmeldungen der Mitglieder geben uns Kraft für diesen harten Kurs. Händler signalisieren volle Unterstützung und fordern die Bereinigung des Portfolios von Passiv-Mitgliedern. Besonders bewegend ist die Loyalität der Belegschaft, selbst dort, wo Stellenstreichungen unvermeidlich sind. Diese Transparenz war ein Wagnis, aber sie ist der einzige Weg. Wir gehen diesen Pfad gemeinsam zu Ende, um die Basis für ein neues Kapitel zu legen.

Info-Markt: Aber gerade bezüglich der Vermarktung von KI und Robotic bedarf es eines gewissen Know-hows, sowohl bei den Mitarbeitern als auch bei den Fachhändlern?

Ingo Dewitz: Wir besinnen uns auf den Kern des genossenschaftlichen Gedankens: Aufgaben, die den Einzelnen überfordern, verteilen wir auf mehrere Schultern. Unser Ziel ist es nicht, den Händlern einfach ein neues Produkt vor die Füße zu werfen. Wir liefern das komplette Setup für den Markteintritt, von der Zielgruppen-Auswahl bis zur fertigen Verkaufsargumentation.

Der Aufbau erfolgt über einen aktiven Ansatz: Jeder Partner investiert sonst in eigenes Know-how. Wir bilden Techniker aus und schulen den Vertrieb mit fertigen Skripten. Wir stellen System- und Partnerauswahl zur Verfügung und nehmen dem Händler die Komplexität ab, vom Social-Media-Marketing über die Finanzierung bis zur Systemintegration.

Wir starten noch im März mit einem schlagkräftigen Kreis aus acht Handelspartnern, die bereit sind, aktiv an den Konzepten mitzuarbeiten. Was benötigt unser Handel? Ein Roboter im 24/7-Einsatz verzeiht keine Service-Lücken. Fällt ein System am Wochenende aus, muss sofort Hilfe her. Deshalb greifen wir hier initial auf ein externes Netzwerk zurück und koordinieren parallel Ausbildungsprogramme für unseren Handel, damit er in dieses lukrative Service-Geschäft einsteigen kann. Wir bauen kein flüchtiges Marketing-Konstrukt, sondern eine solide Plattform. Das ist kein Experiment, sondern die konsequente Evolution unseres Geschäftsmodells.

Info-Markt: Heißt das, dass es vielleicht auch neue Marketinggruppen für spezielle Märkte geben wird?

Ingo Dewitz: Mit der Einführung der Community „Büroring PartnerVerse“ findet eine Abkehr vom herkömmlichen Begriff der Marketinggruppe statt, da künftig Vertriebs- und Servicekonzepte im Vordergrund stehen. In dieser neuen Struktur werden gezielt die Themen der künftigen Jahre besetzt, während margenschwache Bereiche wie das reine Print-Geschäft nicht mehr priorisiert werden.

Im Bereich der IT-Partner entsteht ein Segment für Security- und Cloud-Lösungen, das auf paketierte Services setzt und eng mit den Ressourcen der winwin verzahnt sein kann. Parallel wird die Gruppe „Büroring Büro- und Objektplaner“ reaktiviert, um das komplexe Planungsgeschäft im Bereich New Work abzubilden. Für die Zukunftsfelder Robotik und KI-Telefonie werden eigene Fachgruppen ins Leben gerufen, während Gruppen wie „Office Star“ und „Office 52“ durch neue inhaltliche Impulse wiederbelebt werden sollen.

Anstatt auf seltene, allgemeine Treffen zu setzen, wird die Arbeit in thematisch fokussierte Arbeitsgruppen verlagert. Der Aufbau erfolgt schrittweise. Zunächst entwickelt ein kleiner Kern aus engagierten Partnern die Prozesse und Strategien, bevor diese Konzepte für den gesamten Markt zugänglich gemacht werden. Dieser Ansatz stellt sicher, dass technisch und wirtschaftlich fundierte Lösungen in die Breite getragen werden.

Info-Markt: Sie haben gesagt, dass Sie daran arbeiten wollen, die Kommunikation zentraler zu steuern, damit jeder weiß, was der andere tut. Aber steht dieses Modell der Gruppen-Bildung dem nicht entgegen? Besteht nicht die Gefahr, dass dort jede Gruppe ihr eigenes Süppchen kocht?

Ingo Dewitz: In der Organisation wird künftig strikt zwischen offenen Kompetenzthemen und geschlossenen Expertengruppen differenziert. Während Themen wie die KI-Telefonie allen Mitgliedern offenstehen, erfordern spezialisierte Bereiche wie die Büro- und Objektplanung oder IT-Systemintegration einen Austausch auf Augenhöhe. Diese Kreise bleiben Partnern vorbehalten, die über das entsprechende fachliche Level verfügen, um sicherzustellen, dass reine Produktverkäufer den Fortschritt der Spezialisten nicht bremsen.

Diese geschlossenen Kreise agieren wirtschaftlich eigenständig und legen ihre Zugangsregeln autonom fest. Die Rolle der Verbundgruppe beschränkt sich dabei auf die des Initiators, Moderators und Unterstützers. Da keine großen personellen Kapazitäten für eine dauerhafte Rundumbetreuung mehr vorgehalten werden, müssen die Systeme nach dem Start selbstständig agieren. Ziel ist ein selbstverwalteter Expertenaustausch, der durch die Initiative der Mitglieder getragen wird.

Info-Markt: Soweit ich Sie verstanden habe, können Sie diese neuen Themen wie die Robotik bereits mit den bestehenden Händlern im Markt angehen. Aber mit Blick auf die Zukunft: Glauben Sie, dass Sie trotzdem ein Know-how-Wachstum brauchen, sprich: neue Händler gewinnen müssen, die stärker in diesen Sektoren verankert sind? Sind Sie auf Zuwachs angewiesen?

Ingo Dewitz: Das Ziel ist der Aufbau eines offenen Systems, das im Zuge der Monetarisierung von Leistungen weit über das klassische PBS-Geschäft hinausgeht und den gesamten Handel adressiert. Durch die elektronische Anbindung von Marktführern in Segmenten wie Hygiene oder Arbeitsschutz sowie die Bereitstellung eines White-Label-Shops und eines professionellen Data Managements wird die Plattform für diverse Bereiche attraktiv. Dieses Modell kann künftig über Abo-Strukturen komplett geöffnet werden, wobei die Reaktivierung der Kernbereiche IT und Einrichtung Priorität bleibt.

Wachstum soll primär aus der Qualität der Angebote entstehen. Es zeigt sich bereits jetzt ein konkretes Interesse neuer Händler, die gezielt wegen innovativer Themen wie Robotik den Kontakt suchen. Da auch andere Verbundgruppen vor strukturellen Herausforderungen stehen, sehe ich die Transformation zu einem modernen Beschaffungs- und Data-Management-Dienstleister als entscheidender Wettbewerbsvorteil. Sobald die internen Hausaufgaben erledigt sind, wird die Gewinnung neuer Partner durch technologische Überlegenheit zum Selbstläufer.

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Kai Scott, Geschäftsführer der Sharp Business Systems Deutschland GmbH

Die Antwort auf zunehmende Komplexität

Wenn sich auf einer internationalen Veranstaltung die Gespräche mehr um Software, Services und neue Denkmodelle als um Hardware drehen, ist das mehr als eine Momentaufnahme – es ist ein Indikator für einen tiefgreifenden Strukturwandel. Auf der Sharp Inspire Expo in Lissabon wurde deutlich, wie sehr sich der Fokus der Branche

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Florian Stäwen, Geschäftsführer, CFO und Partner der GREEN IT Das Systemhaus GmbH

Nachhaltig, nahbar, unbeirrbar

Der Mittelstand als Rückgrat, nicht als Randnotiz. GREEN IT verkörpert den unbeirrbaren Glauben an die Zugkraft des Mittelstandes trotz Konjunkturflaute, Bürokratiestau und Digital-Löchern. Im Gespräch mit INFO-MARKT-Herausgeber Dr. Alfried Große stellt sich für Florian Stäwen, Geschäftsführer, CFO und Partner der GREEN IT Das Systemhaus GmbH, die Standortfrage gar nicht. Während

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Kai Scott, Geschäftsführer der Sharp Business Systems Deutschland GmbH

Ganzheitlichen Ansatz für den Arbeitsplatz von morgen

In dynamischen Zeiten, in denen sich technologische, regulatorische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen rasant ändern, stellt sich Unternehmen vor allem eine Frage: Wie kann es gelingen, die Organisationsstrukturen im ohnehin hektischen Arbeitsalltag effektiv und kontinuierlich anzupassen, um mit den Veränderungen Schritt zu halten? Ein starker Technologiepartner auf Augenhöhe, der ein Unternehmen zuverlässig

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Neues ERP-Schwergewicht

Infominds setzt einen strategischen Meilenstein und schärft seine Position im deutschen Markt. Durch den Zusammenschluss mit der JUST.IN Software GmbH & Co. KG entsteht ein ERP-Anbieter, der künftig zu den prägenden Kräften der Printing- und IT-Branche gehören dürfte. Der Schritt schafft die Grundlage für eine gemeinsame Plattformarchitektur, die unmissverständlich auf

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Michael Raberger, CEO der Ricoh Deutschland GmbH

Wider das Krisennarrativ

Trotz Investitionsflaute, Bürokratie-Bremse und gedrückter Stimmung ist der deutsche Markt für Ricoh Deutschland kein schwieriges Fahrwasser – im Gegenteil. Anstatt wie andere über eine vermeintliche Standortschwäche zu klagen, setzt Ricoh auf Zuversicht als Betriebssystem und einen klaren Portfolio-Fokus: Farbsysteme, Standardisierung im AV-Geschäft und Digitalisierungslösungen. Die normative Kraft des Faktischen gibt

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Alfried Große_ INFO-MARKT GmbH

Seismisches Beben

Unsere Meinung zu …

„Es kam zu einem lawinenartigen Abrutsch bei Neuaufträgen“ – eine Formulierung, die in ihrer Wucht alles sagt über die Verfassung eines Marktes, der längst ins Rutschen geraten ist. Nun also König + Neurath, einer der letzten großen Vollsortimenter mit echter Fertigungstiefe ‚Made in

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Dr. Markus Naegeli, Geschäftsführer von Canon Deutschland

„Transformation gelingt nur gemeinsam“

Wir sprachen mit Dr. Markus Naegeli, der kürzlich zum Geschäftsführer von Canon Deutschland ernannt wurde, über die Zielsetzungen, Wachstumschancen und Herausforderungen des Unternehmens im hiesigen Markt. Außerdem baten wir den langjährigen Canon-Manager um eine Einschätzung der Entwicklungsperspektiven für die indirekte Vertriebsorganisation. Der neue Deutschland-Chef ist seit mehr als 20 Jahren

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